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26.03.2003

14:32 Uhr

Bilder hingen im Flur

Unbekannte Goya-Gemälde in Spanien entdeckt

Wenige Wochen vor seinem 175. Todestag sind in Spanien zwei angeblich bislang unbekannte Ölgemälde des großen Malers Francisco de Goya y Lucientes (1746-1828) aufgetaucht. Die beiden etwa 64 mal 52 Zentimeter großen Bilder mit religiösen Motiven sollen um 1787 in der neoklassizistischen Phase des Künstlers entstanden seien.

HB/dpa MADRID. Sie wurden per Zufall in einem Privathaus entdeckt, wo sie als vermeintlich gewöhnliche Gemälde den Flur und das Schlafzimmer zierten, wie das Auktionshaus Alcalá Subastas am Mittwoch in Madrid mitteilte. Sie seien aber bis zu fünf Millionen Euro wert und sollen nun Anfang Mai versteigert werden.

Von dem Auktionshaus bestellte Fachleute sowie ungenannte Gutachter des Prado-Museums, das die größte Goya-Sammlung besitzt, hätten die Echtheit der Bilder bestätigt, sagte Geschäftsführer Gonzalo Mora. Signiert sind die Werke - "La Sagrada Familia" (Die heilige Familie) und "Tobías y el ángel" (Tobias und der Engel) - nicht. Sie wiesen aber die für Goya charakteristische Technik und Farbgebung etwa beim Einsatz des Lichtes auf. Die Gemälde seien möglicherweise Teil eines dreiteiligen Altarbildes gewesen, das seinerzeit von einem Nonnenkloster in Auftrag gegeben wurde.

"Sie sind wie ein Geschenk des Himmels", sagte der Kunstexperte Richard de Willermin. Er rechnet bei der Versteigerung mit einem Preis weit über dem Schätzwert der Werke. Nicht ausgeschlossen wird, dass der Staat über das Prado-Museum von seinem Vorkaufsrecht Gebrauch macht. Die Bilder waren vor einem Monat von Mitarbeitern des Auktionshauses in der mehr als 100 Jahre alten Privatsammlung einer Madrider Familie entdeckt worden, die eigentlich ein anderes Gemälde auf seinen Wert untersuchen lassen wollte. In früheren Gutachten seien die angeblichen Goya-Werke auf nur 1 500 Euro geschätzt worden.

Goya war der Erste Hofmaler im Madrid Karls IV. Der aus Fuendetodos bei Saragossa stammende Künstler wurde vor allem für seine Porträts des Königsfamilie und seine zeitkritischen Bilder, in denen er Elend, Not und Krieg festhielt, berühmt. Zu Publikumsmagneten im Prado zählen auch die unbekleidete und die bekleidete "Maja".

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