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23.01.2001

13:15 Uhr

Reuters BERLIN. Vertreter der Roma haben von der Bundesregierung und der internationalen Gemeinschaft mehr Schutz und Unterstützung für ihre Minderheit im Kosovo gefordert. Der Präsident der Roma-Organisation im Kosovo, Haxhi Zulfi Mergja, sagte am Dienstag in Berlin, durch Krieg, Vertreibung und Mord sei ihre Zahl im Kosovo von 150 000 bis 200 000 vor dem Krieg auf 50 000 gesunken. Er wolle bei Treffen mit Außenminister Joschka Fischer (Grüne) und dem US-Gesandten Terry Snell eine Initiative für den Schutz der Roma fordern. Der Vorsitzende des Zentralrats deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, sagte: "Nur eine Atmosphäre der Sicherheit und Rechtsstaatlichkeit kann eine Rückkehr der Flüchtlinge ermöglichen."

Mergja sagte, rund 100 000 Roma seien im Zusammenhang mit dem Kosovo-Krieg von 1999 in die Nachbarländer geflohen. Die Volksgruppe habe auch unter den Angriffen der NATO gelitten Zahlreiche Roma seien vertrieben oder ermordet worden, ein Großteil ihrer Häuser sei zerstört. Das Schicksal vieler Roma sei unbekannt. Mergja sagte, er wisse nicht, ob die Angriffe gegen die Minderheit von Albanern oder Serben ausgingen. Im Zusammenhang mit dem Konflikt der beiden Volksgruppen hatten die Albaner die Roma der Kollaboration mit den Serben beschuldigt. Nach Mergjas Angaben leben heute die meisten Roma in albanischen Gebieten des Kosovo.

Mergja kritisierte, das Kosovo Transition Council (KTC), in dem er die Roma vertritt, habe die Lage der Minderheit bislang nicht ausreichend verbessern können. Die Vereinten Nationen sollten sie und andere Minderheiten an den Gesprächen über die Zukunft des Kosovo beteiligen. Rose betonte, die internationalen Sicherheitsorgane im Kosovo müssten verstärkt werden, um den bedrohten Minderheiten zunächst physische Sicherheit zu geben. Nach Mergjas Angaben ist deren Lage im deutschen Sektor des Kosovo bedeutend besser als in anderen Gegenden.

Rose berichtete mit Blick auf die Diskussion über den Einsatz von Uranwaffen durch die NATO im Kosovo, bei vielen Roma seien unerklärliche Todesfälle in jungem Alter, Haarausfall und Ausschläge aufgetreten. Er forderte eine Untersuchung durch internationale Experten.

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