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08.01.2003

08:11 Uhr

Betriebliche Altersvorsorge gefragter

Riester-Rente bleibt ein Ladenhüter

VonHolger Alich

Die Verkaufsaussichten für die Riester-Renten sind auch im zweiten Jahr düster - immer weniger Bürger wollen sie kaufen. Dagegen entwickelt sich die betriebliche Altersvorsorge zu einer Erfolgsstory.

DÜSSELDORF. Die Riester-Policen haben längst ihr Image als Ladenhüter weg. Und jetzt das noch: Entbrannt ist ein Streit um die Renteninformationen, die derzeit die Rentenversicherungsträger an die rund 40 Millionen gesetzlich Versicherten verschicken. Darin nennen die Rentenversicherungsträger Prognosen, mit welcher Rente ein Versicherter bei Beginn des Ruhestandes rechnen kann. Das Problem: In einer der drei Hochrechnungen werden Rentensteigerungen von jährlich 3,5 Prozent zu Grunde gelegt. Die Branche fürchtet nun, dass gerade die heute 30- bis 40-Jährigen angesichts scheinbar üppiger staatlicher Renten ihren Vorsorgebedarf unterschätzen und so das Geschäft mit den Privatrenten noch schwieriger wird.

Der Markt für die Altersvorsorge zeigt sich nach dem ersten Jahr der neuen Riester-Förderungen geteilt: Der Absatz der privaten Riester-Renten enttäuschte, dagegen läuft das Geschäft mit betrieblicher Altervorsorge gut. Eine echte Jahres-Endrally beim Abschluss von Riester-Renten hat es nicht gegeben, auch wenn einzelne Anbieter wie die Allianz von einem gestiegenen Interesse im Dezember berichten. Doch von seinen ursprünglichen Verkaufsprognosen ist auch der Marktführer meilenweit entfernt. Bis Ende des vergangenen Jahres haben die Stuttgarter 578 000 private Riester-Renten verkauft. Anvisiert hatten sie mehr als eine Million Verträge. Noch deutlicher verfehlte die Victoria ihr Ziel: Statt der angepeilten Million verkaufter Verträge brachte die Tochter des Ergo-Konzerns nur 267 700 "Förderrenten" an den Mann (siehe Tabelle). Die R+V Versicherung freute sich zwar wie die Allianz über einen kleinen Run zum Jahresende; trotzdem haben auch die Wiesbadener ihr Soll nicht erreicht. Mitverantwortlich sei der zurückhaltende Verkauf über den Bankschalter, der zentralen Verkaufsschiene der R+V, hieß es.

Trotz teurer Werbekampagnen der Versicherungswirtschaft haben sich die Verkaufsaussichten für die Riester-Renten seit dem vergangenen Sommer gar verschlechtert, ermittelte das Kölner Marktforschungsinstitut Psychonomics. Nur 23 Prozent der Befragten seien derzeit bereit, eine Riester-Rente abzuschließen, im vergangenen Juli waren es noch 26 Prozent gewesen. Mehr noch: Fast zwei Drittel der Förderberechtigten planen überhaupt keinen Abschluss.

Anders das Bild bei den Betriebsrenten: Nach Angaben des Bundessozialministeriums haben rund 19,1 Millionen Beschäftigte per Tarifvertrag die Möglichkeit, eine der Varianten der betrieblichen Altersvorsorge zu wählen. Jetzt gilt es, dieses riesige Potenzial zu nutzen und die Arbeitnehmer davon zu überzeugen, das Angebot zur betrieblichen Altersvorsorge tatsächlich wahrzunehmen. Das Problem: Die Versicherer stehen bei Mandaten um betriebliche Altersvorsorge in einem knallharten Kostenwettbewerb. Gleichzeitig müssen sie die Mitarbeiter der Kundenunternehmen aber vernünftig beraten.

"Der Mangel an Beratungskapazität droht den Erfolg der betrieblichen Altersvorsorge zu bremsen", fürchtet Oliver Dobner, Geschäftsführer des Versicherungsmaklers Marsh. Zudem habe er die Beobachtung gemacht, dass je mehr Alternativen für die betriebliche Vorsorge im Angebot seien, umso weniger diese von den Mitarbeitern angenommen würden. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Assekuranz auf Grund der engen personellen Ausstattung den individuellen Beratungsbedarf wird befriedigen können", sagt Prof. Wolfgang Förster, Geschäftsführer der auf Vorsorge spezialisierten Unternehmensberatung Dr. Dr. Heissmann.

Solche Befürchtungen hält Björn Schütt-Alpen, Geschäftsführer der Metall-Rente, für übertrieben. "Bei der Vorsorge muss gewiss beraten werden. Der Erfolg der betrieblichen Altersvorsorge hängt aber auch davon ab, ob sich Arbeitgeber und auch Verbände wie die Gewerkschaften engagieren", sagt er. Als positives Beispiel verweist er auf den Automobilzulieferer SKF Teilkonzern Deutschland. Von 6 000 Mitarbeitern haben bereits rund 600 eine Betriebsrente abgeschlossen - dabei gibt es das Angebot dort erst seit November. Insgesamt haben sich bislang 40 000 Arbeitnehmer für die Metall-Rente entschieden. "Letztlich hängt der Erfolg der Entgeltumwandlung auch davon ab, ob sich ein Arbeitnehmer den Lohnverzicht auch tatsächlich leisten kann", sagt Prof. Förster. Zufrieden zeigt sich auch die Allianz angesichts von mehr als 11 300 Arbeitgebern, die sie von ihrer Pensionskasse überzeugen konnte. Gebrauch gemacht haben davon mehr als 130 000 Arbeitnehmer.

Quelle: Handelsblatt

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