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01.04.2003

08:26 Uhr

Börse Istanbul leidet unter Zerwürfnis mit USA

Anleger meiden türkische Aktien

VonUdo Rettberg

An den Börsen in der Kriegsregion zwischen östlichem Mittelmeer und Golf ist das Geschäft in den vergangenen Tagen fast zum Erliegen gekommen. Da sich die Hoffnungen auf ein rasches Kriegsende nicht erfüllten, nahm die Unsicherheit in Istanbul, Kuwait, Israel und Saudi-Arabien zu. Die Börse in Kuwait-Stadt wurde zeitweise sogar geschlossen.

FRANKFURT/M. Besonders schlecht ist die Stimmung derzeit in der Türkei. Der Aktienindex der Börse Istanbul fiel seit Jahresanfang um 8,4 % auf das niedrigste Niveau seit zehn Jahren. Das in tiefen wirtschaftlichen Problemen steckende Land leidet wie kaum ein andere Nation unter den geopolitischen Spannungen direkt vor seiner Haustür. Selbst gute ökonomische Nachrichten werden wegen des Irak-Kriegs ignoriert. Die Regierung in Ankara hat für 2002 ein über den Erwartungen liegendes Wachstum des Bruttosozialprodukts von 7,8 % vorgelegt. Dies hinterließ an der Börse allerdings kaum Eindruck.

Gleiches gilt für die Offerte der US-Regierung, der Türkei mit Kreditgarantien von 8,5 Mrd. $ bei der Umsetzung des Reformprogramms zur Seite zu stehen. Ein Hilfspaket des Internationalen Währungsfonds (IWF) über 16 Mrd. $ ist eng an die Realisierung dieser Reformen gekoppelt. Zwar hat das türkische Parlament jetzt den Haushalt für 2003 nach IWF-Vorgaben verabschiedet. Unter den Anlegern herrscht aber Skepsis, ob die Mittel wegen des Streits mit den USA über die Truppenstationierung fließen werden. Die türkischen Aktienkurse waren abgestürzt, nachdem das Parlament in Ankara die Stationierung einer US-Invasionsstreitmacht abgelehnt hatte.

Die Finanzwelt wirft einen kritischen Blick darauf, inwieweit die Türkei ihre Schulden bedient . "Das größte Problem für die Türkei liegt in der hohen Verschuldung - die hohen Realzinsen sind auf Dauer jedenfalls nicht zu halten", sagt Tevfik Aksoy, Chef-Stratege von Global Securities. Die hohe Schuldenlast hat die Analysten von Fitch dazu veranlasst, ihr Rating herabzusetzen. Analysten von S&P äußerten sich zugleich kritisch über das Bankensystem der Türkei. "Wir empfehlen unseren Anlegern, türkische Vermögenswerte unterzugewichten", sagt Aksoy. "Neue Engagements bieten sich nicht an", rät auch Mahmut Kaya von Garanti Securities.

Irak-Anrainerstaaten profitieren vom Krieg

Im Gegensatz dazu stiegen die Indizes anderer Irak-Anrainerstaaten im ersten Quartal. Dies liegt auch daran, dass einerseits Ausländer in diesen engen Märkten kaum investiert sind und die Anleger dieser Ländern andererseits nur begrenzte Möglichkeiten für Kapitalanlagen im Ausland haben. Der Index der Börse Kuwait - der zweitgrößten Börse der arabischen Welt - liegt derzeit um 20 % über dem Ultimo 2002 und damit auf dem höchsten Niveau seit rund fünf Jahren. Begründet wird die Hausse vor allem mit Export-Erlösen aus dem Ölgeschäft. Der jüngste Raketenangriff auf Kuwait-Stadt hat die Akteure jedoch verunsichert. Bisher gingen die Anleger von einem raschen Kriegsende aus. Analysten sagen, die kuwaitische Wirtschaft habe gehofft, vom Wiederaufbau des Irak profitieren zu können. Das kann jetzt dauern. "In einem instabilen politischen Umfeld zählen alle Seiten zu den Verlierern", sagt Gamal al-Bassri vom Finanzhaus Kuwait Financial Brokers.

Positiv haben sich auch die Kurse an der Börse in Riad - der größten Börse der arabischen Welt - entwickelt. Seit Jahresbeginn errechnet sich ein Plus von rund 8 %. Auch hier überwog der positive Einfluss des hohen Ölpreises. Die Aktienkurse dürften dann weiter steigen, wenn der Krieg rasch beendet werden sollte, meinen die Analysten von Bakheet Financial Advisors.

Auch in Tel Aviv ist nach kurzem Kursaufschwung nach Kriegsbeginn wieder Realismus eingekehrt. Auch wegen der prekären wirtschaftlichen Lage, die die Verabschiedung eines Sparpakets durch die Regierung Scharon notwendig gemacht hat, sind die Anleger trotz Leitzinssenkung zurückhaltend. Einsparungen, etwa Gehaltskürzungen im Öffentlichen Dienst, sollen den Haushalt sanieren helfen.

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