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14.02.2001

14:42 Uhr

Blutigster Anschlag sei September 1997

Busfahrer verübt Attentat auf israelische Passanten

Der Palästinenser fuhr gezielt in eine Gruppe von wartenden Soldaten und Zivilisten. Nach Polizeiangaben wurden 8 Menschen getötet und 21 Menschen verletzt.

afp TEL AVIV. Die Spirale der Gewalt im Nahen Osten dreht sich schneller: Einen Tag nach dem israelischen Raketenangriff auf einen palästinensischen Sicherheitsoffizier im Westjordanland raste ein palästinensischer Busfahrer am Mittwoch bei Tel Aviv gezielt in eine Gruppe Israeli. Dabei wurden nach Polizeiangaben sieben Soldaten und ein Zivilist getötet; 21 Menschen wurden verletzt, drei von ihnen schwebten am Nachmittag noch in Lebensgefahr. Der israelische Ministerpräsident Ehud Barak verurteilte den "abscheulichen Anschlag" und verschärfte die Abriegelung der Autonomiegebiete. Die von Israel kontrollierten Grenzen zwischen den Palästinensergebieten und den Nachbarländern wurden geschlossen. Die Palästinenser gaben Israel die Schuld für den Anschlag und betonten, die Armee habe die Bluttat mit ihrem brutalen Vorgehen der vergangenen Tage provoziert.

Der Anschlag war der blutigste in Israel seit September 1997, als bei einem Selbstmordattentat in Jerusalem acht Menschen starben. Gleichzeitig war es bereits die zweite anti-israelische Gewalttat seit der Wahl des rechtsgerichteten Politikers Ariel Scharon zum israelischen Ministerpräsidenten am 6. Februar.

Verantwortung liege bei Israel, so die palästinensische Führung

Die palästinensische Führung schob Israel die Verantwortung zu. Es handle sich um die Tat eines Einzelnen, der die Wut des palästinensischen Volkes über den israelischen "Staatsterrorismus" ausdrücke, sagte Regierungssprecher Achmed Abdel Rachman. Vor allem mit seinem Mordeinsatz gegen einen Leibgardisten von Palästinenserpräsident Jassir Arafat habe Israel die Bluttat provoziert. Arafat betonte, mit seiner "militärischen Eskalation" habe Israel den Anschlag selbst heraufbeschworen. Die israelische Armee hatte am Dienstag den Wagen eines palästinensischen Sicherheitsoffiziers aus einem Hubschrauber heraus mit Raketen beschossen. Dabei wurde der Leibgardist getötet.

Barak kündigte an, die Verantwortlichen für den Anschlag würden bestraft. Der künftige Ministerpräsident Scharon kündigte an, die Sicherheit in der Region "mit allen notwendigen Mitteln" wieder herzustellen. Die Palästinenser machten bei ihren Attentaten keine Unterschiede, "sie schlagen die israelischen Bürger, wo immer sie sie treffen können", warnte er. Scharons Sondergesandter Ovadia Sofer erklärte in Paris, Arafat spiele mit dem Feuer, wenn er derartige Taten zulasse.

Grenzübergänge werden gesperrt

Barak ordnete die Sperrung der Grenzübergänge von den Autonomiegebieten nach Ägypten und Jordanien an. Auch die Lockerungen der seit vier Monaten bestehenden Blockade des Westjordanlandes und des Gazastreifens wurden wieder aufgehoben. Tausende Palästinenser konnten damit erneut nicht an ihre Arbeitsplätze in Israel.

Der Busfahrer floh nach dem Anschlag mit dem Fahrzeug. Er wurde nach einer Verfolgungsjagd durch Schüsse schwer verletzt und festgenommen. Er verübte seine Tat, nachdem er palästinensische Pendler zu ihren Arbeitsplätzen in Israel gebracht hatte. Der 35-Jährige handelte nach palästinensischen Angaben als Einzeltäter. Die radikale Hamas-Bewegung sprach von einer "Antwort des palästinensischen Volkes" auf das Vorgehen der Israeli. Die Gruppe Islamischer Dschihad erklärte, der Mann habe keiner militanten Gruppierung angehört. Der Anschlag sei aber ein Vorgeschmack auf weitere Bluttaten von Palästinensern, drohte die Organisation.

Befürchtungen über unkontrollierbarer Kreislauf der Gewalt

Der Anschlag bestätigte alle Befürchtungen nach dem israelischen Mordanschlag auf den palästinensischen Leibgardisten. US-Außenamtssprecher Richard Boucher hatte nach dem Vorfall am Dienstag vor einem "unkontrollierbaren Kreislauf" der Gewalt im Nahen Osten gewarnt. Auch die EU hatte sich besorgt über die anhaltende Gewalt in der Region geäußert und beide Seiten aufgerufen, weitere Opfer zu verhindern.

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