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30.06.2000

16:33 Uhr

afp BERLIN/ISTANBUL. Prinz Ernst August von Hannover hat sich nach Angaben der türkischen Zeitung "Hürriyet" in der so genannten Pinkel-Affäre beim türkischen Volk entschuldigt. Die Deutschland-Ausgabe von "Hürriyet" druckte am Freitag eine ganzseitige Anzeige des Prinzen in türkischer Sprache ab, in der der Adlige seine Zuneigung zu den Türken betont. Zugleich nimmt der Prinz darin zu den Berichten Stellung, er habe bei einem Besuch der EXPO in Hannover an die Wand des türkischen Pavillons uriniert. Er habe bei seinem Besuch auf der EXPO einem "zwingenden Bedürfnis" nachgehen müssen; das sei aber keine bewusste Handlung gegen den türkischen Pavillon oder das türkische Volk gewesen. Derweil trat die "Bild"-Zeitung in einer Anzeige in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" einer Stellungnahme des Prinzen an gleicher Stelle vom Mittwoch entgegen.

"Entschuldigung vom Prinzen, der gegen die Wand urinierte", lautete eine Überschrift in der Türkei-Ausgabe von "Hürriyet", in der der Text von Ernst August ebenfalls abgedruckt wurde. Die neue Erklärung des Prinzen unterscheide sich deutlich von dessen jüngster Stellungnahme in der "FAZ", betonte die Zeitung. Dort hatte Ernst August geschrieben, er habe sich zwar auf der EXPO in Hannover "erleichtert". Der mit Prinzessin Caroline von Monaco verheiratete Prinz ließ aber offen, wo er dies tat. Auch in der Anzeige in "Hürriyet" sagte der Prinz nicht, er habe gegen die Wand des türkischen Pavillons uriniert. "Hürriyet" merkte aber an, dass sich die Beschreibung des Vorfalls von der in der FAZ-Anzeige unterscheide.

"Bild"-Chefredakteur Udo Röbel betonte in einer Anzeige in der "FAZ", von dem Blatt veröffentlichte Fotos zeigten, "dass der Prinz von Hannover sich am türkischen Pavillion erleichtert" habe. Dies werde "durch Aussagen von vier Zeugen - die ihre Beobachtungen eidesstaatlich versichert haben - bestätigt".

In "Hürriyet" warf Ernst August der "Bild"-Zeitung dagegen vor, sie habe einen "natürlichen Vorgang", bei dem es keinerlei Hintergedanken gegeben habe, benutzt, um ihre Auflage zu steigern. Er glaube aber nicht, dass ein zivilisiertes Volk wie die Türken das Spiel einer Zeitung mitspiele, die auf ihrer Titelseite nackte Frauen abbilde, um mehr Käufer zu finden. In der Erklärung unter der Überschrift "An das verehrte türkische Volk" unterstreicht der Prinz zudem, er und seine Familie seien "Bewunderer der türkischen Kultur und Freunde des türkischen Volkes" und besuchten die Türkei seit vielen Jahren.

"Hürriyet" ist die auflagenstärkste Zeitung der Türkei; ihre ebenfalls in türkischer Sprache erscheinende Deutschland-Ausgabe wird von vielen türkischen Gastarbeitern gelesen.

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