Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.02.2001

13:35 Uhr

"Blödsinniges Gerücht"

Daimler lehnt Kommentar zu Bericht über Schrempp ab

Die Daimler-Chrysler AG hat einen Zeitungsbericht, wonach Firmenchef Jürgen Schrempp im November seinen Rücktritt angeboten haben soll, als blödsinniges Gerücht bezeichnet und eine Stellungnahme dazu abgelehnt.

In der Kritik: Jürgen Schrempp

In der Kritik: Jürgen Schrempp

Reuters FRANKFURT. "Wir sind nicht mehr bereit, auf solche blödsinnige Gerüchte einzugehen", sagte Konzernsprecher Michael Pfister am Samstag auf Anfrage. Die "Welt am Sonntag" hatte zuvor vorab berichtet, dass Schrempp dem Daimler-Aufsichtsratsvorsitzenden Hilmar Kopper im November seinen Rücktritt angeboten haben soll, was Kopper aber abgelehnt habe. Außerdem berichtete die Zeitung, dass die von der Deutschen Bank und JP Morgan zu erarbeitende Abwehrstrategie bereits in groben Umrissen stehe.

Dreistufige Abwehrplan gegen eine feindliche Übernahme

Nach dem Bericht der "Welt am Sonntag" hat Kopper Daimler-Chrysler-Chef Schrempp nicht aus der Verantwortung entlassen, als dieser wegen der überraschenden Verluste bei der US-Tochter Chrysler personelle Konsequenzen angeboten habe. Kopper solle dabei Schrempp gesagt haben, er müsse den Karren selbst aus dem Dreck ziehen, berichtete die Zeitung.

Zu dem angeblichen dreistufigen Abwehrplan der Banken gegen eine mögliche feindliche Übernahme von Daimler-Chrysler hieß es in dem Bericht, in einer ersten Stufe solle die Daimler-Chrysler - Aktie Fondsmanagern, Investmentbankern und Analysten schmackhaft gemacht werden. Gelinge dies nicht, solle in einer zweiten Stufe ein Verkauf der angeschlagenen US-Tochter Chrysler Geld in die Kassen bringen. Für Investmentbanker sei dies durchaus vorstellbar, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Bankenkreise. In einer dritten Stufe des Plans könnte Daimler-Chrysler das Opfer einer Übernahme werden. Bei Banken werde dies als das Schlimmste angesehen, was passieren könne. Die Möglichkeit müsse aber in Betracht gezogen werden.

Daimler-Chrysler-Sprecher Pfister wollte den Bericht über das angeblich dreistufige Verteidigungskonzept nicht weiter kommentieren, sondern verwies auf die Aussage, dass sein Unternehmen auf "blödsinnigen Gerüchte" nicht mehr eingehen wolle. Die Daimler-Chrysler AG leidet derzeit unter hohen Verlusten ihrer US-Sparte Chrysler, die nach früheren Prognosen allein im vierten Quartal 2000 einen Verlust von etwa 1,4 Mrd. Euro erwirtschaftet haben dürfte.

Grundlegende Neuausrichtung bei Chrysler

Ende Februar will der Konzern ein Konzept zur grundlegenden Neuausrichtung von Chrysler vorlegen. Bereits bekannt gegeben wurde der Plan, 26 000 der 125 000 Arbeitsplätze der US-Tochter zu streichen. Finanzexperten gehen davon aus, dass es Jahre dauern dürfte, bis Chrysler wieder die Ertragskraft früherer Jahre erreicht.

Wegen des durch die Chrysler-Probleme im Vergleich zum Frühjahr 1999 deutlich geschrumpften Aktienkurses hatte es an den Finanzmärkten zuletzt mehrfach Spekulationen gegeben, Daimler-Chrysler könnte dadurch vielleicht zum Übernahmeobjekt werden. Am Donnerstag hatte der Chef der Deutschen Bank, Rolf Breuer, bestätigt, dass seine Bank Daimler-Chrysler bei einem Abwehrkonzept gegen eine mögliche feindliche Übernahme berate, und daran sei auch die Investmentbank JP Morgan Chase beteiligt. Es sei aber kein Übernahmeangebot in Sicht, hatte Breuer betont. Die Deutsche Bank ist selbst mit rund zwölf Prozent größter Aktionär von Daimler-Chrysler.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×