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20.02.2003

10:22 Uhr

Blairs Brief sorgt für böses Blut

Washington und London geraten unter Zeitdruck

Der Widerstand gegen einen Irak- Krieg hat das Bemühen der USA und Großbritanniens um eine zweite Uno-Resolution gebremst. Wie aus amerikanischen und britischen Diplomatenkreisen verlautete, verzögert sich der für Mittwoch erwartete Entwurf für eine solche Resolution. Der Inhalt müsse noch zwischen US-Präsident George W. Bush und dem britischen Premier Tony Blair abgestimmt werden.

Blair und Bush zeigen sich immer Seite an Seite. Foto: dpa

Blair und Bush zeigen sich immer Seite an Seite. Foto: dpa

cr/jh/HB DÜSSELDORF/BRÜSSEL. Aus Diplomatenkreisen verlautete, die USA wollten am Freitag einen Entwurf in Umlauf bringen. Großbritannien dringe auf den Montag, um noch Einzelheiten auszuarbeiten. Der britische Uno-Botschafter Jeremy Greenstock sagte in New York, der Text werde direkt oder indirekt ein Ultimatum an Irak zur Zusammenarbeit mit den Waffeninspekteuren enthalten.

Bush-Sprecher Ari Fleischer dementierte, die USA hätten ihre Hoffnungen auf eine neue Resolution abgeschrieben. Bush hatte zuvor gesagt, seine Regierung arbeite "mit unseren Freunden und Verbündeten, um herauszufinden, ob wir eine zweite Resolution bekommen können". Sie sei für einen Militärschlag aber nicht zwingend notwendig.

"Angesichts der Umstände bemüht sich Washington um mehr Kreativität", hieß es in Diplomatenkreisen der Uno. Russland bekräftigte seine Ablehnung einer zweiten Resolution. "Die Inspekteure im Irak haben ausreichende Vollmachten", sagte Vize-Außenminister Juri Fedotow. Der amerikanische Uno - Botschafter John Negroponte sagte, die USA würden zunächst das Ergebnis der offenen Sicherheitsratssitzung am Mittwochabend abwarten.

Dort unterstützte nur eine Minderheit der Redner die Haltung der USA. Vertreter der EU, der blockfreien Staaten und der Arabischen Liga sprachen sich dafür aus, nach Möglichkeit eine friedliche Lösung zu finden. Zunächst stellten sich nur Australien, Japan, Argentinien und Peru hinter Washington.

Unerwartete Rückendeckung bekam Bush vom ägyptischen Präsident Hosni Mubarak: Nur noch zwei bis drei Wochen blieben Iraks Machthaber Saddam Hussein bis zur endgültigen Entscheidung über einen Krieg, sagte Mubarak in Berlin. Sollte Saddam in dieser Zeitspanne nicht mit den Uno-Waffeninspekteuren kooperieren, "gibt es Krieg", sagte Mubarak. Bushs Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice hatte zuvor von einem "Zeitfenster" von zwei Wochen gesprochen. Ägypten werde Saddam kein Exil gewähren, sagte Mubarak.

In der EU sorgt der Irak-Sondergipfel von Montag immer noch für Ärger. Tony Blairs Brief an die Beitrittskandidaten löste in Brüssel und mehreren EU-Hauptstädten Entsetzen aus. Der Brite hatte entgegen den Gepflogenheiten die Regierungschefs der Beitrittsländer in persönlichen Schreiben über die Ergebnisse der Irak-Beratungen informiert. Damit trat er den Griechen auf die Füße, die den EU-Vorsitz inne haben. am Dienstag EU-Diplomaten werteten Blairs Aktion als Affront gegenüber den griechischen Premier Kostas Simitis. Wie berichtet entschuldigte Blair sich in dem Schreiben dafür, dass es ihm nicht möglich war, die Beitrittsländer zum Gipfel einzuladen. Simitis hatte dies abgelehnt.

"Die Briten spielen ein gefährliches Spiel", sagte ein enger Mitarbeiter von Kommissionspräsident Romano Prodi. EU-Diplomaten meinten, Blair halte sich nicht an die "Familienregeln", die besagten, dass "dreckige Wäsche hinter verschlossenen Türen gewaschen wird".

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