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02.01.2002

13:38 Uhr

Branche erwartet deutlichen Umsatzrückgang

Musikwirtschaft klagt über selbstgebrannte CDs

Reuters HAMBURG. Das private Brennen von Musik auf CDs ist nach Angaben der deutschen Musikindustrie weiter auf dem Vormarsch. "Im vergangenen Jahr wurden mindestens genauso viele CDs selbst gebrannt wie fertig bespielte über den Ladentisch verkauft", sagte Thorsten Hansen vom Bundesverband der Phonographischen Wirtschaft am Mittwoch in Hamburg.

Voraussichtlich sei die Zahl der von Verbrauchern 2001 selbst mit Musik bespielten CDs sogar höher als die der im Handel verkauften Musik-CDs. Vor allem wegen des privaten CD-Brennens erwarte die deutsche Musikbranche für das Gesamtjahr 2001 einen Umsatzrückgang von knapp über zehn Prozent.

Endgültige Umsatzzahlen für 2001 gibt es Hansen zufolge aber noch nicht, weil der für den Absatz besonders wichtige Monat Dezember noch nicht ausgewertet wurde. Die deutsche Musikindustrie hatte im ersten Halbjahr 2001 einen Umsatzrückgang von 12,6 % verzeichnet und bereits dafür das Brennen von Musik-CDs als Hauptursache genannt. Das Kopieren von Musikstücken für den privaten Gebrauch ist erlaubt. Im Gegensatz zu früheren Aufnahmen auf Kassetten sieht die Musikindustrie in den selbst gebrannten CDs aber qualitativ praktisch gleichwertige "Klone des Originals".

Einer vom Phono-Verband in Auftrag gegebenen Studie zufolge hatte sich schon von April 2000 bis März 2001 die Zahl der privat mit Musik bespielten CDs im Vergleich zum Vorjahr auf 133 Mill. Stück verdoppelt. Gleichzeitig seien noch 190 Mill. kommerziell produzierte CD-Alben verkauft worden. "Der Trend, Musik selbst auf CDs zu brennen, hat sich seitdem weiter fortgesetzt", sagte Verbandssprecher Hansen.

Die Musikindustrie führte im vergangenen Jahr kopiergeschützte CDs ein, von denen nach Schätzungen des Bundesverbandes Phono bereits mehrere Mill. am Markt sind. Medienberichten zufolge können diese Kopierschutzsysteme allerdings umgangen werden oder aber auch dazu führen, dass die CDs nicht auf allen Geräten abgespielt werden können. "Vor allem Autoradios und viele DVD-Spieler sind mit Computerlaufwerken ausgestattet, die die Discs nicht einmal annehmen", schreibt die Stiftung Warentest in der Januar-Ausgabe der Zeitschrift "test". Der Phono-Verband hatte bereits zuvor eingeräumt, einige kopiergeschützte CDs seien auf Computern nicht abspielbar.

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