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29.01.2007

14:20 Uhr

Breitseite gegen Kollegen

Manager kritisieren Gehalts-Exzesse

VonDieter Fockenberg

Was darf ein Top-Manager verdienen? Ungewohnt kritische Töne schlugen in Davos Manager gegenüber Berufskollegen an: Viele Gehälter seien zu hoch und ungerechtfertigt. Die Schuld dafür soll aber doch an anderer Stelle liegen.

DAVOS. Robert S. Miller ist aus der Schusslinie. Der Executive Chairman des angeschlagenen amerikanischen Autozulieferers Delphi arbeitet als One-Dollar-Man. "Kein Festgehalt, keine Erfolgsbeteiligung, keine Aktienoptionen", versichert der Manager den skeptischen Kollegen in Davos. Die hatten sich gerade über Managergehälter hergemacht und wenig Gutes an jenen Top-Verdienern gelassen, die natürlich nicht im Raum waren. Gehalts-Exzesse wie kürzlich beim Abgang des Home-Depot-Chefs, so die einhellige Meinung, schaden der gesamten Berufsgilde. Robert Nardelli, dem Chef der US-Heimwerkerkette, war der Abschied mit 210 Mill. Dollar versüßt worden.

Damit sind sich die Vorstände großer Konzerne wie kleiner Firmen sogar einig mit den Kritikern aus vielen Gruppen der Gesellschaft. Die saßen schon zuvor beim "Open Forum" in Davos zusammen, das seit fünf Jahren die Themen des Gipfeltreffens in eine breitere Öffentlichkeit tragen soll. Kritiker und Kritisierte fanden zwar keine Antwort auf die immer wieder gestellten, aber schier unlösbaren Fragen: Welche Bezahlung ist gerecht, und was "darf" ein Spitzenmanager überhaupt verdienen? Aber in einem Punkt waren sich beide Gruppen einig: Die Verantwortung für Exzesse bei der Entlohnung von Wirtschaftsführern tragen die Eigentümer der Unternehmen.

Und damit steht es diesseits wie jenseits des Atlantiks nicht zum Besten. "Wie kann man sich über schlecht ausgehandelte Abfindungsregeln beklagen, wenn man selbst vor drei oder fünf Jahren eben diesen Vertrag abgesegnet hat?" provoziert ein Amerikaner vor allem die großen Fonds. Auch Thomas Minder, Eigentümer und Chef einer mittelständischen Schweizer Kosmetikfirma, sieht in den Entscheidungsstrukturen das entscheidende Problem.

Der streitbare Unternehmer hat deshalb eine Volksinitiative gestartet, um per Gesetz die Aktionäre als letzte Instanz für Managertantiemen festzuschreiben. Ob Exzesse damit gestoppt werden könnten, bleibt aber fraglich. Denn auch den professionellen Fonds werfen Manager Kontrollversagen vor.

Kontrovers wurde in Davos vor allem die Frage diskutiert, ob es überhaupt einen funktionierenden Markt für Top-Manager gibt, um deren hohe Bezüge rechtfertigen zu können. Während viele Vorstandschefs und Berater gern auf den weltweiten Wettbewerb um Spitzentalente verweisen, hegen andere heftige Zweifel. In der Realität gibt es tatsächlich nur wenige Beispiele dafür, dass Vorstandsvorsitzende von Konkurrenzunternehmen abgeworben werden.

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