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16.01.2003

08:31 Uhr

Branchenbericht: Gold

Gold: Neue Erfolgsstory oder Strohfeuer?

VonKay Rathschlag (Wall Street Correspondents)

n der Börse gibt es eine alte Weisheit. Die Gewinner von gestern müssen nicht unbedingt die Gewinner von morgen sein. Oder noch drastischer ausgedrückt: Die Gewinner von gestern sind die Verlierer von Morgen.

NEW YORK. Das Börsenjahr 2002 ist überstanden und für die meisten Anleger fällt die Bilanz frustrierend aus. Der Dow Jones Index notierte am Jahresende um 18 % unter dem Eröffnungswert zu Beginn des Jahres. Der Wachstumsbörse Nasdaq erging es noch schlimmer. Der Index hat über das Jahr gesehen ganze 32 % verloren.

Aber es gab in 2002 auch Erfolgsgeschichten an den Finanzmärkten. Eine beeindruckende Performance legte der Goldpreis hin, der in zwölf Monaten um 70 $ oder etwa 25 % zugelegt hat. Der Kurs des gelben Metalls notiert derzeit bei knapp 350 $ pro Feinunze, so hoch wie seit März 1997 nicht mehr. Noch beeindruckender ist die Bilanz der Fonds, die in Gold und anderen Edelmetallen investieren. Um bis zu 56 % konnten diese Rohstofffonds in 2002 zulegen, das ist die beste Performance einer Investmentfonds-Kategorie im vergangenen Jahr.

Und trotz dieses beeindruckenden Anstiegs könnte sich die Rallye des Edelmetalls fortsetzen. Einige Analysten glauben sogar an einen Goldpreis von 380 bis 400 $. Eine unsichere geopolitische Lage oder sogar ein Krieg im Nahen Osten dürften Anleger weiterhin von der Investition in Aktien abbringen. Dazu kommt die anhaltende Dollarschwäche sowie ein Mangel an Anlagealternativen, und schon dürften Investoren in den sicheren Hafen Gold flüchten.

An der konjunkturellen Front zeichnet sich in den USA bisher keine wirklich nachhaltige Erholung ab. Auch ist es unwahrscheinlich, dass ein anderes Land in absehbarer Zeit eine Führungsrolle in der Weltwirtschaft übernimmt und als Wachstumsmotor glänzen kann. Die wirtschaftliche Erholung weltweit ist also wohl oder übel mit der Lage in den Vereinigten Staaten verknüpft, und da hat man mit dem kürzlich vorgestellten Wirtschaftsförderprogramm von Präsident George W. Bush einen Hoffnungsschimmer. 670 Mrd. $ Steuersenkungen über die nächsten 10 Jahre sollen die USA wieder auf den alten Wachstumspfad zurückbringen. Dies könnte den Goldpreis gefährden, schon auf die Ankündigung des Programms reagierte dieser mit einem leichten Minus.

Die positive Wirkung des Förderprogramms dürfte sich allerdings in Luft auflösen, sollte es zu einem Flächenbrand im Nahen Osten kommen. Jede weitere Verschärfung des Konflikts mit dem Irak oder Nordkorea, genauso wie ein weiterer Anschlag in Israel, lassen den Goldpreis auf neue Höhen steigen. Ein Krieg im Nahen Osten könnte die Amerikaner viel Geld kosten, die konjunkturelle Erholung verzögern, das Handelsbilanzdefizit weiter steigen lassen und damit amerikanische Unternehmen und deren Aktien unattraktiv machen. Neue Höhen beim Ölpreis könnten diese Lage noch verschärfen. Anleger würden so noch stärker als bisher in Gold flüchten. Die Nachfrage zieht den Preis nach oben.

Ein Fernbleiben ausländischer Investoren vom amerikanischen Markt dürfte sich auch negativ auf den Dollarkurs auswirken. Die amerikanische Währung befindet sich seit Monaten auf dem Sinkflug. Gegenüber dem Euro befindet sich der Greenback auf dem tiefsten Stand seit drei Jahren. Dass eine enge Beziehung zwischen Goldpreis und Dollar besteht, bestreitet von Seiten der Volkswirte und Währungsexperten niemand. In Fachkreisen wird von einer negativen Korrelation von Dollar und Gold gesprochen. Ein schwacher Dollar lässt den Goldpreis steigen. Steigt der Dollar, bekommen Investoren mehr Feinunzen für ihr Geld. Für Anleger in Europa verliert der Anstieg des Goldpreises aber durch die Umrechnung in Euro etwas an Glanz, der einen Teil der Gewinne aufzehrt.

Ob die US-Währung auch in den nächsten Monaten unter Druck bleiben wird, dürfte ebenfalls zum Großteil von der Situation im Nahen Osten abhängen. Genauso könnte aber auch das neue Wirtschaftsförderprogramm Präsident Bushs eine Rolle spielen. Eines steht allerdings fest. Der Dollar hat seinen Nimbus als sicheren Anlegerhafen in unsicheren Zeiten verloren. Das meint zumindest Stephen Briggs, Analyst bei SG Securities.

Aber selbst wenn der Dollarkurs die Wende nicht schaffen sollte, könnte der Goldpreis noch von einer anderen Seite Druck bekommen. Die Zentralbanken könnten aufgrund des hohen Preises verstärkt Goldbestände verkaufen. Bisher gestattet das sogenannte Washingtoner Abkommen den Zentralbanken nur, bis zu einer gewissen Höhe Goldreserven zu veräußern. 2005 läuft dieses Gold-Bestands-Abkommen der Zentralbanken aus.

Fallende Aktienkurse und niedrige Anleiherenditen, bescherten dem Gold in 2002 eine größere Aufmerksamkeit. Ob der Wunsch nach einem ausgewogeneren und krisensicheren Anlageportfolio Gold nach Jahren der Agonie in 2003 aber wieder endgültig und langfristig zurück ins Rampenlicht bringen wird, bleibt abzuwarten. Derzeit hält die breite Masse privater und institutioneller Anleger bei weitem noch nicht die oft genannten 5 % Goldbeimischung in ihren Depots. Es besteht also durchaus noch Potential nach oben für den Preis des gelben Metalls.

Frank Holmes, CEO von U.S. Global Investors und Manager zweier Goldfonds, rät Anlegern davon ab, kurzfristig auf Gold zu spekulieren. Die Entwicklung des Goldpreises hänge vonvielen Faktoren ab, die teilweise nicht kalkulierbar seien. Anleger sollten sich besser für 5 % ihres Kapitals Goldbarren oder Anteile an Edelmetallfonds in den Safe legen. Es würde völlig ausreichen, wenn der Anleger dieses Investment alle sechs Monate überprüfen würde. Grundsätzlich seien eine schwache Konjunktur, niedrige Zinssätze, Haushaltsdefizit und ein schwacher Dollar positiv für Goldinvestitionen.

Wer allerdings an eine weitere Rally des gelben Metalls glaubt, dann sollte er in Goldminen-Aktien investieren. Das meint zumindest Michael Durose, Goldanalyst bei Morgan Stanley. "Im Durchschnitt führt ein Anstieg des Goldpreises um 1 % zu einem Anstieg im Wert der Aktien von Minengesellschaften von 3 %", so Durose. "Dieser enorme Hebel kommt dadurch zustande, dass die Kosten der Minengesellschaften fixe Kosten sind, die Reserven bringen daher mehr Wert".

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