Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

16.06.2000

16:34 Uhr

Betriebsrat ist für einen Verkauf des Software-Unternehmens an Invensys

Baan-Gründer sollen Aktien heimlich veräußert haben

Aktionärsvertreter werfen den Gründern des Software-Unternehmens Baan vor, einen Großteil ihrer Baan-Aktien 1999 heimlich verkauft zu haben.

dpa AMSTERDAM. Die Aktionärsvertreter forderten die niederländische Börsenaufsicht am Freitag auf, die erst jetzt bekannt gewordenen weit reichenden Aktienverkäufe von Jan und Paul Baan aus dem vergangenen Jahr zu untersuchen. Ein Sprecher der Vanenburg-Gruppe, die den Baan-Brüdern gehört, bestritt böse Absicht. Der Baan-Betriebsrat befürwortete unterdessen einen Verkauf des Unternehmens an den britischen Technologie-Konzern Invensys.

Ein Sprecher der Vereinigung der Effektenbesitzer (VEB) in Amsterdam sagte, es müsse festgestellt werden, warum die Baan-Brüder ihre Beteiligungen an dem in finanzielle Schwierigkeiten geratenen Unternehmen über die Vanenburg-Gruppe verkauft und dies nicht gemeldet hätten. Schließlich gehe es um erhebliche Beträge. Die niederländische Aufsichtsbehörde (STE) nahm zur Forderung der Aktionärsvereinigung keine Stellung. Dies sei gesetzlich verboten, meinte eine Sprecherin. "Aber natürlich haben wir Kenntnis von der Sache", sagte sie.

Vanenburg-Gruppe hat Verträge angeblich nicht verstanden

Ein Sprecher der Vanenburg-Gruppe wies Behauptungen zurück, der Verkauf der Anteile habe vertuscht werden sollen. Man habe den Verkauf aus dem Dezember letzten Jahres erst jetzt gemeldet, weil man komplizierte Verträge zu spät genau durchgelesen habe. Die fraglichen Aktien seien als Pfand hinterlegt worden, als Vanenburg im vergangenen Jahr bei einer Bank Geld ausgeliehen habe. Man habe lange nicht gewusst, dass die Besitzrechte an den Aktien bei einem anderen lagen, sagte er. Erst viel später habe man die dabei aufgestellten komplizierten Verträge im Einzelnen studiert.

Durch den rapiden Kursverfall des einst hoch bewerteten Unternehmens hatten Anleger hohe Summen verloren. Der Aktienkurs von Baan sei unmittelbar nachdem die Baan-Gründer ihre Anteile verkauft hätten, in Amsterdam deutlich gesunken, erläuterte die VEB. Bei dem Verkauf war nach Angaben der Gruppe die meldepflichtige Grenze bei Käufen und Verkäufen von zehn Prozent der Anteile überschritten worden.

Betriebsrat spricht sich für Verkauf aus

Rechtzeitig zum vereinbarten Zeitpunkt (16. Juni) nahm der Baan- Betriebsrat zur empfohlenen Übernahme des angeschlagen Unternehmens durch den britischen Technologie-Konzern Invensys Plc (London) Stellung. Er unterstützte die Absicht einstimmig. Dieses Vorhaben liege im besten Interesse der Beschäftigten, sagte ein Sprecher. Eine seriöse Alternative gebe es nicht.

Invensys will Baan für umgerechnet 1,5 Mrd. DM (474 Mill. Pfund) übernehmen. Nach einer Umstrukturierung solle Baan aber als eigenständige Marke weitergeführt werden. Baan verfügt in Deutschland über etwa 340 Mitarbeiter. Invensys macht eine Zustimmung von 95 Prozent der Baan-Aktionäre zur Voraussetzung für die Übernahme.

Eine Gruppe von Baan-Aktionären, die nach Angaben eines Sprechers über fast 20 Prozent der Aktien verfügt, lehnt das Übernahmeangebot jedoch ab. Über Ausgabe von 250 Mill. neuen Baan-Aktien sollen nach Angaben des Sprechers Ernst Sonneveldt 625 Mill. Euro (1,22 Mrd. DM) aufgebracht werden. Sie sollen ausreichen, um Baans Selbstständigkeit zu gewährleisten, meint die anonym gebliebene Aktionärsgruppe. Ihr sollen nach Presseberichten 14 Niederländer, sechs Amerikaner und zwei Belgier angehören.

Noch Anfang 1998 galt Baan als der Hauptkonkurrent des Walldorfer Softwareherstellers SAP. Dann machte das Unternehmen allerdings sieben Quartale hintereinander zum Teil erhebliche Verluste und geriet auch nach Wechseln in der Managementspitze in eine tiefe Krise, die zum Abstoßen von Beteiligungen und dem Verlust von Arbeitsplätzen führte. Der Aktienkurs fiel von 48,92 Euro bis auf 1,26 Euro, erholte sich zuletzt aber wieder etwas.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×