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06.01.2003

13:54 Uhr

Bremen startet ohne Ailton

Tragödie um Kuffour-Tochter

Der SV Werder Bremen hat sich am Montag als letzter der 18 Clubs der Fußball-Bundesliga aus der Winterpause zurückgemeldet. Beim Start ins neue Jahr fehlte traditionsgemäß der brasilianische Torjäger Ailton. "Wir kennen dies ja schon. Erst ärgert er uns, dann wir ihn", sagte Werder-Trainer Thomas Schaaf. Beim FC Bayern präsentierte sich derweild as gesamte Team im Schockzustand.

HB/dpa DÜSSELDORF. Denn überschattet wurde der Übungsauftakt der letzten fünf Erstligisten durch den Tod der Tochter von Bayern Münchens Profi Samuel Kuffour. "Diese sehr traurige Nachricht ist ein schlechter Beginn des Jahres 2003 für uns", sagte Bayern-Manager Uli Hoeneß über die Tragödie um die 15 Monate alte Godiva Kuffour, die in Ghana beim Baden ertrunken war. "Die Mannschaft ist geschockt", berichtete Coach Ottmar Hitzfeld vor dem Abflug am Sonntag ins Trainingslager.

Die schreckliche Nachricht hatte den 26-Jährigen am Freitag nur wenige Stunden nach der Rückkehr aus dem Weihnachtsurlaub in seiner afrikanischen Heimat erreicht. Das Mädchen war in Ghanas Hauptstadt Accra in einem Swimmingpool ertrunken.

"Sammy war total schockiert", berichtete Uli Hoeneß, Gemeinsam mit seiner Sekretärin, die seit über zehn Jahren für Kuffour so etwas wie eine Ersatzmutter in Deutschland verkörpert, war der Bayern-Manager Kuffour nach der traurigen Nachricht zur Hilfe geeilt. In Windeseile wurde ein Privatflugzeug gechartert, das den Nationalspieler aus Ghana noch in der Nacht zum Samstag nach Accra flog. Kuffour hat noch zwei weitere Kinder, die achtährige Gloria und Tracy (2).

Erschüttert reagierten auch Kuffours Mitspieler, die sich seit Sonntag im Trainingslager in Marbella auf die zweite Saisonhälfte vorbereiten. "Es wird schwierig sein, die richtigen Worte zu finden, wenn Sammy wieder bei uns sein wird. Aber wir müssen ihm zeigen, dass wir für ihn da sind", sagte der 21-jährige Roque Santa Cruz. "Wenn man Vater ist, weiß man, wie hart so etwas ist", meinte Giovane Elber, der zwei Kinder hat: "Ich weiß nicht, wie Sammy das aus dem Kopf kriegen kann." Wann Kuffour wieder zur Mannschaft stoßen wird, ist offen. "Er hat solange frei, bis er wieder in der Lage ist zu trainieren", entschied Hoeneß.

Unterdessen standen beim deutschen Meister Borussia Dortmund und beim 1. FC Kaiserslautern auch zwei Brasilianer sowie beim Hamburger SV ein Japaner im Blickpunkt. In Dortmund kam BVB-Trainer Matthias Sammer trotz frostiger Temperaturen im Fall Marcio Amoroso schnell in Rage. "Ich werde nicht mehr herumeiern und keine Kompromisse eingehen", kündigte er eine harte Gangart mit seinem umstrittenen Torjäger an. Dieser weilte mit Genehmigung des Vereins noch in seiner Heimat, wo seine Frau Raquele das zweite Kind erwartet.

Der Zorn Sammers richtete sich aber nicht direkt gegen Amoroso ("Mit Marcio komme ich gut zurecht"), sondern gegen dessen Leibarzt und Vertrauten Dr. Nivaldo Baldo, der sein Training kritisiert hatte. "Was dieser Mensch erzählt, geht mir auf den Keks. Es gibt bei keine Rücksicht mehr. Marcio muss voll durchziehen", erklärte Sammer.

Für Sammer gab es aber auch Positives zum Start. Nationalspieler Christoph Metzelder war nach einer Daumenoperation beim ersten Training dabei. Ebenso meldete sich Stürmer Jan Derek Sörensen zurück. Der Norweger wurde in der Winterpause an der Leiste operiert und wird wie Otto Addo mit ins Trainingslager ins spanische Jerez (10.1.) fliegen. Nach seiner zweiten Kreuzbandoperation kann er wieder leichte Laufarbeit verrichten. Nicht äußern wollte sich Sammer darüber, ob die mit sechs Punkten enteilten Bayern noch abgefangen werden können. "Wir schauen nur auf uns", meinte er lapidar.

Beim Tabellenführer sind die Vorgaben mit dem Gewinn von Meisterschaft und DFB-Pokal dagegen klar definiert. "Das Double ist unser großes Ziel", betonte Hitzfeld. Ein weiteres Jahr ohne Titel könne sich der FC Bayern nicht leisten. Zu seiner Genugtuung waren alle Südamerikaner zum Aufgalopp zurückgekehrt. Dabei sorgte Giovane Elber für klare Verhältnisse. "Bei Bayern ist 2004 Schluss", kündigte der Torjäger an. Noch nicht bei den ersten Übungen dabei war Nationalspieler Sebastian Deisler. "Wir dürfen die Erwartungen nicht zu hoch schrauben", begründete Hitzfeld das Fernbleiben seines Langzeitverletzten. Deisler flog aber mit nach Spanien.

Auch beim 1. FC Kaiserslautern sorgte beim ersten Appell ein Brasilianer für Ärger: Lincoln fehlte unentschuldigt und war auch am Montag nicht auffindbar. "Ich hoffe, dass er einen guten Grund hat. Wenn nicht, kostet es ihn sehr viel Geld", sagte Coach Erik Gerets.

Wirbel wie lange nicht mehr beim Hamburger SV verursachte an seinem ersten Arbeitstag der Japaner Naohiro Takahara. Der 23 Jahre alte Stürmer wurde von mehr als 30 japanischen Journalisten begleitet. "Der ganze Rummel um meine Person ist mir gar nicht recht", sagte Takahara. Der "Sushi-Bomber" soll helfen, das von Trainer Kurt Jara erstmals formulierte Ziel eines Uefa-Cup-Platzes zu erreichen. "Jetzt sind wir Siebter. Ganz klar, wir wollen den fünften Tabellenplatz erreichen", verkündete der Österreicher.

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