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15.01.2001

12:46 Uhr

Bonner haben vermutlich ein Auge auf das Aktienpaket von Eon geworfen

Telekom bekräftigt Interesse an französischem Mobilfunkmarkt

Die Deutsche Telekom AG hat erwartungsgemäß Berichte über angebliche Sondierungen für eine Beteiligung an Bouygues Telecom nicht kommentieren wollen. Analysten würden die Partnerschaft begrüßen.

vwd/rtr DÜSSELDORF. Das Unternehmen beteilige sich nicht an derartigen Spekulationen, sagte ein Konzernsprecher am Montag zu vwd. Er bekräftigte aber, dass der französische Mobilfunkmarkt für die Telekom sehr interessant sei und sie ihn aufmerksam beobachte. Die Telekom hatte im November erklärt, sich nicht an der anstehenden Vergabe der UMTS-Lizenzen in Frankreich beteiligen zu wollen, da dies ohne eigene Mobilfunkkunden-Basis nicht vertretbar sei.

Der Vorstandsvorsitzende der Konzerntochter T-Mobile Internationale AG, Bonn, Kai-Uwe Ricke, hatte damals aber betont, wenn man ein weltweiter Anbieter in der dritten Mobilfunkgeneration sein wolle, könne man es sich nicht erlauben, in Frankreich, Italien oder Spanien zu fehlen. Wie ein alternativer Weg aussehen könnte, ließ er offen. In Frankreich ist die Telekom bereits mit Festnetz-Telefonie (Siris), Internet (Club Internet) und Systemkundengeschäft (debis systemhaus) präsent. Insgesamt beschäftigt der Konzern dort 3 000 Mitarbeiter.

Spekuliert wurde unter anderem, dass die Telekom an dem 17,5-prozentigen Anteil der Düsseldorfer Eon AG an Bouygues Telecom interessiert sein könnte. Ein Eon-Sprecher wollte dazu keinen Kommentar abgeben. Das Paket gehört zu den Desinvestitions-Kandidaten des aus Veba und Viag fusionierten drittgrößten deutschen Industriekonzerns.

Mit einer Beteiligung würde sich die Telekom doch noch einen Einstieg in das französischen UMTS-Mobilfunkgeschäft sichern, nachdem eine eigenständige Bewerbung Ende November zurückgezogen wurde. In Frankreich werden nach dem Bewerbungsschluss Ende Januar im Frühjahr neue UMTS-Mobilfunkfrequenzen vergeben.

Analysten sehen in einem Markteintritt der Deutschen Telekom über Bouygues Telecom seit längerer Zeit für die wahrscheinlichste Variante. "Die Telekom will im Mobilfunk nie ohne eigene Kundenbasis operieren", sagte Telekom-Analyst Ralf Hallmann von der Bankgesellschaft Berlin. Deshalb komme als Telekom-Partner nur Bouygues in Frage. Auf dem französischen Mobilfunkmarkt dominiert die France-Telecom-Tochter Iternis, gefolgt von der Vivendi-Tochter SFR und Bouygues Telecom.

Die Konzernmutter Bouygues führt seit längerem Verhandlungen über Partnerschaften für ihre knapp 54prozentige Tochter. Direkte Beteiligungen an Bouygues Telecom halten neben der Mutter (21 %), Eon (17,5 %) und die Bank BNP Paribas (6,5 %). 55 % der Anteile liegen bei der Holding BDT, die zu 59,5 % zu Bouygues, zu 20,9 % dem Werbeunternehmen Decaux und zu weiteren 19,2 % Telecom Italia Mobile gehört. Bouygues, deren Kapital zu 9 % beim französischen Financier Bernalt Arnault liegt, hatte zuletzt Anfang Dezember Gespräche mit mehreren Interessenten über eine Partnerschaft bestätigt. Anfang Januar waren Gespräche über einen höheren Einfluss von Telecom Italia Mobile (TIM) ausgesetzt worden. TIM hatte aber weiter Interesse an einem höheren Kapitalanteil an Bouygues Telecom bekundet. Presseberichten zufolge hat Bouygues auch Japans NTT Docomo und der niederländischen KPN verhandelt. Über den Verhandlungsstand wurde nichts berichtet.

Bouygues Telecom gilt bei Anaylsten wie die übrigen französischen Mobilfunkanbieter als Kandidat für eine UMTS-Mobilfunklizenz, die die französische Regierung für jeweils 32,5 Mrd. Francs (9,7 Mrd. DM) im Frühjahr für 15 Jahre vergeben will. Als neuer Anbieter könnte ein Konsortium des Versorgers Suez Lyonniase und Telefonica zum Zuge kommen.

Als Verkäufer ihrer Bouygues-Telecom-Beteiligungen kommen nach Einschätzung von Analysten BNP Parisbas und Eon in Betracht, die sich von Randaktivitäten trennen wollen. Eon hat bereits alle maßgeblichen Telekom-Aktivitäten verkauft und auch den Anteilsverkauf an Bouygues explizit angekündigt, will sich Branchenkreisen zufolge aber derzeit nicht von dem Paket trennen. Analyst Hallmann sagte: "(Eon-Vorgänger) Veba hat nie was aus den Telekom-Beteiligungen gemacht, außer zu guten Preisen zu verkaufen." Es mache für Eon keinen Sinn, den Anteil länger zu behalten. Verzögerungen seien wahrscheinlich nur durch die derzeit darniederliegenden Marktpreise zu erklären. Bouygues brauche dagegen Finanzmittel für den Ausbau des Geschäfts im Richtung UMTS, sagte Hallmann.

Die von Analysten als "sinnvolle Partner" gesehene Deutsche Telekom und Bouygues haben Gespräche untereinander bislang nie bestätigt. Vor dem im November angekündigten Rückzug der Deutschen Telekom aus der Bewerbung um eine UMTS-Lizenz hatte der Bonner Konzern unternehmensnahen Kreisen zufolge Verhandlungen mit mehreren Konsortien geführt, bis Mitte September aber Gespräche mit Bouygues ebenso wie das französische Unternehmen dementiert.

An den Börsen büßten die Aktien von Bouygues ihre anfänglichen Kursgewinne wieder ein. Die jüngsten Kursgewinne bei den Papieren der Deutschen Telekom hielten an und schoben den Kurs weiter nach oben.

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