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18.06.2000

18:09 Uhr

sen/and BRÜSSEL/LONDON.Vor dem geplanten Börsengang des belgischen Brauereikonzerns Interbrew sind noch zahlreiche wettbewerbsrechtliche und finanztechnische Fragen ungeklärt. So bereitet die niederländische Bank ABN Amro die Beschaffung und Vergabe eines Kredits in Höhe von 4,3 Mrd. " an Interbrew vor. Offen ist bislang allerdings, wann die potenziellen Kreditgeber ihre Zusagen geben werden.

Mit der Summe soll die in der vorigen Woche beschlossene Übernahme der Biersparte des britischen Brau- und Hotelriesen Bass Plc und der zuvor vereinbarte Kauf der Braugruppe von Whitbread sowie weitere Belastungen überbrückt werden. Interbrew will den Kredit später mit Hilfe des angekündigten Börsengangs begleichen.

Ob die drei Eigentümerfamilien des Brauriesen mehr als 10 % oder 15 % des Kapitals am Markt platzieren werden, wie Londoner Analysten spekulierten, ließ Interbrew-Sprecher Corneel Maes gegenüber dem Handelsblatt offen. Die Listung werde aber sicherlich beim Börsenverbund Euronext erfolgen. Auf eine Kapitalisierung in Höhe von 7,5 Mrd. " spekulieren die Eigentümer.

Den voraussichtlich bislang größten Börsengang der Geschichte des Landes wird die belgisch-niederländische Allfinanzgruppe Fortis gemeinsam mit Merrill Lynch als globalem Koordinator betreuen. Marktbeobachter in London gehen davon aus, dass der Zukauf von Interbrew in Großbritannien die Wettbewerbsbehörden beschäftigen wird. Für Kevin Baker, Direktor des Londoner Marktforschungsinstituts Canadean Ltd. steht zudem fest, dass der belgische Konzern Marktanteile in Großbritannien abgeben muss. "Interbrew kommt mit Bass und Whitbread auf mehr als 30 % Marktanteil in Großbritannien", sagte Baker dem Handelsblatt. Branchenführer Scottish & Newcastle bestimmt momentan mit 29 % den britischen Biermarkt.

Wettbewerbsauflagen könnten den Interbrew-Börsengang voraussichtlich auf das kommende Jahr verzögern, sagte Vorstandschef Hugo Powell. Negativen Einfluss könnten zusätzlich Ergebnisse aus einer laufenden Prüfung der EU-Kommission über Preisabsprachen im europäischen Braugeschäft ausüben. Die Familien De Spoelberch als größte Anteilseigner mit geschätzten 1,2 Mrd. DM, Vandamme als zweitgrößte Gruppe mit Anteilen von geschätzt 650 Mill. DM, sowie als Dritte die Familie De Mevius mit taxierten 530 Mill. DM Anteilsbesitz fanden jahrelang keine Einigung über einen Gang an die Börse. Doch mit der Übernahme des Brauriesen Bass Brewers für 2,3 Mrd. £ sind nun die Weichen gestellt

.

Der Zeitpunkt ist günstig: Die weltweiten Brauerei-Zukäufe versprechen Wachstum, abgesehen von Käufen in China. Mit dem Joint Venture von SUN und Interbrew in Russland wurde die Gruppe eigenen Angaben zufolge dort zweitgrößter Bieranbieter, bei einem Marktwachstum von 26 %. Nummer eins seien die Belgier bereits in der Ukraine mit 32 % Anteilen, auch in Bulgarien mit 42 % Marktanteil durch die Übernahme der Pleven-Brauerei. Günstig sei die Lage auch in Südkorea: Die Gruppe hatte 1998 die Oriental Breweries und anschließend für 650 Mill. DM die Großbrauerei Cass erworben, mit der die Hälfte des gesamten südkoreanischen Marktes an Interbrew ging.

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