Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

25.01.2003

11:30 Uhr

Beziehung zwischen Europa und USA sind so schlecht wie noch nie

Irak-Streit dominiert Gipfel in Davos

Der Streit zwischen den USA und europäischen Verbündeten über einen Irak-Krieg ist auch beim Weltwirtschaftsforum in Davos entbrannt. Der Leiter der Abteilung für politische Planung im US- Außenministerium, Richard Haass, sagte am Freitag während einer öffentlichen Debatte, die USA hätten die Öffentlichkeit noch nicht von ihrem Standpunkt überzeugen können.

Reuters DAVOS. Haass gab auf Fragen von europäischen und arabischen Teilnehmern keine Zusicherung, dass die USA sich vor einem Irak-Krieg um eine neue Resolution im Uno-Sicherheitsrat bemühen würden. Der Präsident des EU-Parlaments, Pat Cox, sagte, die Öffentlichkeit müsse überzeugt werden. "Wir brauchen mehr klare Beweise."

"Ich sitze hier und verstehe nur zu gut, dass wir die Welt von unserem Standpunkt überzeugen müssen", sagte Haass. Ein Krieg sei noch nicht unausweichlich. Der ehemalige israelische Außenminister Schimon Peres sagte der Nachrichtenagentur Reuters, Deutschland und Frankreich sollten ihre eigene Strategie zum Kampf gegen den Terrorismus vorlegen, statt über die US-Politik zu nörgeln. "Man kann nicht herkommen und die US-Politik kritisieren, ohne eine sehr ernste Alternative zu haben", sagte er. Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Amr Mussa, sagte, der Bericht der Uno-Inspektoren am Montag könne nicht Auslöser eines Kriegs sein. "Wir sind nicht überzeugt. Wo ist die Rechtfertigung für einen Krieg?", fragte er.

Politische Experten in Davos sagten, die Beziehungen zwischen Europa und den USA seien so schlecht wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Es gehe über den Irak-Streit in dieser Woche hinaus: Unterschiedliche Ansichten über Wertefragen wie Abtreibung, die Todesstrafe und das Waffenrecht hätten dem Anti-Amerikanismus in Europa Auftrieb gegeben. Auch Wirtschaftsexperten zeigten sich besorgt. "Obwohl der Markt unglücklich über einen möglichen Irak-Krieg war, ist er sogar noch weniger glücklich über die Vorstellung größerer Differenzen zwischen Europa und der USA in dieser Frage", sagte Shahab Jalinoos von UBS Warburg.

US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hatte am Mittwoch die ablehnende Haltung Deutschlands und Frankreichs zu einem Irak-Krieg als Problem bezeichnet. Beide Länder stünden für das "alte Europa", hatte er hinzu gefügt. Rumsfelds Äußerungen waren in Deutschland und Frankreich auf Kritik gestoßen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×