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24.01.2001

19:00 Uhr

Börsen-Renaissance für preiswerte Aktien gibt leidgeprüften Fondsmanagern neuen Mut

Warum Value-Werte wertvoll werden

VonIngo Narat

Die Letzten sind jetzt die Ersten. Das trifft auf Ed Walczak zu wie auf keinen Zweiten. Der New Yorker managt den Vontobel Fund - US Value Equity, einen auf US-Werte ausgerichteten Aktienfonds. Im Jahre 1999 erwischte es ihn knallhart: Im Vergleich mit konkurrierenden Fonds landete er abgeschlagen auf dem letzten Platz. Ganz anders fällt die Jahres-Bilanz 2000 aus. Er rollte das Feld von hinten auf und holt mit einem Wertgewinn von 49,2 % die Goldmedaille

FRANKFURT/M. Andere Fondsmanager, von High-Tech-Enthusiasten bereits abgeschrieben, feiern ebenfalls ihr Comeback. Dahinter steckt die Renaissance der "Value"-Investmentphilosophie. Vertreter dieses Ansatzes kaufen Aktien, die - gemessen an traditionellen Analysekriterien - zu preiswert erscheinen.

In den vergangenen Jahren hatte die Auswahl von Werten nach niedrigem Kurs/Gewinn-Verhältnis, niedriger Kurs/Buchwert-Quote und hoher Dividendenrendite in die Sackgasse geführt. An soliden Firmen mit stetigem Gewinnzuwachs waren die Börsianer kaum interessiert. Es zählten weniger nachvollziehbare Fakten als Phantasie und Visionen der High-Tech-Firmen - bis die Spekulationsblase im vergangenen März platzte.

Parallel zur Ernüchterung besinnen sich die Börsianer wieder auf alte Value-Tugenden. Auch Michael Keppler fühlt sich bestätigt. Der 50jährige Chef von Keppler Asset Management in New York war seit jeher ein Verfechter des Werthaltigkeitsgedankens. Er glaubt an die Rückkehr zur Normalität und an ein "Ende der Jahre des Ausnahmezustandes". Für ihn bleibt die Aktienauswahl nach Value-Grundsätzen auch in den kommenden Jahren der Schlüssel zum Erfolg.

Der Deutschstämmige zählt zu den wenigen Fondsmanagern, die mit dem Value-Ansatz gleich in mehreren Anlageregionen ein Comeback feiern. Keppler betreut zwei internationale Aktienfonds für Börsen etablierter Länder bzw. für Schwellenländermärkte, beide unter der Dachmarke "Global Advantage Funds" und in Zusammenarbeit mit der State Street Bank. Der "Major Markets" arbeitete sich im vergangenen Jahr mit einem Wertgewinn von 9,6 % auf Platz zehn unter 219 Konkurrenten vor. Dem "Emerging Markets" gelang in seinem Konkurrenzumfeld sogar der Sprung auf Rang zwei. Das trübe Klima an den Schwellenbörsen ließ allerdings mit-6,9 % nur einen relativen Erfolg zu.

Der Ex-Commerzbanker glaubt sich für die anhaltende Value-Renaissance gut gerüstet. Im Major-Markets-Portfolio setzt er auf die Börsen in Österreich und Hongkong, die seiner Meinung nach fast 40 % zu preiswert sind. Die Unterbewertungen in Norwegen, Belgien, Australien und Deutschland taxiert er auf 10 bis 20 %. Noch markanter ist die Lage laut seinen Kalkulationen in einigen Schwellenländern. Die Titel in der Slowakei, in Venezuela, Korea und Sri Lanka und Kolumbien sind danach um 50 bis 60 % zu billig.

Der kleine Major-Markets-Fonds zeigt in der Wertentwicklung erstaunliche Parallelität zum 14 Mrd. $ schweren Templeton Growth Fund, Inc. Auch die US-Investmentfirma Templeton zählt zu den traditionellen Verfechtern des Value-Gedankens. Das Flaggschiff des Hauses kämpfte sich in den vergangenen Jahren unter Führung von Mark Holowesko ebenfalls nach vorne und liegt in der Fonds-Bilanz 2000 mit +8,5 % nur knapp hinter dem Keppler-Produkt.

Die Chancen auf eine längerfristige Rückbesinnung zum Value-Gedanken stehen nicht schlecht. Zu weit war die Börsen-Phantasie der Wirklichkeit in den früheren Jahren enteilt. Der amerikanische Superinvestor Warren Buffet hat die Anleger bereits auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Die historisch einmalige Börsenhausse der Vergangenheit wird seiner Meinung nach von einer Ära abgelöst, in der mit US-Aktien im Schnitt nur noch 6 % p.a. zu verdienen sind - in den kommenden 15 Jahren.



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