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04.07.2000

18:57 Uhr

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Branchenverband rechnet mit weiteren Bankenfusionen

Die Fusionswelle im deutschen Bankensektor ist nach Einschätzung des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB) noch längst nicht abgeebbt. Trotz eines deutlichen Filialrückgangs seit Beginn der 90-er Jahre sei der deutsche Markt im internationalen Vergleich nach wie vor überversorgt, heißt es im am Dienstag in Berlin vorgelegten BdB-Jahresbericht .

afp BERLIN. "Ohne Zweifel wird die Zukunft deshalb auch weitere Fusionen und Übernahmen mit sich bringen." Von diesen mit dem Wettbewerb einhergehenden Fusionen und Übernahmen würden wie beim Telefonbereich die Kunden profitieren.
Mit der Einführung digitaler Unterschriften auf ec- und Bankkarten ab Herbst kommenden Jahres wollen die Privatbanken verstärkt auch bei der Geschäftsabwicklung über das Internet mitmischen.

BdB-Hauptgeschäftsführer Manfred Weber bekräftigte bei der Vorlage des Jahresberichtes die Kritik seines Verbandes an den öffentlich-rechtlichen Banken in Deutschland. Vor allem die Landesbanken hätten staatliche Garantien genutzt, um ihr Geschäft europa- und weltweit deutlich auszubauen, bemängelte Weber. "Dies kann nicht mit dem öffentlich-rechtlichen Auftrag gerechtfertigt werden und ist eine massive Wettbewerbsverzerrung zu Lasten der privaten Konkurrenten." Er hoffe, dass in den anstehenden EU-Rechtsstreitigkeiten um die milliardenschweren Staatshilfen für die Westdeutsche Landesbank im Sinne der Europäischen Kommission und damit auch im Sinne der Privatbanken gegen WestLB, Land NRW und Bund entschieden werde, betonte der BdB-Hauptgeschäftsführer.

Beim Staatsanteil an der Kreditwirtschaft ist Deutschland spitze

Der Bankenverband bezeichnet in seinem Bericht den Anteil von Sparkassen, Landesbanken und öffentlichen Kreditinstituten mit Sonderaufgaben von zusammen rund 40 Prozent im deutschen Bankwesen als "problematisch". In keinem anderen hoch entwickelten Industriestaat der Welt gebe es einen vergleichbar hohen Staatssanteil in der Kreditwirtschaft.
Für den Wettbewerb bestehe das Problem vor allem darin, dass die öffentlich-rechtlichen Banken nicht auf einen möglichst hohen Gewinn, sondern auf einen möglichst hohen Umsatz abzielten. "Damit werden die Marktkräfte außer Kraft gesetzt", bemängelt der Verband.

Der BdB setzt demnach darauf, nach dem West-LB-Fall mit einer neuen Beihilfebeschwerde gegen Staatsgarantien bei der EU-Kommission Recht zu bekommen. Dies werde "den Weg freimachen für die seit Langem notwendigen Strukturanpassungen ds deutschen Bankenmarktes". Die elektronischen Unterschriften auf ec-Karten sollten ab Herbst 2001 nicht nur für Bankdienstleistungen eingeetzt werden, sagte Weber: Über sie sollten Verbraucher auch Steuererklärungen per Internet abgeben können, Versicherungsverträge online abschließen oder Autos vom heimischen Rechner aus anmelden. Nicht zuletzt sollen die digitalen Signaturen Angaben von BdB-Experten zufolge auch sicheren Zahlungsverkehr bei Bankgeschäften im Standard HBCI 3. 0 ermöglichen.

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