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30.01.2002

19:00 Uhr

BP zahlt für die Ölsparte an Eon in bar

Aral fährt unter britischer Flagge

Die Neuordnung des deutschen Energiemarkts läuft anders als geplant: Eon verkauft sein Mineralöl- und Tankstellengeschäft jetzt in bar an BP. Denn das geplante Tauschgeschäft gegen die Ruhrgas-Anteile der BP liegt auf Eis - wegen des Widerstands des Kartellamtes. Eon baut nun auf Wirtschaftsminister Müller.

ews/jsn DÜSSELDORF. Die Londoner BP kauft morgen 51 % der Veba Oel/Aral von der Düsseldorfer Eon für 1,9 Mrd. Euro. Gleichzeitig übernehmen die Briten Verbindlichkeiten von 1 Mrd. Euro. Die restlichen 49 % werden am 1. April für 2,8 Mrd. Euro nach London wechseln.

Damit ist aus dem ursprünglich geplanten Tauschgeschäft Veba Oel/Aral gegen die Ruhrgas-Anteile der BP eine Übernahme mit Barbezahlung geworden. Denn BP hat darauf bestanden, das Öl-Geschäft mit dem deutschen Tankstellen-Marktführer Aral schnell abzuschließen. Es sollte keine Zeit mehr verloren werden, hieß es in London.

Zum Hintergrund: Der Verkauf des Ölgeschäfts von Eon ist ein Teil der umfangreichen Neuordnung auf dem deutschen Energiemarkt. Eon will seine Gasparte stärken und strebt die Übernahme des Marktführers Ruhrgas an. Konkurrent RWE hat sein Ölgeschäft (RWE-Dea) bereits in ein Joint-Venture mit dem BP-Rivalen Shell eingebracht, beide arbeiten an der Optimierung ihres Tankstellennetzes - deshalb die Eile von BP, denn ohne Aral läge die Allianz Dea-Shell auf dem deutschen Spritmarkt uneinholbar vorne. Während das Kartellamt die Mineralölübernahmen vor Weihnachten unter strengen Auflagen genehmigt hatte, untersagte es die Übernahme der Ruhrgas-Anteile durch Eon in der vergangenen Woche.

Damit liegt für Eon der Tausch mit dem 2,4 Mrd. Euro teuren Gelsenberg-Pakets der BP (das sind 25,5 % Anteil an der Ruhrgas) auf Eis. Die Düsseldorfer werden nun eine Ministererlaubnis bei Bundeswirtschaftsminister Werner Müller beantragen, um die Zustimmung zur geplanten vollständigen Übernahme des größten privaten Gashändlers in Europa doch noch zu bekommen.

Offiziell zeigt sich BP-Chef Lord John Browne mit der Akquisition der Veba Oel/Aral sehr zufrieden: "Es ist ein erstklassiges Geschäft für die BP, das uns den größten Anteil an Europas wichtigstem Treibstoffmarkt bringt". Inoffiziell sind jedoch andere Töne zu hören: We are not amused", verlautet aus dem Londoner Stammhaus. Ursprünglich war nur ein Geldfluss von 400 Mill. Euro von BP an Eon vorgesehen, nun müssen die Briten den gesamten Kaufpreis erst einmal bar hinblättern.

Der neue Eigentümer BP, drittgrößte Ölgesellschaft der Welt, muss zudem die wettbewerbsfördernden Auflagen des Bundeskartellamt erfüllen. Die Wettbewerbshüter hatten bemängelt, dass die beiden neuen Allianzen mehr als 60 % des deutschen Ölmarktes beherrschen würden. Beide Gruppen müssen daher zusammen rund 1 500 ihrer insgesamt 6 500 Tankstellen verkaufen. Aber Aral/BP bleiben mit 22 % vor Shell/Dea mit 20 % und Esso 10 % Marktführer.

Die Interessenten für die Stationen sollen zahlreich sein, heißt es in der Ölbranche. Dazu zählen: die österreichische OMV, die niederländische Petroplus, die französische Total-Elf-Fina oder die italienische Agip. Sie alle spielen entweder gar keine oder lediglich eine kleine Rolle am deutschen Benzinmarkt.

Kleinere Kontingente könnten auch an deutsche Mittelständler gehen. Offen ist, bis wann die Stationen abgegeben werden müssen. Das Kartellamt hatte über den Zeitraum Stillschweigen vereinbart. Doch in der Branche wird gemutmaßt, dass bis Ende des Jahres Vollzug nach Bonn gemeldet werden muss.

Eon

-Chef Ulrich Hartmann dürfte das aktuelle Geschäft mit einem lachenden und einem weinenden Auge sehen. Denn Eon hat nicht nur an BP verkauft, das Upstream-Geschäft (Exploration und Förderung von Öl und Gas) ging an die in Kanada führende Petro-Canada. Mit 1,9 Mrd. Euro erhält Eon 500 Mill. Euro mehr, als im Sommer 2001 erwartet worden war. Die in der Ölförderung weltweit starke BP war an den Veba-Feldern nicht interessiert.

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