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31.01.2003

08:07 Uhr

BGB Capital Partners planen keinen keinen weiteren Personalabbau

Offerten für Bankgesellschaft stehen

VonFrank Matthias Drost

Der Berliner Senat steht vor der Wahl: Überraschend hat die Lone-Star-Gruppe kurz vor Toresschluss den Hut in den Ring geworfen und ein Angebot für die Bankgesellschaft abgegeben. Zuvor hatte das US-Konsortium BGB Capital Partners eine Offerte eingereicht, die allerdings deutlich unter den ursprünglich anvisierten 1,75 Mrd. liegt.

BERLIN. Das US-Bieterkonsortium BGB Capital Partners hat Berlins Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) gestern fristgerecht eine Offerte für die Bankgesellschaft Berlin übergeben. Zu den Details mochte sich das Konsortium, bestehend aus dem Investmentbanker Christopher Flowers und dem Chef der Risikokapitalgesellschaft Texas Pacific Group, David Bonderman, nicht äußern. Doch aus Verhandlungskreisen erfuhr das Handelsblatt, dass sich das Gebot seit dem Verhandlungsstart vor rund 18 Monaten in Höhe von schätzungsweise 1,75 Mrd. Euro kräftig reduziert hat. Die in dieser Zeit verbuchten Verluste der Bankgesellschaft und die erhebliche Verschlechterung des Bankenumfelds in Deutschland hätten ihre Spuren hinterlassen, hieß es. An der Börse wird das Institut, das zu gut 80 % dem Land gehört, derzeit mit 1,6 Mrd. Euro bewertet.

Gestern teilte Lone Star mit, dass man ebenfalls fristgerecht ein Angebot abgeben werde. Das stehe unter dem Vorbehalt, dass man noch zusätzliche Informationen erhalte. Nur dann sei es möglich, das Konzept eines klaren Schnitts umzusetzen. An einer Risikoteilung und Folgegarantien durch das Land sei man nicht interessiert. Ein Sprecher des Finanzsenators sagte, dass ihn bei der Bankgesellschaft nichts mehr überrasche.

Abgesehen von den Altkrediten böten auch BGB Capital Partners einen klaren Schnitt bei der Risikoübernahme, hieß es in Verhandlungskreisen. Auch schon in der Vergangenheit plädierte das Konsortium beim bestehenden Kreditportfolio für eine Risikoteilung zwischen Erwerber und Land. Das bezieht sich auf die Kredite, die schwerpunktmäßig an die Immobilienbranche sowie kleine und mittelständische Unternehmen ausgereicht wurden.

Angesichts der ungewissen wirtschaftlichen Entwicklung könne nicht gesagt werden, ob die gebildeten Rückstellungen ausreichend seien, hieß es zur Begründung. Derzeit steht einem Kreditvolumen von 109 Mrd. Euro ein Bestand an Kreditvorsorge von 5,4 Mrd. Euro gegenüber. Der Vorstandsvorsitzende der Bankgesellschaft, Hans-Jörg Vetter, sagte im November, im Portfolio der Bank würden noch Bestände im Umfang von 5 Mrd. Euro als problembehaftet gelten. Davon seien 2,5 Mrd. Euro durch Risikovorsorge abgesichert. Erst in drei Jahren würde die Bank über eine "normale" Risikostruktur verfügen. Zum 30. September verbesserte sich zwar das operative Geschäft, doch nach Steuern wurde ein Minus von 569 Mill. Euro ausgewiesen.

Über die Risikoteilung bei Altkrediten hinaus gehe das Land keine weiteren Verpflichtungen ein, verlautete aus Verhandlungskreisen. Das gilt beispielsweise für den Umgang mit den Euro-Stoxx-50 Fonds, für die die Bank bislang (30.9.02) Wertberichtigungen in Höhe von 216 Mill. Euro vorgenommen hat. Dabei wurde die Bewertung auf Basis des durchschnittlichen Marktpreises der vergangenen zwölf Monate vorgenommen. Gegenwärtig liegen die Kurse allerdings deutlich unter diesem Niveau.

Verhandlungskreise bestätigten, dass sich das Konsortium nach einer möglichen Übernahme am geltenden Sanierungskonzept orientieren will, das den Abbau von 4000 Arbeitsplätzen vorsieht. Mit Stand September wurden bislang 1 675 Arbeitsplätze abgebaut, wobei die Bank hier über Plan liegt. Angesichts der Renditevorstellungen der US-Investoren von 15 % sind jedoch Arbeitnehmervertreter besorgt, ob diese letztlich nicht doch nur durch einen weiteren Arbeitsplatzabbau zu erzielen sind. Doch hier wird auf die Sanierungskompetenz der beiden Investoren verwiesen. Mit der American Savings Bank, der Shinsei Bank und der Korea First seien drei Banken durch Flowers und TPG erfolgreich restrukturiert worden.

Synergieeffekte werden auch bei der Zusammenführung von Landesbank, Berliner Bank und Sparkasse gesehen. Nach wie vor sind die Investoren stark an einer weiteren Nutzung des Logos "Sparkasse" interessiert, was allerdings auf den erbitterten Widerstand des Sparkassenlagers trifft. Rückenwind erhofft man sich von der EU-Kommission. Diese prüft gerade, ob der Name Sparkasse geschützt und reserviert werden darf in Deutschland. Der Name Sparkasse ist in Österreich, Frankreich, Italien und England freigegeben für Private.

Nach der Übergabe der Offerte liegt der Ball nun beim Land. Bis Ende Februar will sich der Senat entschieden haben, ob abschließende Verhandlungen aufgenommen werden. Wie durchsickerte, ist das Land nicht an einem Status als Minderheitsgesellschafter interessiert. Wenn der Schlussstrich gezogen wird, soll es ein endgültiger sein.

Der Prozess wird von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) intensiv begleitet. Wie das Handelsblatt erfuhr, läuft beim Bafin noch die so genannte Eigentümerkontrolle bei BGB Capital Partners. In diesem Verfahren wird die finanzielle Leistungsfähigkeit der Interessenten unter die Lupe genommen.

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