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03.01.2003

06:22 Uhr

Börsen

Kommentar: Seitwärts

VonFrank Wiebe

Die Erwartungen der Experten für 2003 liegen etwa zwischen 0 und 20 Prozent für die Weltbörsen. Ein Minus sagt kaum jemand voraus; bei Leuten, die von Aktien leben, verwundert das nicht.

Aktienprognosen abzugeben ist leicht. Man nehme den heutigen Indexstand, schlage zehn Prozent auf und verkünde dies als Zielmarke für das Jahresende. Wenn es so kommt, sind alle zufrieden. Wird es mehr, sind ohnehin alle zufrieden. Bleiben die Gewinne darunter, gilt das Ziel nur als knapp verfehlt. Und wenn die Börse wieder schwach wird, sind ohnehin alle unzufrieden.

Die Erwartungen der Experten für 2003 liegen etwa zwischen null und 20 Prozent für die Weltbörsen. Ein Minus sagt kaum jemand voraus; bei Leuten, die von Aktien leben, verwundert das nicht.

Wagen wir trotz aller Unsicherheiten auch eine Prognose: 2003 könnten die Börsen seitwärts laufen. Geht man davon aus, dass Aktienexperten aus eigenem Interesse systematisch zu optimistische Aussagen machen, dann liegt eine Nullprognose wahrscheinlich in der Mitte der tatsächlichen Erwartungen. Deutschland könnte etwas besser abschneiden, wenn der Blut-Schweiß-und-Tränen-Rede, die unser Kanzler mit zehn Jahren Verspätung statt seines Vorgängers gehalten hat, Taten folgen sollten.

Wie die Börsen in den nächsten Monaten laufen, hängt von der Irak-Krise ab. Die Angst vor einem Krieg dürfte in den Kursen enthalten sein, aber ebenso die Hoffnung, dass er schnell vorbei ist. Damit bleibt alles offen: Wenn die Bomben auf Bagdad fallen, wird es gefährlich; in erster Linie natürlich für die Menschen.

Es gibt auch seriöse Geldmanager, die gar nichts von Börsenprognosen halten. Sie haben, neben den schlechten Trefferquoten, gute theoretische Argumente zur Hand: Weil der Markt die Prognosen kennt, fließen sie gleich in die Kurse ein und sind damit sofort wieder überholt. Manche Anlagestrategien basieren auf dieser skeptischen Philosophie. Zum Beispiel die der so genannten Value-Fonds, die lediglich niedrig bewertete Aktien heraussuchen, ohne sich groß um den gesamten Trend zu kümmern. Damit lässt sich in schwachen Börsenzeiten viel Ehre einlegen, im Börsenboom weniger. Langfristig dürften damit zumindest die irrationalen Übertreibungen, also die Risiken, eingedämmt werden - auch das ist schon eine beachtliche Leistung. Andere Strategen halten auch die Auswahl einzelner Titel für ein Lotteriespiel und setzen gleich auf Indexfonds oder-zertifikate. Das macht in schlechten Jahren niemanden glücklich, hat aber langfristig den Vorteil, dass weniger Kosten die Rendite auffressen.

Weil die Indizes so schlecht laufen, werden zurzeit jedoch eher Strategien empfohlen, die davon weniger abhängig sind, etwa die gezielte Auswahl einzelner Titel oder schnelleres Kaufen und Verkaufen bis hin zu Termingeschäften. Damit lässt sich zwar theoretisch viel Geld verdienen - aber praktisch läuft es auf eine Wette mit knapp 50 Prozent Gewinnchance hinaus. Daher ist Vorsicht gegenüber diesen Ratschlägen angebracht.

Fazit: Anleger sollten kurzfristig von Aktien nicht zu viel erwarten. Aber mit längerfristiger Perspektive kann man durchaus einen Teil des Vermögens in diese Papiere investieren - irgendwann springen die Börsen wieder an. Wer überhaupt noch Rendite erzielen möchte, kommt an Risiken ohnehin nicht vorbei. Denn auch Staatsanleihen bieten keine Garantie: Wenn sich die Lage entspannt, werden sie fallen.

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