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02.02.2001

14:06 Uhr

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Börsen-Aktie ist stark überzeichnet

Die Aktien der Deutschen Börse AG sind offenbar auf eine hohe Nachfrage gestoßen. Nach Informationen aus Kreisen der Konsortialbanken sind die Papiere der Gesellschaft rund 20-Fach überzeichnet.

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ap FRANKFURT. Aus diesem Grund sei damit zu rechnen, dass die Aktie der Deutschen Börse am oberen Ende der Preisspanne von 285 bis 335 ? zugeteilt werde, hieß es. Bei einer Emission zu 335 ? würde die Deutsche Börse mit rund 3,4 Mrd. ? bewertet. Am Freitagnachmittag läuft die Zeichnungsfrist für die bis zu 3,2 Mill. für die Platzierung vorgesehenen Börsen-Aktien aus. Am Sonntag soll der Ausgabepreis bekannt gegeben werden, Montag ist die Aufnahme der Aktien in den Amtlichen Handel der Frankfurter Wertpapierbörse vorgesehen.

"Es dürfte schwierig werden, die Aktie nicht am oberen Ende der Preisspanne zuzuteilen", sagte ein beteiligter Banker, der nicht namentlich genannt werden wollte. "Es gibt einige institutionelle Investoren, die ein ganzes Paket an der Firma wollen und nicht bekommen. Deshalb werden sie wohl gezwungen sein, die Papiere am Markt zu kaufen", hieß es bei einem anderen Geldhaus. Bei einer Zuteilung von 335 ? würde die Deutsche Börse einen Emissions-Erlös von bis zu knapp einer Milliarde Euro erzielen, den sie nach früheren Angaben einerseits in die Gesellschaft investieren will. Andererseits macht Vorstandschef Werner Seifert aber auch keinen Hehl daraus, dass er mit dem Börsengang eine Akquisitionswährung schaffen wolle.

Im so genannten Grauhandel notierten die Aktien der Deutschen Börse am Freitag bei bis zu 350 ?. Allerdings ist dieser Wert nur bedingt aussagekräftig, da die am Börsengang beteiligten Banken nicht in diesem Handel per Erscheinen aktiv sind. Die Deutsche Bank und Goldman Sachs sind die globalen Koordinatoren der Emission. Neben der Notierung in Frankfurt will die Börse im Ausland auch Anteile privat platzieren. Die Aktien sind für das Geschäftsjahr 2000 voll gewinnberechtigt.

Die Börse gehört derzeit - und auch nach dem Börsengang - überwiegend Banken und Investmenthäusern sowie der Maklerschaft und den deutschen Regionalbörsen. Nach Angaben der Firma werden gut 2,8 Mill. Aktien zuzüglich einer Mehrzuteilungsreserve ("Greenshoe") von 390 000 Stücken und bis zu weiteren 264 000 Papiere aus dem Besitz der Altaktionäre am Markt platziert. Ein Großteil der Altaktionäre habe sich bereits erklärt, nicht von ihrem Bezugsrecht Gebrauch zu machen, hatte es jüngst geheißen. Auch hätten einige Eigentümer die Absicht signalisiert, einen Teil ihrer Aktien verkaufen zu wollen.

Die Deutsche Börse spricht nach eigenen Angaben mit ihrer Emission in erster Linie institutionelle Investoren an. Der Titel könne nicht mit "Volksaktien" wie etwa von der Deutschen Post vergleichen werden, hieß es. Die Börse hatte vor ihrem Börsengang eigentlich noch einen Aktien-Splitt geplant, der jedoch wegfiel, weshalb die Papiere - zumindest optisch - deutlich über dem gängigen Preisniveau bei Börsengängen liegen. Nach Einschätzung von Analysten dürfte der voraussichtliche Ausgabepreis die Nachfrage von Privatanlegern ohnehin gebremst haben. Die Börse erwägt allerdings, den Splitt später nachzuholen. Wie hoch letztlich die Zuteilung an Private, und nach welchem Schlüssel die offensichtlich stark überzeichnete Emission vergeben wird, ist noch nicht bekannt.

Der Gang der Frankfurter Börse an den Kapitalmarkt gilt auch als Vorwärtsschritt in den Bemühungen um die Schaffung eines einheitlicheren europäischen Marktes. Die großen Handelshäuser beklagen zusehends die hohen Kosten, die die Zersplitterung der europäischen Kapitalmärkte und vor allem die zahlreichen Handelsysteme aufwerfen. Durch die Notierung der Börsenfirmen an den Märkten und der damit geschaffenen Voraussetzung für Fusionen könnte die Konsolidierung der europäischen Börsenlandschaft beschleunigt werden, glauben einige Finanzmarktexperten.

Die Deutsche Börse ist nach dem Stockholmer Finanzmarktbetreiber OM Gruppen der zweite Finanzplatz in Europa mit einem öffentlichen Listing. Die Aktien der London Stock Exchange (LSE) sind zwar über das Maklerhaus Cazenove handelbar, liegen aber in den Händen der Mitglieder. Der aus den Finanzplätzen Amsterdam, Brüssel und Paris hervorgegangene Aktienmarkt Euronext will im Sommer an die Börse.

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