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17.03.2003

09:45 Uhr

Bewegung im Markt

Smartphones kontra Handhelds

VonRudi Kulzer (Handelsblatt)

Die Smartphones werden immer besser. Auf der Cebit in Hannover zeigte sich, dass der Kampf zwischen den herkömmlichen Organizern und den Handys mit Bürofunktionen an Schärfe gewonnen hat.

HB HANNOVER. Sie heißen P 800, SGHi 500 oder SPV. Mobiltelefone mit eingebauten Organizerfunktionen machen den klassischen Palmtop-Computern - abgeleitet von dem englischen Wort palm für Handfläche - zunehmend massive Konkurrenz. Bekannte Vertreter sind hier Modelle wie der Tungsten T oder iPac. Sie kommunizieren mit der Außenwelt meist über Kabel, Infrarot- oder Bluetooth-Schnittstellen, mit denen sie sich mit Mobiltelefonen zusammenschließen lassen.

Ein harter Verdrängungswettbewerb ist die Folge. Der Vorteil der neuen Mobilfunk-Zwitter: statt zwei Geräten muss der Geschäftsmann nur noch eines mit sich herumschleppen. Ein Nachteil: oft liegen die Batterielaufzeiten unter den Werten reiner Mobiltelefone der neuesten Generation.

10 Jahre PDAs

Es ist es erst zehn Jahre her, seit der der erste "persönliche digitale Assistent" (PDA) auf den Markt kam. Der DIN A5 große Stiftcomputer "Newton" war zwar wirtschaftlich ein Flop, öffnete jedoch im Rückblick betrachtet einen neuen Massenmarkt. Handtellergroße Palmcomputer sind heute ein wichtiger Gerätetyp zwischen den großen Notebooks und kleineren Mobilfunk-Handys. Laut Gartner Group lag der Absatz für elektronische Organizer 2002 weltweit bei knapp 12,1 Millionen Stück, ein Minus von zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr. Eine Folge der Wirtschaftsflaute und der zunehmenden Konkurrenz aus dem Handylager.

Marktführer der hemdtaschgroßen PDA-Computer ist noch immer Palm Solutions. Der im kalifornischen Milpitas ansässige Hersteller erreichte nach Angaben von Gartner 2002 einen Marktanteil von 36,8%. Trotz eines Umsatzrückgangs hatte der kalifornische PDA-Pionier mehr als doppelt so viele Einheiten verkauft wie seine Wettbewerber. Mit dem Palm-Betriebssystem arbeiten auch die Geräte von Sony (Clie) und Handspring.

Die zweite große Gruppe sind die Unternehmen, die Microsofts Betriebssystem Pocket-PC lizenziert haben. Dazu gehören unter anderem HP und Siemens. Auch Dell will diesen Markt noch im Frühjahr in Europa mit neuen Geräten besetzen.

Palms Business Class unter den Handhelds

Bei den Palm-Kompatiblen ist der Palm Tungsten T der kompakteste Handheld. Der Tungsten T gilt als eine Art Business Class unter den Handhelds. Der neue OMAP1510-Prozessor von Texas Instruments und das Palm OS-5-Betriebssystem bieten genügend Leistung für Businessanwendungen. Ein integriertes Mikrofon macht ihn auch zum Diktiergerät.

Als eine Art Schweizer Messer unter den PDAs: gilt der neue iPaq 5450 von HP. Äußerlich unterscheidet sich das neue Modell mit einem Intel Xscale (400 MHz) Prozessor kaum von seinen Vorgängern. Module für Wireless LAN und Bluetooth sowie eine biometrische Fingerabdruckerkennung machen diese Modell für den Einsatz in Unternehmen interessant. Weitere Modelle mit Wireless LAN-Fähigkeiten werden von allen wichtigen Herstellern noch in diesem Jahr erwartet.

Konkurrenz aus dem Handylager

Doch die Konkurrenz aus dem Handylager formiert sich zusehends: Seit Herbst vergangenen Jahres versucht selbst Microsoft, mit seinem Betriebssystem Smart Phone den Markt der Daten-Handys systematisch für seine Windows-Plattform zu erobern. Das SPV-Modell des französisch-britischen Telefon-Carriers Orange war ein erster Schritt in diese Richtung. Ein Handy der Deutschen Telekom mit dem Microsoft Betriebssystem an Bord wird folgen.

Bei den Smartphones mit Palm-Betriebssystem machte das Samsung SGH i500 auf der Cebit von sich reden. Das GSM-fähige Klapp-Handy soll in den nächsten Monaten in Asien und Europa auf den Markt kommen, ein US-Modell soll später folgen.

Eine Sonderstellung nimmt das neue P 800 von Sony Ericsson ein. Es ist ein Smartphone mit ausgeprägten Multimediaeigenschaften. Das reicht von der eingebauten Kamera bis zum MP3-Musikspieler.

Die Vorlieben entscheiden

Welcher Gerätetyp für wen letztlich der richtige ist, hängt vom persönlichen Nutzungsprofil ab. Für Vieltelefonierer, die eine vertraute Termin- und Datenorganisation auf dem Handy suchen, wird sich wohl der Kauf von "smarten" Mobilfunktelefonen empfehlen. Wer hauptsächlich Datenverarbeitung machen und nur gelegentlich die Verbindung zum Internet braucht, kann sich für ein reines PDA-Modell mit Handy-Anschluss entscheiden oder eines der wenigen Zwittermodelle wählen, mit denen man auch telefonieren kann. Hier sind derzeit Modelle wie etwa der XDA Organizer der Deutschen Telekom oder die Treo Modelle von Handspring im Markt, die allerdings nur eine eher geringe Batterielaufzeit haben. Palm will in Kürze mit dem Modell Tungsten W einen kommunikationsfähigen Palmtop mit GSM-Funktionen auf den Markt bringen.

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