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07.01.2001

15:44 Uhr

ap BANGKOK. Dem thailändischen Milliardär Thaksin Shinawatra ist in der Politik ein ebenso kometenhafter Aufstieg gelungen wie in der Wirtschaft. Vor knapp drei Jahren gründete er mit seinem riesigen Vermögen die Partei Thai Rak Thai (Thailänder lieben Thailänder), die bei der Parlamentswahl am Samstag einen überwältigenden Sieg errang. Dies sichert ihm nun den angestrebten Posten des Ministerpräsidenten.

Die Freude über das Amt des Regierungschefs könnte jedoch von kurzer Dauer sein: Über Thaksin schwebt ein Gerichtsverfahren unter anderem wegen Verschleierung seiner Vermögensverhältnisse als stellvertretender Ministerpräsident. Falls das Verfassungsgericht eine Entscheidung der Nationalen Kommission zur Bekämpfung der Korruption bestätigt, dürfte der Unternehmer und Politiker fünf Jahre lang kein öffentliches Amt bekleiden.

Aber davon lässt sich der 51-Jährige nicht beirren: "Sie (die Wähler) wollen, dass ich Ministerpräsident werde", betonte er. "Selbst wenn es nur für kurze Zeit ist, wollen sie, dass ich das Parteiprogramm umsetze." Den Bauern hat er versprochen, Schulden zu erlassen; jedes der über 70 000 Dörfer will er mit einer Mill. Baht (rund 50 000 Mark/25 000 Euro) unterstützen. Wie er die Erfüllung seiner Versprechen finanzieren will, ließ er bisher offen.

Thaksin gewann das Vertrauen der Wirtschaftselite

Im Wahlkampf gewann Thaksin die Unterstützung der Wirtschaftselite und schürte das Misstrauen der Wähler in die etablierten Parteien: "Das thailändische Volk ist von unfähigen Politikern regiert worden, die nur wissen, wie man sich an der Macht hält und selbst bereichert", sagte er in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AP.

Thaksin wurde als Sohn einer wohlhabenden Handelsfamilie in der nordthailändischen Stadt Chiang Mai geboren. Zunächst strebte er eine Polizeilaufbahn an und studierte in den USA Kriminologie. Während seiner Tätigkeit bei der Polizei leitete seine Frau Potjaman Unternehmen, die Computer an staatliche Betriebe verkauften. 1987 brach Thaksin seine Polizeikarriere ab, übernahm die Leitung der Unternehmen und stieg in die Telekommunikation ein. Der geschäftliche Durchbruch gelang ihm 1990, als er von der Regierung die Exklusivrechte zum Betrieb von Mobiltelefonen erhielt. Zwar hat er mittlerweile nicht mehr das Monopol auf dem Gebiet, sein Unternehmen ist aber weiter thailändischer Marktführer.

1994 wurde Thaksin parteiloser Außenminister in der ersten Regierung des derzeitigen Ministerpräsidenten Chuan Leekpai. Mutmaßliche Verflechtungen zwischen politischen und wirtschaftlichen Interessen - seine Unternehmen wollten in die Nachbarländer expandieren - führten zu seinem Rücktritt. Von 1995 bis 1996 war er sieben Monate lang stellvertretender Ministerpräsident und nahm das Amt erneut 1997 ein. Nachdem er vorübergehend mit verschiedenen Parteien geliebäugelt hatte, gründete er 1998 kurzerhand seine eigene.

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