Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

08.01.2002

19:00 Uhr

Branchenprimus Charles Schwab führt Rückzug der Branche an

Online-Broker in Asien in Bedrängnis

VonOliver Müller

Wegbrechende Börsenumsätze, sinkende Handelsmargen und der Verlust von Kunden bringen Online-Broker in Asien schwer in Bedrängnis. Internationale Konzerne ziehen sich zurück. Aus der massiven Konsolidierung, welche die Branche ergriffen hat, dürften lokal verankerte Traditionshäuser als Sieger hervorgehen.

hb HONGKONG. Der Branchenprimus Charles Schwab führt den Rückzug der Online-Branche in Asien an, der Online-Broker hat sein verlustreiches Geschäft in Japan, Australien und Hongkong geschlossen. Asiatischen Kunden bietet er nur noch einen Rumpfdienst an: Sie können weiter US-Aktien kaufen. "Wir stehen am Anfang einer massiven Konsolidierungswelle," sagt Kit Yau, Analystin bei IDC in Hongkong. Bis zu zwei Drittel der Online-Broker in der Region könnten zum Aufgeben gezwungen werden, prophezeit sie.

In Singapur ist die Branche bereits stark bereinigt. Viele etablierte Wertpapierhäuser haben ihre dortigen Online-Töchter geschlossen, verkauft oder kräftig gestutzt. Am schwersten haben es in Fernost Unternehmen, die wie Charles Schwab auf ein reines Internet-Konzept setzen. Selbst wenn sie damit anfangs erfolgreich waren, wie Boom.com. Weil der Börsen-Boom verpufft ist, entlässt Hongkongs erster Online- Broker fast die Hälfte seiner Beschäftigten. 2cube, ein Gemeinschaftsunternehmen unter Beteiligung von J P Morgan, gab ganz auf.

Der Ferne Osten wendet sich vom Modell des "reinen" Online-Brokers ab. Exemplarisch für den Trend ist der Strategie-Wechsel des Asien- Spezialisten HSBC. Nachdem die Bank bereits den Plan aufgegeben hatte, mit Merrill Lynch eine Internet-Handelsplattform in Japan zu starten, verzichtet sie nun darauf, im Rest Asiens ein auf lokale Kunden zugeschneidertes Online-Angebot anzubieten. Anleger sollen nur noch Zugang zur britischen Plattform erhalten, über die in London und New York gehandelt werden kann. Dabei räumen Branchenkenner wie Yau HSBC gar bessere Chancen als reinen Online-Brokern ein, sich in dem Markt aus eigener Kraft zu behaupten. Die Gründe: HSBC habe ihr etabliertes Bankgeschäft im Rücken und sei in Fernost mit einem dichten Filialnetz vertreten. Zudem finde in Märkten wie Hongkong das hauseigene Online-Angebot - welches lokalen Aktienhandel ermöglicht - guten Anklang. Dasselbe gelte für die Citibank, Hang Seng Bank und die Bank of China.

"Anleger wollen nicht nur eine Handelsplattform, sondern ein Filialnetz wo sie bei Bedarf persönlich bedient werden," sagt Eugene Law, Vize-Chairman des Hongkonger Wertpapierhauses Celestial Asia Securities Holdings (CASH). Auch IDC-Analystin Yau glaubt: "Filialen sind in Asien ein Vorteil; Kunden wollen die Wahl." CASH hat deshalb bereits Mitte 2001 seinen Internet-Ableger mit dem traditionellen Geschäft verschmolzen - nur acht Monate nach der Abtrennung. Mit dem gleichen Rezept will auch Sun Hung Kai Online überleben: Der Internet-Broker soll in den Schoß der Mutter SHK Financial Group zurück integriert werden.

Um den Online-Erfolg großer lokaler Broker wie CASH, SHK Financial oder Tai Fook ist Yau nicht bang. Denn von Seoul bis Singapur dominieren Wertpapierhäuser mit traditionell starker Position im Privatanlegergeschäft den Handel im Internet: in Südkorea Samsung Securities, LG Securities und Daishin Securities, in Taiwan Polaris und Core Pacific und in Australien Comsec, die Online-Tochter der Commonwealth Bank.

Das hat TD Waterhouse offenbar zu denken gegeben. Der zweitgrößter US-Online-Broker hat sich für seine Asien-Expansion mit der DBS Bank zusammengetan, Singapurs führendem Kreditinstitut. DBS verfügt auch in anderen wichtigen Märkten wie Hongkong über eine starke Stellung und Filialen. "Zusammen mit DBS könnte es TD Waterhouse gar gelingen, den ersten pan-asiatischen Online-Broker aufzubauen," meint Yau.

Interessant ist der Markt: Asiaten lieben die Wertpapier-Spekulation, an den Börsen in Fernost spielen Kleinanleger eine sehr viel größere Rolle als in Europa. Und sie sind begeistert vom Internet: In Südkorea werden darüber inzwischen 60 % des Börsenhandelsvolumens abgewickelt. In Hongkong, Singapur und Taiwan sind es etwas unter 10 %; in China 5%. Doch solange sie einem reinen Online-Konzept treu bleiben und keine Partner suchen, haben internationale Konzerne wie E-trade in Fernost nur einen echten Wettbewerbsvorteil, warnen Branchenkenner: den Handel an Überseebörsen wie der Wall Street, den sie anbieten.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×