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05.02.2002

11:48 Uhr

Bridge-Spieler wollen olympische Winterspiele erobern

Kartenspiele auf Schnee und Eis

VonErich Ahlers (Handelsblatt)

Irgendwie wollen alle, die nicht dabei sind, irgendwann dabei sein. Sportarten, die nicht olympisch sind, sind in ihrem Erfindungsreichtum kaum zu bremsen, warum gerade sie in den elitären Zirkel des Ringespektakels aufgenommen werden sollen. Tanzen, Bowling, Schach, sogar Rettungsschwimmen und Tauziehen sowie viele andere versuchen es. Und weil das Programm der Sommerspiele eh schon zum Bersten gefüllt ist, klopfen auch definitiv nicht winterliche Sportarten bei den Winterspielen an die Tür und bitten um Einlass.

Handelsblatt-Redakteur Erich Ahlers berichtet von den Olympischen Winterspielen Handelsblatt

Handelsblatt-Redakteur Erich Ahlers berichtet von den Olympischen Winterspielen

Nicht zuletzt die Bridge-Spieler glauben an ihre Chance und spielen im Hilton Salt Lake City Center ihren Demonstrationswettbewerb, der aber nicht mehr so heißt, weil das Internationale Olympische Komitee diese Vorstufe zum olympischen Glück gestrichen hat. Immerhin aber erkennt das IOC Bridge seit 1995 als Sport an. Dass zum Beispiel der Altersschnitt des wichtigsten Bridge-Verbandes der USA bei 66 Jahren liegt und damit nur bedingt zum Treffen der Sportjugend der Welt passt, irritiert die Kartenspiel-Fans kaum. Für sie stellt sich allein die Frage: Wie Bestandteil der Winterspiele werden?

Irgendwie dumm, dass es dort die Regel gibt, wonach jede olympische Wintersportart auf Schnee oder Eis stattfinden muss. Für Jose Damiani, Chef des Bridge-Weltverbandes, kein wirkliches Hindernis. "Es wäre ja nicht das Ende der Welt, wenn eine Regel geändert werden müsste", wird der Kartenspiel-Chef im Wall Street Journal zitiert.

Er und viele andere Bridge-Fans hoffen nicht zuletzt auf den Einfluss von Marc Hodler. Der 83-jährige Schweizer ist seit ewigen Zeiten IOC-Mitglied und fast so lange Präsident des Bridge-Verbandes des Alpenlandes. Der greise Mann, der einst den Bestechungsskandal um die Vergabe der Spiele in Salt Lake City in die Öffentlichkeit brachte, scheint schon eine Hintertür im Hinterkopf zu haben: "Man könnte eine Klausel aufnehmen für jene Sportarten, für die keine neuen Sportstätten notwendig sind. Diese sollten nicht auf Schnee oder Eis stattfinden müssen."

Hoffnung keimt auf, und insbesondere die amerikanischen Freunde des Denksports stellen sich in Salt Lake City clever an. Ihr Team wurde nicht nach Leistungsstärke nominiert, sondern schlicht nach dem Kriterium, ob sich die Protagonisten in Interviews als gute Verkäufer ihres Anliegens darstellen können oder nicht. Ein Autor eines Bridge-Buches spielt mit, ein Hedge-Fund-Manager, ein Broker.

Ach ja. Dann ist da noch der Ehrenkapitän des Teams. Der heißt Warren Buffet, gilt als Amerikas Geldanlage-Guru und spielt angeblich bis zu zwölf Stunden wöchentlich Bridge im Internet. Er reist zwar nicht an den Salzsee, um seine Farben zu unterstützen. Doch immerhin wird er mit Worten zitiert, die etwaige Zweifel an der Tauglichkeit des Kartenspiels für die Winterspiele geflissentlich ausräumen sollen: "Ich habe schon viele Bridge-Spiele erlebt, die in einer eisigen Atmosphäre stattgefunden haben."

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