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29.01.2001

14:47 Uhr

BIP-Zahlen für das vierte Quartal stehen an

US-Kreditmärkte warten auf Entscheidung der Notenbank

Die Aufmerksamkeit der US-Kreditmärkte richtet sich in dieser Woche auf das Zinstreffen der US-Notenbank und die Veröffentlichung neuer Wirtschaftsdaten.

Alan Greenspan

Alan Greenspan

Reuters FRANKFURT/NEW YORK. Die US-Notenbank (Fed) wird bei der Sitzung ihres geldpolitischen Ausschusses (FOMC) am Dienstag und Mittwoch nach nahezu übereinstimmender Einschätzung von Analysten den Leitzins erneut um 50 Basispunkte senken, um der Abschwächung der US-Wirtschaft entgegenzuwirken. Nach Äußerungen von Fed-Präsident Alan Greenspan in der vergangenen Woche würde ein geringerer Zinsschritt die Finanzmärkte enttäuschen und daher nahezu wirkungslos verpuffen, sagten Volkwirte. Greenspan hatte am Donnerstag vor dem Haushaltsausschuss des US-Senats von einer "sehr dramatischen" konjunkturellen Abkühlung in den USA und sogar von einem möglichen Null-Wachstum im ersten Quartal dieses Jahres gesprochen. Mit dieser Wachstumsprognose hat er Analysten zufolge die Tür für eine kräftige Leitzinssenkung in dieser Woche weit aufgestoßen.

Nach einer jüngsten Reuters-Umfrage, die kurz nach Greenspans Äußerungen erhoben wurde, erwarten 24 der 25 befragten Primärhändler eine Senkung des entscheidenden Zielsatzes für Tagesgeld um 50 Basispunkte. Lediglich ein Befragter geht von einer Senkung um 25 Basispunkte aus. Vor zwei Wochen hatte nur knapp die Hälfte der 25 befragten Experten mit einer deutlichen Rücknahme des Schlüsselzinses um einen halben Prozentpunkt gerechnet.

Analysten erwarten Fed-Zinssenkung um 50 Basispunkte

"Greenspan hat mit seinen jüngsten Äußerungen ganz bewusst die Märkte auf eine Senkung um 50 Basispunkte eingestellt", sagte Heinrich Engelke, Analyst bei der Bankgesellschaft Berlin. Ein moderaterer Schritt könne daher wohl Enttäuschungen sorgen. Doch der Fed-Präsident wolle nicht enttäuschen, sondern vielmehr das zuletzt erschütterte Vertrauen von Anlegern und Verbrauchern stärken. Die USA erlebten derzeit eine dramatische Stimmungseintrübung, der die Fed nur mit einer aggressiven Zinssenkung um einen halben Prozentpunkt entgegentreten könne. Der überraschend frühe Schritt Anfang Januar habe bereits gezeigt, wie ernst die US-Notenbank die derzeitige Wirtschaftslage einschätze. Die Fed hatte zuletzt am 3. Januar den Schlüsselzins um 50 Basispunkte auf 6,0 % gesenkt, um eine zu schnelle Abkühlung der US-Konjunktur zu vermeiden. Das war die erste außerplanmäßige Leitzinssenkung zwischen zwei FOMC-Treffen seit Herbst 1998.

Ein derartiger Schritt zwischen zwei turnusmäßigen FOMC-Sitzungen sollte sich nach Ansicht von Peter Meister, Analyst bei der BHF Bank in Frankfurt, zumindest in naher Zukunft nicht wiederholen. "Das könnte sonst als Panik der Fed ausgelegt werden", sagte er. Daher werde sich die US-Notenbank mit einem großen Senkungsschritt um 50 Basispunkte bei der regulären FOMC-Sitzung in dieser Woche einen ausreichenden Puffer bis bis zum nächsten Treffen am 20. März verschaffen. Auch wegen eines anhaltend günstigen Inflationsbildes in den USA rechnet Meister dann mit einer weiteren Senkung um 25 Basispunkte auf 5,25 %. Für Barbara Lambrecht von der Commerzbank wird der Schlüsselzins in den USA Ende des ersten Halbjahres sogar bei nur noch 5,0 % liegen. Knapp drei Viertel der von Reuters befragten Händler sehen den US-Leitzins Mitte dieses Jahres ebenfalls bei 5,0 % oder darunter.

Für den stellvertretenden Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF), Stanley Fischer, besteht derzeit in den USA wegen des historisch gesehen niedrigen Realzinsniveaus noch erheblicher Spielraum für weitere Leitzinssenkungen. "Bedenken Sie, dass die USA noch weitere 400 bis 500 Basispunkte Spielraum haben, wenn es absolut notwendig ist. Ich denke aber nicht, dass es nötig sein wird", sagte Fisher am Wochenende beim Weltwirtschaftsforum in Davos.

Fisher und auch die Mehrheit der Analysten erwarten für das erste Halbjahr 2001 trotz prognostizierter Leitzinssenkungen mehrheitlich eine weitere Abschwächung der US-Konjunktur. Meister rechnet für die ersten beiden Quartale mit einem geringen Wachstum von annähernd Null-Prozent. Erst im zweiten Halbjahr sei eine langsame Erholung zu erwarten. "Denn die realwirtschaftlichen Auswirkungen der Zinssenkungen werden erst nach sechs bis zwölf Monaten spürbar, aber auf die wichtigen Klima- und Vertrauensindikatoren könnten sich die zu erwartenden Fed-Zinsschritte schon im zweiten Quartal positiv auswirken", sagte Meister. Am Mittwoch werden die Zahlen für das Wachstum des US-Bruttoinlandsprodukt (BIP) im vierten Quartal 2000 erwartet. Im dritten Quartal wuchs das BIP um 2,2 % nach 5,6 % im Vorquartal.

Die FOMC-Zinsentscheidung wird am Mittwoch erwartungsgemäß gegen 20.15 Uhr MEZ bekannt gegeben.

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