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27.01.2002

19:00 Uhr

BMW-Williams stellt neuen Boliden vor

Einer der teuersten Vorführwagen der Welt

Die gleichen Alpha-Supercomputer, die das menschliche Genom entschlüsselt haben, werden auch von den Konstrukteuren des Formel-1-Teams BMW-Williams benutzt. Entsprechend groß waren die Erwartungen an die neue Optik des Rennwagens, der den bayrisch-britischen Rennstall im Laufe der Saison zur zweiten Kraft der Formel 1 machen soll.

ebr SILVERSTONE. Doch unter dem Tuch hervor kam ein FW 24, der seinem Vorgänger so sehr ähnelte, dass manche dachten, ein falsches Auto wäre auf die Bühne gerollt worden. Selbst Ralf Schumacher marschierte zweimal um sein Dienstauto, um dann die Veränderungen erahnen zu können. Erst der Aufkleber eines Paketdienstes, der als Sponsor von Ferrari abgeworben werden konnte, und ein paar neue Flügelanordnungen im Heckbereich zeigten den Premierengästen: Da steht wirklich ein Neuer. Wie andere Teams, die im vergangenen Jahr erfolgreich waren, ließen die Blau-Weißen vieles beim Alten. Denn grundsätzlich hat sich das technische Reglement kaum geändert, und die Aerodynamik lässt sich auch nur noch bedingt ausreizen.

Also wird es darauf ankommen, was unter der Kohlefaserhülle steckt. Der BMW-Zehnzylinder vom Typ P82, der sich stramm in Richtung der 880 PS entwickeln soll, trägt viel dazu bei, dass das Team von den beiden Konkurrenten Ferrari und McLaren zum Favoriten hochstilisiert wird. Eine Rolle, die die mit reichlich Realitätssinn gesegneten Techniker bei BMW-Williams nur dann annehmen wollen, wenn in Sachen Zuverlässigkeit künftig deutliche Fortschritte erzielt werden. In der letzten Saison, als es immerhin zum dritten Rang in der Konstrukteurswertung reichte, kamen die BMW-Boliden nur bei jedem zweiten Rennen bis ins Ziel.

Das Testverbot im November und Dezember hat die Truppe bereits in drei Januarwochen wettgemacht. Ralf Schumacher, Juan-Pablo Montoya und gleich zwei Testfahrer waren praktisch im Dauereinsatz, manchmal hatte das Team zwei Rennstrecken gleichzeitig angemietet, zuletzt waren die Boliden sieben Tage am Stück unterwegs. 4 500 Kilometer haben die Übergangsmodelle und vor allem das Aggregat schon auf dem Buckel. Der Aufwand zeigt die Ernsthaftigkeit und den Ehrgeiz, mit dem BMW-Williams zu Werke geht. Von dieser Woche an muss die nächste Fahrzeuggeneration in den Dauertest - die eigentlich entscheidende Phase der Saison. Ganz ohne Supercomputer, denn die beste Theorie ist auch bei Rennwagen die Praxis. Designer Gavin Fisher verriet schon am Rande der Präsentation, dass seine Schöpfung bis zum Renndebüt am 3. März in Melbourne mutieren wird: "So wie hier wird das Auto nie mehr aussehen", sagte er. Es dürfte sich beim FW 24 damit um einen der teuersten Vorführwagen der Welt handeln.

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