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07.06.2000

18:00 Uhr

dpa LONDON/AMSTERDAM. Die auf Sanierungskurs fliegende British Airways (BA) will die niederländische KLM kaufen und so den europäischen Marktführer Deutsche Lufthansa überflügeln. Die beiden Luftfahrtgesellschaften kündigten am Mittwoch den Beginn von Fusionsgesprächen an. Da alles noch im Anfangsstadium sei, gebe es keine Garantie für einen Erfolg. Nach britischen Presseberichten fordert KLM einen Kaufpreis von über einer Milliarde Pfund (3,2 Mrd. DM), was etwa 20 Prozent über dem derzeitigen Börsenwert liegen würde.

Durch den Zusammenschluss entstünde die größte Fluggesellschaft Europas und die drittgrößte der Welt. Zusammen hätten BA und KLM einen Wert von über fünf Mrd. Pfund (16 Mrd. DM), 90 000 Beschäftigte und fast 600 Flugzeuge. Die Verhandlungen zwischen BA und KLM sollen mindestens einen Monat dauern. An der Londoner Börse sank die BA-Aktie am Mittwoch um neun auf 376 Pence. KLM profitierte dagegen wie in den Vortagen von den Fusionsgerüchten. Die Aktie stieg zwischenzeitlich um 7,4 Prozent auf 29,8 Euro. Die niederländischen Gewerkschaften reagierten überwiegend positiv auf die Fusionspläne.

1992 hatten BA und KLM schon einmal über eine Fusion verhandelt. Damals waren die Gespräche gescheitert, weil die deutlich kleinere KLM kein Juniorpartner sein wollten. Auch alle anderen Versuche der Niederländer, ein Bündnis einzugehen, scheiterten, zuletzt im April die Allianz mit der italienischen Alitalia.

BA geht es nach britischen Presseberichten vor allem darum, über KLM verstärkten Zugang zum schnell wachsenden Flughafen Amsterdam- Schiphol zu bekommen. Im Gegensatz zu London-Heathrow hat Schiphol große Bedeutung als Transfer-Flughafen. Außerdem erhoffe sich der neue BA-Chef Rod Eddington Einsparungen durch die Zusammenlegung von Verwaltung, Marketing und technischem Bereich. Auch die beiden Billig-Gesellschaften - Go von BA und Buzz von KLM - müssten zusammengehen.

Sollten BA und KLM fusionieren, wäre dies ein Fall für die EU- Wettbewerbshüter, sagte eine Sprecherin von EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti in Brüssel. Von informellen Vorkontakten zwischen den Unternehmen und der Wettbewerbsbehörde war zunächst nicht bekannt.

Der Chef der britischen Fluggesellschaft Virgin Airlines, Sir Richard Branson, warf BA vor, ein Monopol anzustreben. "KLM ist zurzeit der europäische Hauptkonkurrent von BA." Dazu komme noch, dass auch die US-Partner der beiden Gesellschaften, American Airlines (AA) und Northwest Airlines, über eine Fusion verhandelten. "Zusammen würden BA, AA, Northwest und KLM den Wettbewerb auf Nordatlantikrouten, auf London-Heathrow und im innerbritischen Flugverkehr zerstören", sagte Branson.

Die Deutsche Lufthansa AG reagierte gelassen auf die Fusionspläne. Das internationale Luftverkehrsbündnis Star Alliance, dem die Lufthansa angehört, schaffe ein flächendeckendes Angebot in Europa. Damit sei Lufthansa optimal auf den sich verschärfenden Wettbewerb in der EU vorbereitet, sagte ein Sprecher in Frankfurt. Es gebe derzeit offenbar unterschiedliche Philosophien, wie der europäische Markt erschlossen werden soll: Über Fusionen oder Bündnisse.

Die Ergebnisse von BA und KLM haben sich im vergangenen Geschäftsjahr erheblich verschlechtert. BA rutschte erstmals seit seiner Privatisierung 1987 in die roten Zahlen ab und verzeichnete einen Nettoverlust von 244 Mill. Pfund (805 Mill. DM). Im selben Zeitraum halbierte sich der Betriebsgewinn von KLM auf 425 Mill. Gulden (374 Mill. DM/190,7 Mill. Euro). Chris Tarry, ein Luftfahrt- Analyst der Commerzbank, warnte: "Eine Fusion mit KLM würde BA erheblich vergrößern, aber Größe bedeutet nicht unbedingt höhere Gewinne."

British Airways sei der "logische Partner" für KLM, sagte die Vereinigung für niederländisches Kabinenpersonal der niederländischen Nachrichtenagentur ANP. Markenname und Identität von KLM müssten jedoch erhalten bleiben. Mit einem Börsenwert von rund 2,5 Mrd. DM ist KLM wesentlich kleiner als British Airways mit mehr als 13 Mrd. DM.

Unterdessen berichtete die amerikanische Wirtschaftszeitung "Wall Street Journal", dass auch die AMR Corp, die Muttergesellschaft der zweitgrößten Fluggesellschaft American Airlines, mit der Nummer drei Delta Air über eine Fusion gesprochen habe. Die Gespräche seien durch die geplante Übernahme der US Airways Group durch die Muttergesellschaft der größten Fluggesellschaft United Airlines, UAL, ausgelöst worden.

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