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17.01.2003

16:45 Uhr

Boulevardblatt „Neue Kronenzeitung“

Heftiger Streit zwischen WAZ und Dichand

Zwischen den beiden Eigentümern, der Essener WAZ-Gruppe und dem österreichischen Herausgeber Hans Dichand, ist ein heftiger Streit um den künftigen Chefredakteur des Boulevardblattes "Neue Kronenzeitung" entbrannt.

HB/dpa WIEN/ESSEN. Dichand bot der WAZ-Spitze am Freitag an, deren 50-prozentigen Anteil an dem größten Blatt in Österreich wieder zurückzukaufen. "Das kann sich Dichand aus dem Kopf schlagen", sagten die WAZ-Geschäftsführer Lutz Glandt und Erich Schumann in Wien nach Beratungen mit ihren Rechtsanwälten. Hintergrund ist die Bestellung des Dichand-Sohnes Christoph zum neuen "Krone"- Chefredakteur, die von der WAZ nicht hingenommen wird.

Der fast 82 Jahre alte Zeitungsgründer hatte seinen 37-jährigen Sohn zum 1. Februar als neuen Chefredakteur bestimmt. "Der Sohn ist kein Journalist, sondern Jurist", begründeten Schumann und Glandt ihre Ablehnung weiter. "Deshalb halten wir ihn nicht für geeignet." Schon in der Vergangenheit war von Beobachtern angeführt worden, dass es keinen bekannten Text von Dichand junior gebe, den dieser in einer Zeitung veröffentlicht habe. Demgegenüber hat sein Vater in dieser Woche in verschiedenen Interviews darauf hingewiesen, dass sein Sohn als Chef der Wochenendbeilage "Krone Bunt" das Medienhandwerk beherrsche.

Die "Kronenzeitung" gilt als das einflussreichste Blatt Österreichs und sein Gründer und Chef Hans Dichand als einer der mächtigsten Männer des Landes. Die Zeitung wird im Schnitt von 2,3 Millionen der acht Millionen Österreicher gelesen und soll zuletzt ein Plus von 70 Millionen Euro erwirtschaftet haben. Dichand erwartet offenbar eine harte juristische Auseinandersetzung mit der WAZ: "Wenn wir so weitermachen, kann das so enden wie in verschiedenen Shakespeare-Stücken, dass auf der Bühne nur noch Tote liegen", warnte er in einem Gespräch mit der österreichischen Nachrichtenagentur APA.

Die WAZ will nach eigenen Angaben die neue Personalie auf jeden Fall rückgängig machen. Es sei jedoch nicht daran gedacht, einen Chefredakteur aus Deutschland nach Wien zu schicken, dementierten Glandt und Schumann entsprechende Gerüchte. "Chefredakteur soll der Beste werden, und das in beiderseitigem Einvernehmen". Dichand senior will aber offenbar hart bleiben. "Den Schwierigkeiten mit den Deutschen, die da auf uns zukommen, sehen wir mit großer Gelassenheit entgegen", sagte er dem Wiener Magazin "Format".

Der extrem öffentlichkeitsscheue Christoph Dichand wird als diszipliniert, ehrgeizig und bescheiden beschrieben. Sein Jurastudium schloss er mit 1993 in Innsbruck mit einer Dissertation über den "Persönlichkeitsschutz im Medienrecht" ab. Das Blattmachen hat er bei der "New York Post" und den "Daily News" in den USA gelernt. Dann durchlief er eine Ausbildung im Krone-Verlag, die ihn von der Leserbriefredaktion bis in die Rechtsabteilung führte. Daneben machte er sich einen Namen durch die teilweise Übernahme des Auktionshauses Dorotheum und des Wiener Hilton-Hotels sowie eines Internet- Auktionshauses.

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