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20.03.2003

13:35 Uhr

Biathlon-WM: Russland Weltmeister

Bronze für deutsche Damen-Staffel

24 Fahrkarten, 16 Nachlader, 8 Strafrunden - und dennoch auf dem Siegerpodest: Die auf Gold gewetteten deutschen Biathletinnen haben am Donnerstag in Chanty Mansijsk die Bronzemedaille im Staffelrennen wie einen Sieg gefeiert.

Die deutsche Staffel

Die deutsche Staffel

HB/dpa CHANTY MANSIJSK. In der Weltmeisterschafts-Entscheidung über 4 x 6 Kilometer lagen die Olympiasiegerinnen nach dem dritten Wechsel noch 1:07 Minuten hinter dem Bronze-Rang. Dann rang "Eisvogel" Martina Glagow mit einem unglaublichen Sturmlauf, sicherem Schießen und tollem Zielspurt sowie der besten Einzelzeit aller 60 Starterinnen noch die weißrussische Schlussläuferin Olena Zubrilowa nieder und eroberte den dritten Platz.

Die russischen Biathletinnen verteidigten bei starken Windböen ihren Titel ungefährdet und holten in der siebten WM-Entscheidung die erste Goldmedaille für das Gastgeberland. Mit nur einer Strafrunde und 11 Nachladern waren sie die Sichersten am Schießstand und hatten im Ziel 1:23,8 Minuten Vorsprung vor der Ukraine (3 Strafrunden+11 Nachlader) sowie 2:05,3 Minuten vor dem deutschen Quartett Simone Denkinger (Gosheim/2+3), Uschi Disl (Moosham/3+6), Kati Wilhelm (Zella-Mehlis/3+5) und Martina Glagow (Mittenwald/0 +2).

"Damit habe ich nicht mehr gerechnet. Zwischenzeitlich lagen wir ja bereits mehr als zwei Minuten hinter Platz drei. Ein so verrücktes Staffelrennen mit fast unbeherrschbaren Windböen und einer Medaille mit acht Strafrunden habe ich noch nie erlebt", bekannte der überglückliche Bundestrainer Uwe Müßiggang, der seit der Wiedervereinigung mit Co-Trainer Harald Böse für die deutschen Skijägerinnen verantwortlich ist.

Martina Glagow war die "Mutter des Erfolgs" und durchlebte Wellenbäder der Gefühle. "Ich hätte nie geglaubt, dass ich mehr als eine Minute gegen Olena aufholen könnte. Beim Wechsel hatte ich kein gutes Gefühl, doch als ich Olena auf dem letzten halben Kilometer in Sichtweite hatte, bin ich so gerannt wie noch nie in meinem Leben. Im Ziel war ich fast ohnmächtig", erzählte die nur 1,58 m kleine Verfolgungs-Weltmeisterin und vorzeitige Gewinnerin des Gesamtweltcups. Auf die letzten zwei Kilometer war sie 14 Sekunden hinter Zubrilowa gestürmt. 500 Meter vor dem Ziel waren es immer noch 12 Sekunden.

Anschließend fand sie sich auf den Schultern ihrer Team- Kolleginnen wieder - und dann flossen gemeinsam Freudentränen. "Wie uns Molli die Medaille gerettet hat, ist fantastisch. Ich hatte schon geglaubt, erstmals seit zehn Jahren ohne Plakette nach Hause fahren zu müssen", lobte Uschi Disl. Noch glücklicher war Startläuferin Simone Denkinger, die nach ihrer Runde und nur Rang acht total niedergeschlagen war: "Ich schäme mich, weil ich das Rennen verbockt habe." Doppel-Olympiasiegerin Kati Wilhelm blickte nach vorn. "Dass die Russinnen unter den Bedingungen so gut geschossen haben, war nicht nur Glück. Da war eine große Portion Können dabei. Sie haben uns eindrucksvoll gezeigt, woran wir im kommenden Sommer arbeiten müssen", kündigte die einzige Thüringerin im Vierer verstärkte Trainings-Anstrengungen an.

Für das Staffelrennen der Männer am Freitag (08.30 Uhr) nominierte Bundestrainer Frank Ullrich erwartungsgemäß Peter Sendel, Sven Fischer (beide Oberhof), Ricco Groß (Ruhpolding) und Frank Luck (Oberhof).

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