Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.01.2001

16:59 Uhr

Börsenexperten rechnen mit Ertragswarnungen

Weihnachten war für PC-Hersteller ein Desaster

VonMarkus Koch (Wall Street Correspondents)

Laut PC Data sind im Dezember PC-Verkäufe in Einzelhandelsläden und über den Direktverkauf um rund 24% gefallen. Damit dürfte die sonst robuste Weihnachtssaison für viele Hersteller mit einem Desaster und nach wie vor zu hohen Lagerbeständen geendet haben.

"Die letzten zwei Wochen im Dezember verliefen furchtbar schlecht", so Dan Niles von Lehman Brothers. Mit dem Dezember endet der fünfte Monat sinkender Verkaufszahlen und der zweite Monat mit zweistelligen Absatzeinbrüchen. "In der letzten Woche vor Weihnachten zeichnete sich eine Erholung ab. Der Nachfragecomeback reichte jedoch nicht aus, um die insgesamt schlechte Weihnachtssaison zu retten", befürchtet Stephen Baker von PC Data.

An der Wall Street stellen sich Analysten auf eine erneute Ertragswarnungsrunde ein. Die Tatsache, dass Apple Computer das neue Jahr mit drastischen Preissenkungen bei professionellen Desktop PCs und Notebooks eingeleitet hat, deutet auf Ärger am Horizont. Durchschnittlich senkt Apple die Preise um 23% oder zwischen 650 bis 1 000 $. Die enttäuschende Nachfrage dürfte zu überfüllten Lagerbeständen geführt haben, spekuliert Kevin McCarthy von der Credit Suisse.

Ein Problem, dass nicht nur Apple Computer plagt, sondern mit hoher Wahrscheinlichkeit auch andere PC Hersteller trifft. Apples Versuch durch aggressive Preisreduzierungen die Lagerbestände auf ein gesundes Niveau zu reduzieren, ist nur der erste Schritt zu einem wieder auflebenden und ungesunden Preiskrieg in der Branche. "Obwohl die Aktien von Apple Computer ein attraktives Bewertungsniveau erreicht hat, ist die Aktie nur haltenswert. Das konjunkturell schwierige Umfeld und die überfüllten Lagerbestände rechtfertigen keine Aufstufung", warnt McCarthy.

Dass die Lage in der Branche ernst zu nehmen ist, musste nun auch Salomon Smith Barney Analyst John Jones akzeptieren. Noch vor gut zehn Tagen hielt Jones die Wachstumsbedenken bei IBM für komplett unbegründet. "IBM ist kaum im Privatkundengeschäft vertreten. Die Wachstumsstory bei Big Blue hat nichts mit PCs oder PC Servern zu tun", jubelte Johnes am 21. Dezember. Nun muß auch er eingestehen, dass eine Warnung nicht auszuschliessen ist. Die erwartete Umsatzerholung im Festplattenbereich für Highend-Server ist nicht erfolgt. Gekoppelt mit schwachen PC-Verkäufen trotz zahlreicher Sonderangebote, spricht alles für enttäuschende Umsatzzahlen. Zudem hat sich der feste Dollar etwas stärker als erwartet auf das Wachstum ausgewirkt.

Jones senkt seine Umsatzerwartungen für das vierte Quartal an diesem Mittwoch um 400 Mill.$ nach unten. Aufgrund der historisch niedrigen Kursbewertung bleibt er dennoch bei seiner Kaufempfehlung. Nicht ganz so groß fallen die Revidierungen bei Hewlett-Packard aus. Aber auch dort rasiert Jones die Umsatzerwartungen um 150 Mill.$ auf 13,39 Mrd.$ ab. Ob Carly Fiorina neuer Vorstand bei dem weltweit zweitgrößten PC Hersteller ist oder nicht, spielt längst keine Rolle mehr.

Denn auch HP kann sich der Konjunkturschwäche und sinkenden Ausgaben in der Informationstechnologie nicht entziehen. Ende Dezember mussten die Preise für Server Computer um bis zu 23% gesenkt werden. Man wolle die niedrigeren Preise für Komponenten an den Kunden weitergeben, teilte das Management den Analysten mit. Die Wahrheit könnte aber eine andere sein: Preissenkungen, um den Verkauf anzukurbeln. Jones senkt die Umsatzerwartungen nicht nur aufgrund der schleppenden PC-Verkäufe, auch der UNIX-Serverbereich scheint unerwartet schlecht abzuschneiden.

Die Nummer eins im PC Bereich, Compaq Computer, dürfte es in dem schwierigen Marktumfeld besonders schwer haben. Das Management muss das Vertrauen des Marktes zurückgewinnen. Anfang Dezember teilte man der erfreuten Analystenwelt mit, dass das vierte Quartal nach Plan verlaufe, nur um wenige Tage später doch eine Warnung auszusprechen. Der Umsatz werde 8 bis 10% unter den ursprünglichen Erwartungen ausfallen, der Gewinn mit 28 bis 30 Cents pro Aktie die Schätzungen von 37 Cents ebenfalls um längen verfehlen.

Wenn auch das Kursverlustrisiko bei der Aktie aufgrund der niedrigen Bewertung begrenzt sein dürfte, rät Dan Niles von Lehman Brothers zur Vorsicht. Im ersten Halbjahr 2001 dürfte der harte Preiskampf im Markt, die hohen Lagerbestände und das Konjunkturumfeld den Geschäftsverlauf weiterhin belasten.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×