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04.02.2002

19:00 Uhr

Bilanzierung des Mischkonzerns entspricht den üblichen Spielregeln

Tyco verschweigt Zukäufe in Milliardenhöhe

Investoren verlieren zunehmend das Vertrauen in Tyco International. Zum Wochenbeginn brach die Aktie des Mischkonzerns ein, nachdem bekannt geworden war, dass das Unternehmen Hunderte von Zukäufen nicht einzeln in der Bilanz aufgelistet hat.

kk NEW YORK. Die Finanzen des US-Mischkonzerns Tyco International Ltd. belasten einmal mehr die Gemüter der Investoren: So berichtete das Wall Street Journal, der Konzern habe in den vergangenen drei Jahren insgesamt rund 8 Mrd. $ für mehr als 700 Übernahmen ausgegeben, ohne dies öffentlich zu machen. Darüber hinaus kündigte Tyco am Montag an, dass es Verbindlichkeiten in Höhe von 4,5 Mrd. $ zurückkaufen wird. Zudem sei die Abspaltung der Finanzierungstochter Tyco Capital weiter vorangeschritten.

Tyco, das für seine aggressive Akquisitionspolitik bekannt ist, war bereits in den vergangenen Wochen in das Visier der Investoren geraten: Nach dem Zusammenbruch des Energiehändlers Enron befürchteten sie auch bei dem Tyco-Konglomerat Unregelmäßigkeiten in der Bilanzierung. Der Konzern mit Sitz in Pembroke auf den Bermuda-Inseln stellt unterschiedlichste Produkte von Alarmanlagen bis zu Mülltüten her und erscheint daher Investoren als unübersichtlich. Der Vorstandsvorsitzende Dennis Kozlowski Tyco hatte vor zwei Wochen auf die Sorgen der Anleger reagiert und eine Aufspaltung des Konzerns in vier Geschäftsbereiche angekündigt. Damit wollte er mehr Transparenz schaffen und dem schwachen Aktienkurs auf die Sprünge helfen. Er hoffte, dass die Anleger das honorieren.

Doch die Anleger sind in der jüngsten Zeit durch immer neue Nachrichten des Konzerns verunsichert. In der vergangenen Woche teilte der Konzern seinen Investoren mit, dass er allein im September 2001 endenden Geschäftsjahr 4,19 Mrd. $ für 350 nicht bekannt gegebene Übernahmen ausgegeben hat. Das entspricht 37 % der 11,4 Mrd. $, die das Unternehmen in dem Geschäftsjahr insgesamt für Akquisitionen ausgegeben hat. Außerdem hat der Konzern insgesamt 400 Zukäufe für 3,8 Mrd. $ in den zwei vorangegangenen Jahren nicht einzeln aufgeführt. Finanzvorstand Mark Swartz betonte gegenüber dem Wall Street Journal, dass das Unternehmen in seinem Geschäftsbericht die gesamte Summe für Übernahmen korrekt angegeben habe. Tyco habe Einzelheiten über Hunderte von kleinen Zukäufen weggelassen, da diese angesichts der Größe des Konzerns nicht wesentlich seien, sagte er. Tyco hat seinen Umsatz innerhalb von neun Jahren von 3 Mrd. $ auf 35 Mrd. $ im Jahr 2001 gesteigert. Swartz räumte jedoch ein, dass das Unternehmen wahrscheinlich in der Zukunft mehr Details über Zukäufe veröffentlichen wird.

Schuldenrückkauf wird Gewinn schmälern

Edward Ketz, Professor für Bilanzwesen an der Pennsylvania State University hob hervor, dass Tyco gegen keine Regeln verstoßen habe, da die Gesamtsumme in dem Bericht auftauche. "Aber sie könnten mehr tun, um es transparenter zu gestalten", fügte er hinzu - vor allem in "diesen post-Enron Tagen, in denen Unternehmen versuchen, das Vertrauen der Investoren wiederherzustellen".

Um die kurzfristigen Verbindlichkeiten in Höhe von 4,5 Mrd. $ zurückzukaufen, muss Tyco neue Kredite zu schlechteren Konditionen aufnehmen. Die Entscheidung wird den Gewinn des Unternehmens nach eigenen Angaben im laufenden Geschäftsjahr um 2 Cents je Aktie schmälern. Bislang wurde ein Gewinn von 3,65 $ pro Aktie erwartet.

Selbst Investoren, die Tyco lange verteidigt haben scheinen das Vertrauen in den Konzern zu verlieren. Die Aktie brach zum Börsenbeginn in den USA deutlich ein.

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