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09.01.2001

18:22 Uhr

abo PARIS. Erst mit dem Kauf des britischen Konkurrenten Freeserve Plc. hat sich der französische Internet-Zugangsanbieter Wanadoo S.A. endgültig als europäischer Anbieter etabliert. Alle weiteren Akquisitionen, mit denen Wanadoo-Vorstandschef Nicolas Dufourcq bisher an die Öffentlichkeit ging, betrafen entweder kleinere Unternehmen, oder führen weg vom eigentlichen Kerngeschäft des Internet-Zugangsgeschäft.

So fragen sich beispielsweise Analysten beim Interesse Dufourcqs an Yell, dem Branchenbuch-Dienst der British Telecom, nach der Ernsthaftigkeit der Internet-Ausrichtung des mehrheitlich zu France Télécom S.A. gehörenden Unternehmens. Doch hat der Telefonriese seiner Internetsparte die Abrundung ihres Geschäfts durch einträgliche Mehrwertdienste geradezu ins Stammbuch geschrieben. Vielleicht nicht zuletzt deshalb konnte sich Wanadoo im vergangenen Sommer nur mit einem Verlust und mit einer klaren Gewinnorientierung für die nächsten Jahre in den eigenen Börsengang begeben.

Im ersten Halbjahr 2000 hat Wanadoo sein Geschäft gut entwickelt: Die Erlöse kletterten auf 456,3 Mill. Euro. Im Gesamtjahr 1999 hatte Wanadoo 810 Mill. Euro umgesetzt. Mit 329 Mill. Euro machte dabei das Branchenbuch-Geschäft einen großen Teil der Umsätze aus. Der Abschluss für das Gesamtjahr liegt noch nicht vor. Doch schätzen die US-Analysten die Erlöse inklusive eines kleinen Freeserve-Beitrags auf 1,162 Mrd. Euro.

Mit einer Barposition, die Merrill Lynch nach dem Freeserve-Deal auf rund 1,8 Mrd. Euro bezifferte, errechneten die Analysten der US-Investmentbank im Dezember einen Substanzwert von mindestens 9,2 Euro je Aktie. Überdies ist Wanadoos Ausrichtung integraler Teil der Gesamtstrategie der Muttergesellschaft France Télécom.

Das grenzt aber auch Dufourcqs Bewegungsspielraum ein - wobei kritische Beobachter vom Tag seiner Präsentation für den Wanadoo-Top-Job an fragten, wie sehr ihm daran wohl liege. Als Absolvent der staatlich-französischen Spitzenbeamtenschmiede ENA, hat der Wanadoo-Chef nichts von der teils lockeren, teils quirligen Art manches Internet-Entrepreneurs. Vielmehr tritt Dufourcq auf wie ein Verwalter. Ob ihm damit zum Erfolg in seiner Branche etwas fehlt, wird die Zukunft zeigen.

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