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25.07.2000

18:23 Uhr

BHF-Bank: E-plus und Viag Interkom sind Wackelkandidaten

Niederländische UMTS-Auktion dämpft deutsche Einnahme-Erwartungen

Die Analystenschätzungen gehen weit auseinander. DG-Bank Analyst Vinall erwartet einen Betrag zwischen 20 und 30 Mrd. DM, die BHF-Bank geht nach wie vor von bis zu 120 Mrd. DM aus.

dpa-afx FRANKFURT/BERLIN. Die niedrigen Einnahmen aus der niederländischen UMTS-Auktion haben die Erwartung für die in Deutschland anstehende Mobilfunk-Versteigerung weiter gedämpft. "Das hat sicher einige Blütenträume zum Platzen gebracht", sagte Telekom-Analyst Robert Halver vom Finanzhaus Delbrück. "Die 2,7 Mrd. Euro, die in den Niederlanden herauskamen, sind gerade ein Drittel der erwarteten Summe."

Halver rechnet für die deutsche Auktion, die am kommenden Montag beginnen soll, mit Einnahmen in Höhe von 50 bis 60 Mrd. DM für die vier bis sechs zum Verkauf stehenden Mobilfunklizenzen. Änliche oder niedrigere Einschätzungen gaben weitere Experten ab. Die BHF-Bank glaubt allerdings, dass die Preise weiter über der 100-Mrd.-DM-Grenze liegen könnten.

Mit 5,2 Mrd. DM (2,7 Mrd. Euro) blieb die seit dem 6. Juli laufende Auktion in den Niederlanden weit hinter der Erwartungen der Regierung in Den Haag zurück, die mit umgerechnet 17,7 Mrd. DM (9,0 Mrd. Euro) bei den Lizenzen für multimediafähigen Mobilfunk gerechnet hatte. Nach dem Ausstieg des niederländischen Kleinanbieters Versatel erhielten am Montag die niederländische KPN und Libertel, eine 70-prozentige Filiale des britischen Anbieters Vodafone AirTouch die beiden umfassensten Lizenzen. Zwei weitere Mobilfunk-Genehmigungen wurden an die mit France Télécom verbündete Dutchtone und den British-Telecom-Partner Telfort vergeben. Die Deutsche Telekom kam in dem 3GBlue/Ben-Konsortium gemeinsam mit Belgacom und TeleDanmark zum Zuge.

Einnahmen zwischen 100 und 120 Mrd. DM in Deutschland kaum mehr realisierbar

"Die niederländische Versteigerung hat die hohen Erwartungen auf einen einigermaßen realistischen Boden zurückgebracht", sagte Petra Heist von HypoVereinsbank-Research. Einnahmen bei der deutschen Auktion von zwischen 100 und 120 Mrd. DM seien kaum mehr denkbar. "Aber die Hälfte wäre ja auch noch ein schöner Betrag", sagte Heist. Niedriger werde der Preis bei der Versteigerung, an der nach derzeitigem Stand sieben Firmen und Konsortien teilnehmen wollen, aber kaum sein. Da eine Reihe von Bietern bereits gesagt habe, unbedingt eine der UMTS-Lizenzen ersteigern zu wollen, werde der Wettbewerb die Preise entsprechend hoch halten.

DG-Bank-Analyst Robert Vinall sieht sich in seinen bisher vorsichtigen Schätzungen durch die niederländische Auktion bestätigt. Er geht von einem Betrag "zwischen 20 und 30 Mrd. DM" aus. Hier liege "der Barwert eines Mobilfunknetzes in Deutschland". Allerdings liefen Versteigerungen "nicht rational ab". Es könne durchaus zu einem Wettlauf kommen, bei dem sich die Gebote dann weiter hochschaukelten.

Für Michael Schatzschneider von der BHF-Bank hat sich jedoch "nichts geändert". "Das wird sehr, sehr teuer", sagt er. Er prophezeit bis zu 10 Mrd. DM pro Frequenzblock, von denen insgesamt zwölf versteigert werden und mindestens zwei für einen UMTS-Dienst notwendig sind. Viele Bieter hätten mittlerweile "ihre Kräfte gebündelt", um sich auf eine Versteigerung einzustellen, bei der am Ende vorausschichtlich nur vier Lizenznehmer stehen werden. Dieses Ergebnis ist dann denkbar, wenn mehrere Anbieter sich drei Frequenzblöcke sichern. Technisch bietet dies den Vorteil erhöhter Übertragungsqualität. Dabei könne auch einer "der bisherigen GSM-Anbieter rausfallen", sagte Schatzschneider. Dabei sieht er E-plus und Viag Interkom als Wackelkandidaten, die durch die finanzkräftige Allianz aus Mobilcom und France Télécom verdrängt werden könnten.

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