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07.04.2003

20:39 Uhr

BKA ermittelt vor Ort

Keine Spur von vermissten Touristen in Algerien

Von den in Algerien vermissten Touristen, darunter 15 Deutsche, fehlt weiterhin jede Spur. Das Auswärtige Amt warnte am Montag vor Reisen in die Region.

Reuters BERLIN. Es gebe keine neuen Ergebnisse bei der Suche nach den Vermissten, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes am Montag in Berlin. "Weiterhin kann nichts ausgeschlossen werden", fügte sie hinzu. Nach Angaben des Bundeskriminalamtes sind in Algerien 29 ausländische Reisende verschwunden. Die 15 Deutschen, acht Österreicher, vier Schweizer, ein in Deutschland lebender Schwede und ein Däne im Alter zwischen 19 und 64 Jahren gehören sechs verschiedenen Reisegruppen an. Die Männer und Frauen waren in Geländewagen oder Motorrädern unterwegs und werden zum Teil seit dem 21. Februar vermisst.

Ein Vertreter der schwedischen Botschaft in Algier sagte, algerische Behörden hätten in den vergangenen Wochen täglich mit Flugzeugen und Hubschraubern in dem Gebiet patrouilliert, aber nichts gefunden. Es sei unwahrscheinlich, dass sechs Gruppen zugleich von ihrem Weg abgekommen seien. Vielmehr könnten sie in die Hände von Banditen geraten seien. Im Süden Algeriens sind Banden von Waffen- und Drogenschmugglern zwischen den nur wenig bewachten Grenzen zwischen Niger und Libyen unterwegs.

Fünf Beamte des Bundeskriminalamtes waren am Wochenende zusätzlich in das nordafrikanische Land entsandt worden. Vier von ihnen sollen der Sprecherin des Auswärtigen Amtes zufolge in die Wüstenregion weiterreisen, in der die Touristen verschwunden sind. Ob weitere Beamte nach Algerien entsandt würden, hänge vom Verlauf der Ermittlungen ab, hieß es.

Zurückhaltend wurde auf Medienberichte über eine mögliche erste Spur der Vermissten regiert. Beim Außenministerium der Schweiz hieß es, die Entdeckung eines ausgedehnten Tunnelsystems in der Region sei nichts Neues. Die ARD hatte berichtet, eine Kamelkarawane sei auf ein Tunnelsystem gestoßen, in dem sich Menschen befinden sollen.

Das Auswärtige Amt in Berlin erklärte, die Suche nach den verschiedenen Reisegruppen erstrecke sich auf das Gebiet Illizi-Hadjadj sowie die Regionen um Djanet und Tamanrasset. Vor Reisen dorthin werde gewarnt und es werde empfohlen, die so genannte Gräberpiste bis auf weiteres auf jeden Fall zu meiden. Zwar habe sich die Sicherheitslage in Algerien seit den 90er Jahren verbessert. Dennoch komme es weiter zu terroristischen Aktionen im Küsten- und Bergland im Norden. Algerische Gastgeber, Geschäftspartner oder Reiseveranstalter sollten vor Reiseantritt gebeten werden, erforderliche Sicherheitsmaßnahmen zu gewährleisten.

Die österreichische Präsident Thomas Klestil wandte sich am Montag in einem Brief an den algerischen Präsidenten Abdelaziz Bouteflika und bat ihn, sich intensiv dafür einzusetzen, um die vermissten Österreicher zu finden. Österreich hatte am Wochenende drei Diplomaten und zwei Mitglieder einer Spezialeinheit der Polizei nach Algerien geschickt.

Seit Beginn eines Bürgerkriegs mit radikalen Moslems vor elf Jahren sind nach Angaben der algerischen Regierung mehr als 100.000 Menschen gestorben. Unabhängige Organisationen sprechen von 150.000 Toten.

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