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21.01.2003

08:26 Uhr

Bis zu 3,5 Milliarden Pfund Transaktionsvolumen

Banken stürzen sich auf Safeway-Deal

VonFelix Schönauer (Handelsblatt)

Mit dem Einstieg des US-Milliardärs Philip Green in den Übernahmekampf um die englische Supermarkt-Kette Safeway hat sich die Zahl der potenziellen Bieter auf fünf erhöht. Im Schlepptau der Interessenten befindet sich ein knappes Dutzend Investment-Banker, die auf einen fetten Deal hoffen.

LONDON. Die Hoffnung der Investmentbanker in Europa trägt einen neuen Namen: Safeway. Um die viertgrößte Supermarktkette der britischen Insel bahnt sich Schritt für Schritt eine Übernahmeschlacht an, die selbst im angelsächsischen Bereich ihresgleichen sucht.

Zwar geht es bei dem Deal mit der Kette "nur" um ein Transaktionsvolumen von 3 bis 3,5 Mrd. Pfund (4,5 bis 5,3 Mrd. Euro), vor einigen Jahren wäre das kaum der Rede wert gewesen. Doch erstens kommt mit Safeway das vermeintlich letzte Stück eines (Super-)Marktkuchens ins Angebot, der für Experten als verteilt gilt. Und zweitens sehnen sich die Mergers & Acquisitions (M&A)-Berater der krisengeschüttelten Investmentbanken nach einem solch lukrativen Deal.

Am Montag bekundete mit Philip Green schon der fünfte Kandidat sein Interesse. Als Berater hat sich der US-Milliardär, dem die Einzelhandelskonzerne Arcadia und BHS gehören, keinen geringeren als die US-Investment-Bank Merrill Lynch engagiert.

Bislang liegt zwar nur von William Morrison Supermarkets Plc. ein konkretes Angebot vor. Doch dahinter stehen außer Green auch noch drei andere Bieter in den Startlöchern und arbeiten an ihren Offerten - von der englischen Konkurrenz J Sainsbury über eine Tochter der US-Amerikaner Wal Mart bis zum Finanzinvestor Kohlberg Kravis Roberts & Co (KKR). Die Liste der Banken, die dieses Trio im Hintergrund berät, liest sich wie das "Who is who?" der internationalen M&A-Szene: Die Schweizer UBS Warburg arbeitet wie das US-Haus Goldman Sachs für J Sainsbury, die britische HSBC unterstützt mit der Citibank-Tochter Schroder Salomon Smith Barney und West LB Panmure die Interessen des Übernahme-Kandidaten Safeway und für Wal-Mart-Tochter Asda geht Dresdner Kleinwort Wasserstein ins Rennen.

Marktbeobachtern fällt auf, dass ausgerechnet die Deutsche Bank außen vor bleibt - und dass, obwohl sich der deutsche Branchenprimus den Kampf im M&A-Bereich auf die Fahnen geschrieben hat. Da die Deutsche Bank jedoch langjährige Beziehungen zur Supermarkt-Kette Tesco unterhält, wird sie nur eingreifen können, wenn ihr Kunde das will. Die Wahrscheinlichkeit dafür gilt nach Ansicht von Steve Gotham von dem Branchenbeobachter Verdict Research als gering, weil der Marktführer der britischen Supermärkte (25,8 % Anteil) bei einem Angebot sofort den Widerstand der Wettbewerbshüter auf den Plan rufen würde. Spekuliert wird jedoch darüber, dass Tesco einige der Supermärkte übernimmt, die ein Gewinner aus Wettbewerbs-Gründen möglicherweise abgeben muss. Das aber dürfte der Deutschen Bank kein allzu lukratives Mandat bescheren.

Kopfschütteln in der City löste das Verhalten von Credit Suisse First Boston aus. Die Schweizer arbeiteten über mehrere Jahre lang als Broker mit Safeway zusammen und nahmen dabei mehr als 100 Mill. Pfund ein. Ende vergangene Woche legten sie aber ihr Mandat wieder, um das Angebot des Buy-Out-Fonds KKR an Safeway auszuarbeiten. In London wird das Verhalten als illoyal bezeichnet, CSFB dagegen sagt, man habe die Angelegenheit mit Safeway besprochen. "Sonst hätten wir niemals mit KKR zusammengearbeitet."

Zu viel Moral sollte man in der jetzigen Situation aber nicht erwarten: Die Aktien von Safeway sind seit dem ersten Angebot Mitte Januar um fast 50 % gestiegen. Damit dürften sich auch Gebühren der erfolgreichen Investment-Banken erhöhen. Üblicherweise liegen deren Einnahmen zwischen einem halben und einem Prozent des Transaktionsvolumen. Allerdings wird in der Regel eine Obergrenze ausgehandelt, damit die Berater mit Blick auf ihre Vergütung den Preis nicht bis zur Schmerzgrenze ausreizen.

Die Banken drängen sich wohl auch deshalb um das lukrative Mandat, weil die Zeit danach wieder trübe aussieht. "Es gibt zwar mehr Aktivitäten als 2002", sagt Philip Wright, Global Leader, Corporate Finance & Recovery der Unternehmensberatung PriceWaterhouseCoopers "aber davon wird nur wenig durchgezogen". Daran ändert auch eine milliardenschwere Transaktion nichts, fügt James Leal vom Fondsmanager Gerrard hinzu: "Wir hatten auch kürzlich einige Milliarden-Deals, das aber hat den Funken nicht überspringen lassen."

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