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02.01.2003

08:57 Uhr

„Big Brother“ kehrt ins Fernsehen zurück

Sender wagen 2003 keine Experimente

VonPetra Schäfer

"Aus Alt mach Neu" lautet das Motto der deutschen Fernsehmacher im Jahr 2003. Denn im Unterhaltungsbereich, neben Spielfilmen und Sport dem wichtigsten Werbeträger im Fernsehen, greifen die Sender in der Mehrzahl eher auf Bewährtes zurück als auf außergewöhnliche Programm-Neuheiten. "Wir führen Shows weiter oder modifizieren sie", bringt es ein Sat-1-Sprecher auf den Punkt, "aber Experimentelles sparen wir uns".

DÜSSELDORF. Selbst die Reality-Show "Big Brother", vor zwei Jahren ein skandalträchtiger Quotenhit auf RTL, soll 2003 den Weg zurück auf die Fernsehschirme finden. Dabei werden Menschen tagelang in einem Wohncontainer von Kameras beobachtet. Borris Brandt, Geschäftsführer der Endemol Entertainment Productions, will die vierte Staffel der Show schon im ersten Halbjahr an einen noch nicht bekannten Sender verkaufen. Dabei handelt es sich laut Brandt nicht um RTL. Insgesamt sieht er einen Trend hin zu Wahrheit und Überprüfbarkeit als Themen der TV-Unterhaltung. Magazine und Realitätsshows seien im Kommen. Endemol arbeitet zur Zeit auch an einer Arbeitslosenshow aus den neuen Bundesländern, die im öffentlich-rechtlichen Programm zu sehen sein soll.

Ute Biernat, Geschäftsführerin der Produktionsgesellschaft Grundy Light Entertainment, Ableger der RTL Group, setzt auf die Fortsetzung von Talk- und Quizshows. Zusätzlich sieht sie das Thema Psychologie in der Fernsehunterhaltung 2003. Grundy ist in Verkaufsverhandlungen einer Doku-Show mit dem Arbeitstitel "Life Laundry". Große Kreativitätssprünge kann aber auch Biernat bei den Senderverantwortlichen nicht erkennen.

Sender leiden unter geschrumpften Werbeeinnahmen

Alle Sender leiden unter den stark geschrumpften Werbeeinnahmen: Laut Nielsen Media Research sind die Brutto-Ausgaben für Fernsehwerbung bis Ende November um 5,1 % gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen. Zwar heißt es bei den meisten Sendern, dass nur an den Programmen früh morgens und spät abends gespart werde und die Hauptsendezeit am Abend vom Rotstift verschont bleibe. Allerdings wagt kaum ein Sender, in der so genannten "Prime Time" ab 20 Uhr teure Neuheiten zu senden.

So bringt der Berliner Sender Sat 1 weiterhin viel Comedy ins Programm: Bestehende Comedy-Formate werden bis auf "Knop?s Spät-Show" fortgesetzt, drei neue kommen hinzu. Auch Shows wie "Die Stunde der Wahrheit" und "Nur die Liebe zählt" sind weiter dabei. Moderator Kai Pflaume soll außerdem eine noch nicht genau definierte Personality-Show hinzu bekommen. Harald Schmidt werde auch weiterhin auf Sat 1 blödeln. Das Interesse des neuen ARD-Intendanten Jobst Plog an Schmidts Unterhaltungskünsten von Anfang der Woche wies der Sprecher von Sat 1 zurück.

Auch bei der Kölner Konkurrenz RTL ist viel Bewährtes in Sicht. Die Quizshow "Wer wird Millionär?" mit Moderator Günter Jauch wird fortgesetzt. Neue Quiz-Sendungen präsentiert RTL nicht. Auch die Mischung aus Musik- und Unterhaltungsshow, die "90er-Jahre-Show", wird in Anlehnung an die bereits produzierten Shows der 70er und 80er fortgesetzt. Noch nicht entschieden sei, ob das "Prominenten-Boxen" als besonderes Unterhaltungsereignis eine Neuauflage erlebe, so eine RTL-Sprecherin. Noch bis zum 8. März läuft die Musik-Show "Deutschland sucht den Superstar" mit Dieter Bohlen. Ob es eine zweite Auflage der Talentprobe geben wird, ist offen. Die letzten Shows liefen gut: Am Samstag vor Weihnachten verfolgten 5 Mill. Zuschauer in der für die Werbung wichtigen Zielgruppe der 14- bis 49-jährigen den Sängerwettstreit.

Als schwache Konkurrenz sehen die Privaten das Unterhaltungsangebot von ARD und ZDF. Zwar seien die ARD-Anstalten "noch die Risikobereitesten und Quirligsten am Markte", sagte der Programmdirektor der ARD, Günter Struve. Doch das Defizit in der Unterhaltung am bedeutendsten Sendeplatz Samstag Abend ist schwer aufzuholen. Der WDR arbeitet zur Zeit an einer Show namens "Klassentreffen", die den Sprung ins ARD-Programm schaffen könnte. Mit der neuen Talkshow von Sandra Maischberger und einer Neuauflage von "Spiel ohne Grenzen" soll dem Ersten dann endlich der Sprung in die erste Unterhaltungsliga gelingen.

Das ZDF setzt bei der Unterhaltung auf die "Modernisierung des Programms". Anfang Februar geht dort samstags die blonde Talkmasterin Barbara Schöneberger an den Start. Die Jugendserie "Bravo TV" und Konzertmitschnitte von Kylie Minogue sollen im neuen Jahr auch junge Zuschauer ansprechen.

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