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04.07.2000

18:51 Uhr

Börsen London und Frankfurt verteilen Memorandum zur geplanten Fusion

Deutsche Gespräche mit der Nasdaq stocken

VonSTEFAN KEIDEL

Der Aufbau einer weltumspannenden Wachstumsbörse gerät offenbar ins Stocken.

FRANKFURT/M. Die Gespräche von Deutscher Börse AG und London Stock Exchange (LSE) mit der US-Börse Nasdaq über den Aufbau einer weltumspannenden Börse für Wachstumswerte ist offenbar ins Stocken geraten. Nach Informationen des Handelsblatts ist die Euphorie für dieses Vorhaben zumindest in Frankfurt inzwischen weitgehend verflogen. Nach anhaltender Kritik aus den Reihen der eigenen Börsenmitglieder an den ihrer Meinung nach zu günstigen Bedingungen für die Nasdaq scheint nun auch der Chef der Deutschen Börse AG, Werner G. Seifert, nicht mehr rückhaltlos hinter einer Zusammenarbeit mit der Nasdaq zu stehen, ist aus Börsenkreisen zu hören. Die Gespräche sollen aber von Vorstandsmitglied Volker Potthoff weitergeführt werden. Die Nasdaq soll 50 % an der Gemeinschaftsbörse erhalten, obwohl sie nur ihren guten Namen einbringe, beschweren sich Börsen-Aufsichtsräte hinter vorgehaltener Hand. Ein Sprecher der Deutschen Börse AG erklärte auf Anfrage, laufende Gespräche würden nicht kommentiert.



Anfang Mai hatten der Chairman der LSE, Don Cruickshank, Seifert und Nasdaq-Chef Frank Zarb bei der Fusionsankündigung zu iX auch den Plan einer gemeinsamen Wachstumsbörse mit Sitz in London bekannt gegeben. Sollten die drei Börsen an ihrem bisherigen Plan mit der weltweiten Nasdaq-Wachstumsbörse nicht festhalten, dann sollen sämtliche Aktivitäten des Segments für wachstumsstarke Unternehmen der New Economy in Frankfurt verbleiben, heißt es weiter. Bislang ist geplant, die Vertriebsgesellschaft der Nasdaq als Sitz der Wachstumsbörse in London zu belassen, was in der Mainmetropole die Furcht vor einer Sogwirkung hin zum britischen Finanzzentrum ausgelöst hat.



Das mit Spannung erwartete Informations-Memorandum der Londoner und Frankfurter Börse zu ihrer geplanten Fusion zur paneuropäischen Börse iX ist am Dienstag an die Aufsichtsräte der Deutschen Börse verschickt worden. In London haben es bislang nur die Boardmitglieder bekommen, heißt es. Heute berät der Börsenbeirat das Memorandum. Dem Vernehmen nach halten Seifert und Cruickshank an ihren iX-Plänen fest, neue Details gebe es kaum. Damit sei zu befürchten, dass wichtige offene Fragen der Aufsichtsratsmitglieder noch nicht zufrieden stellend beantwortet würden.



Unklarheiten gibt es wohl auch bei der Zusammensetzung des Kontroll- und Führungsgremiums von iX. Aus Börsenkreisen ist zu hören, Mitglieder der Londoner Börse fühlten sich im zwölfköpfigen Board unterrepräsentiert. Während auf deutscher Seite nur Seifert als Chief Executive Officer (CEO) formell über Managementkompetenzen verfügen werde und auf den übrigen fünf Plätze normale Börsenmitglieder säßen, solle die britische Seite mehrere Manager mit Executive-Vollmachten stellen. London wolle sich mit diesem Schritt genügend Einfluss sichern, heißt es.

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