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30.01.2003

16:45 Uhr

Branche stemmt sich gegen Kaufunlust

Automobilindustrie lebt von der Hand in den Mund

Die deutsche Automobilindustrie will sich mit aller Macht gegen die aktuelle Kaufunlust stemmen. 73 neue Modelle und verstärkte Exportanstrengungen sollen auch 2003 die inländische Pkw-Produktion wieder über die Fünf-Millionen-Schwelle hieven.

HB/dpa FRANKFURT. Diese Zuversicht äußerte der Verband der Automobilindustrie (VDA) am Donnerstag in Frankfurt. Von Bundeskanzler Gerhard Schröder erwartet VDA-Präsident Bernd Gottschalk ein rasches Signal, um die lähmende Diskussion über die Anhebung der Firmenwagensteuer "aus der Welt zu schaffen".

Mit einem stabilen Inlandsabsatz und anhaltend hohen Exporten könnte sich die deutsche Automobilindustrie auch im neuen Jahr wieder als "Fels in der Brandung" bewähren. Viele Unternehmen verhielten sich aber schon so, als ob die geplante "Strafsteuer" für Firmenwagen schon in Kraft sei. Dies habe die ohnehin abgeschwächte Nachfrage zum Jahreswechsel zusätzlich gedrückt. Hinzu kämen die steigenden Belastungen für die privaten Haushalte mit Steuern und Abgaben. Dies sei ein Spiel mit dem Feuer für Wachstum und Beschäftigung, betonte Gottschalk. Ein weiterer Unsicherheitsfaktor sei der drohende Irak- Krieg mit steigenden Ölpreisen.

Autokäufer profitieren

Für die Autokäufer ist das aktuell kühle Konsumklima derzeit von Vorteil. Mit einem Auftragsbestand von nur noch 325 000 Pkw im Dezember - dem niedrigsten Stand seit dem Rezessionsjahr 1993 - lebten die deutschen Hersteller praktisch "von der Hand in den Mund", klagte der VDA-Präsident. Mit Rabatten, niedrigeren Listenpreisen, "finanziellem Süßstoff" wie 1500 Liter Sprit oder einer Kfz-Versicherung für ein Jahr beim Neukauf buhlen die Anbieter um die wenigen Besucher in den Verkaufsräumen.

Trotz permanenter Steuerdebatte und Irak-Konflikt sind für den VDA die Fundamente der Automobilkonjunktur günstig. Im Inland bestehe ein beträchtlicher Nachholbedarf. Der Altersdurchschnitt des Pkw- Bestandes ist mit 7,2 Jahren deutlich höher als in den gesamten 90er Jahren. Deshalb hofft die Branche, dass der Inlandsmarkt 2003 wieder 3,25 Millionen Pkw erreicht.

Rettungsanker Export

Der entscheidende Rettungsanker dürfte angesichts der Durststrecke auf dem heimischen Markt auch 2003 wieder der Export werden. Nach dem bislang zweitbesten Ausfuhrergebnis mit 3,62 Millionen Autos (2002) sei ein Exportvolumen von 3,55 Millionen Pkw "aus heutiger Sicht" durchaus erreichbar. Von den 5,12 Millionen Pkw, die im vergangenen Jahr von den inländischen Fließbändern rollten, mussten bereits 71 Prozent im Ausland verkauft werden. Die Stärke des Euro stelle derzeit noch keine Gefahr dar, da die Branche über ihre internationale Standort- und Einkaufspolitik weniger anfällig sei, sagte Gottschalk.

Insgesamt konnte die Autoindustrie - einschließlich Nutzfahrzeug- und Teilehersteller - trotz der um 3,4 Prozent gesunkenen Produktion 2002 ihren Umsatz mit 202 Milliarden Euro halten. Besonders die Exporterfolge mit einem Anstieg auf 76 (2001: 70) Milliarden Euro sorgten für eine relativ stabile Beschäftigung. Die Zahl der Arbeitnehmer ging bis November mit 764 300 binnen Jahresfrist nur um rund 7000 Personen zurück. Den Exportüberschuss bezifferte Gottschalk auf 77 Milliarden Euro. "Bei solchen Zahlen sollte auch dem Letzten klar sein, dass man diese Industrie nicht weiter mit "Nadelstichen der Verteuerung" verunsichern sollte".

Weltweit lag der Anteil der deutschen Autokonzerne 2002 bei 22 Prozent. Dabei stieg die Pkw-Produktion an den ausländischen Standorten um 4 Prozent auf 4,1 Millionen Einheiten. Einschließlich der ausländischen Konzernmarken - wie Seat und Chrysler - wurde mit 12,7 Millionen Fahrzeugen das hohe Vorjahresergebnis wieder erreicht.

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