Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

06.01.2003

11:42 Uhr

Bethlehem-Chef begrüßt Angebot

International Steel bietet für Bethlehem

Die US-Stahlfirma International Steel Group Inc. (ISG) will alle Stahlwerke und operativen Vermögenswerte der in einem Insolvenzverfahren befindlichen Bethlehem Steel Corporation für 1,5 Mrd. Dollar (1,43 Mrd Euro) kaufen.

HB/dpa CLEVELAND. Sollte die Transaktion durchgehen, würde die ISG jährlich mehr als 16 Mill. Tonnen Stahl liefern und wäre damit der größte integrierte nordamerikanische Stahlkonzern. In der Kaufsumme seien auch einige Schulden enthalten. Dies hat die ISG am Montag bekannt gegeben.

Die ISG war erst im vergangenen Jahr gebildet worden. Sie hatte im Jahr 2002 die Stahlwerke und wichtigsten Betriebe des liquidierten Stahlkonzerns LTV Corporation sowie ein Mini-Stahlwerk der Acme Steel Company übernommen.

Die ISG will die Verhandlungen zum Kauf der Bethlehem-Vermögenswerte binnen zehn Tagen abschließen. Die Transaktion müsste dann erst vom Bethlehem-Verwaltungsrat akzeptiert werden, ehe der Vorschlag an das Insolvenzgericht zur Billigung gehen könne.

Wilbur L. Ross, dessen Investmentfirma W.L. Ross & Co. der ISG- Gründer und Großaktionär ist, lobte das ISG-Managment. Man habe die notwendigen Mittel für eine Fortsetzung der erfolgreichen Konsolidierung der Stahlindustrie verfügbar gemacht.

Bethlehem-Chef Robert S. Miller nannte den ISG-Vorschlag eine "positive Entwicklung". Er unterstütze das Konzept einer Zusammenlegung "enthusiastisch". Er hoffe, dass man in naher Zukunft eine Vereinbarung erzielen könne. Eine Zusammenlegung von Bethlehem und ISG würde "einen eindrucksvollen neuen Wettbewerber in der Stahlindustrie schaffen", erklärte Miller. Bisheriger nordamerikanischer Branchenführer ist die U.S. Steel.

Bethlehem habe aber auch erhebliche Fortschritte mit einem Alleingangs-Plan gemacht. Man wolle diese Alternative weiter verfolgen bis eine Zusammenlegung mit ISG vom Bethlehem- Verwaltungsrat, dem Gläubigerausschuss und dem Insolvenzgericht genehmigt worden sei.

Der Kauf aller operativen Bethlehem-Vermögenswerte durch ISG sei ein wichtiger Schritt, um viele Stahlarbeitsplätze zu sichern, betonte Leo W. Gerard, der Präsident der Stahlarbeitergewerkschaft USWA. "Wir brauchen weniger amerikanische Stahlunternehmen, aber nicht weniger Stahlproduktion", erklärte er.

Am Montag lief die 60-tägige exklusive Verhandlungsperiode zum Kauf von Bethlehem durch die ISG aus. Bethlehem befindet sich seit mehr als einem Jahr in einem Insolvenzverfahren im Rahmen des Kapitel Elf des US-Insolvenzrechtes. Dieses ermöglicht eine Weiterführung der Geschäfte unter Aufsicht eines Insolvenzgerichts.

Ein Kauf würde Tausende von Arbeitsplätzen retten, die sonst wegen der gewaltigen Bethlehem-Schulden verschwinden könnten. Ross werde wahrscheinlich zwischen 30 und 40 % der 12 000 Bethlehem- Stellen streichen und die Krankenkassenleistungen für 67 000 Bethlehem-Rentner erheblich kürzen, hatte das "Wall Street Journal" am Montag in seiner Onlineausgabe berichtet.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf "Zum Home-Bildschirm"

Auf tippen, dann "Zum Startbildschirm hinzu".

×