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26.01.2001

18:28 Uhr

Broadvision über 18 % im Minus

Nemax verliert weiter

Der Nemax hat sich zum Wochenschluss im Sog von Kursabschlägen des Marktschwergewichts Broadvision im Minus präsentiert.

rtr FRANKFURT. Die deutschen Wachstumstitel haben sich zum Wochenschluss Händlern zufolge im Sog von Kursabschlägen des Marktschwergewichts Broadvision im Minus präsentiert. Nach einem schwachen Handelsstart konnten die Indizes am Neuen Markt ihre Verluste allerdings bis zum späten Nachmittag zum Teil wieder abbauen. Der Nemax-All-Share-Index lag bis gegen 17.00 Uhr MEZ 3,3 % im Minus bei 2 759 Punkten, während der Blue-Chip-Index Nemax-50 knapp 4 % auf 2737 Zähler einbüßte. "Nach den Broadvision-Geschäftszahlen war der Markt heute Morgen furchtbar erschrocken", sagte ein Händler. Nach Bekanntgabe eines Gewinnrückgangs im Schlussquartal 2000 rutschte die Aktie gleich nach Handelsbeginn um mehr als 25 % und zog damit den Nemax-50 um knapp sieben Prozent in die Tiefe.

Broadvision hatte am Donnerstag nach Börsenschluss mitgeteilt, im vierten Quartal einen Pro-forma-Gewinn von 4,5 Mill. $ nach 8,1 Mill. $ im Vorjahreszeitraum verbucht zu haben. Die Broadvision -Aktie verlor bis zum Nachmittag rund 18 % auf 13,80 Euro. Anfang Januar hatte das Papier bei 8,69 Euro ein Zwölf-Monats-Tief erreicht. Im März vergangenen Jahres markierte die Aktie ihren bisherigen Höchststand bei 100,23 Euro.

Die US-Börsen lieferten ebenfalls negative Vorgaben. Der Dow-Jones-Index notierte 0,9 % leichter bei 10 631 Punkten, der technologielastige Nasdaq-Composite-Index gab 1,6 % auf 2710 Zähler ab. Nach den Worten von Alexander Koch, Aktienhändler bei der KBC Bank Deutschland, hat der US-Technologieindex seinen Höhenflug beendet und befindet sich in einer technischen Korrektur nach unten.

Von der Talfahrt der Broadvision-Aktie sei auch das Marktschwergewicht Intershop in Mitleidenschaft gezogen worden, sagten Händler. Die Aktie verlor knapp 6 %.

Ebenfalls im Abwind lagen T-Online mit einem Rückgang von 6 % auf 14,20 Euro. Händler führten die Kursbewegung auf eine Herunterstufung durch die Investmentbank Merrill Lynch zurück. Die Bank hatte die T-Online-Aktie als überbewertet bezeichnet.

Neben Geschäftszahlen von Broadvision hätten eine Reihe von Gewinnwarnungen die Stimmung am Neuen Markt getrübt, sagten Händler. Das US-Internet-Unternehmen ExciteAtHome hatte am Donnerstag nach Börsenschluss in den USA eine Gewinnwarnung für das erste Quartal veröffentlicht. Der US-Chiphersteller PMC-Sierra hatte ebenfalls eine Gewinnwarnung ausgegeben. Am Freitagmorgen hatte der schwedische Telekomausrüster LM Ericsson mitgeteilt, im Schlussquartal 2000 einen deutlichen Gewinnrückgang vor Steuern verzeichnet zu haben. Zugleich kündigte der schwedische Konzern die Auslagerung seiner Handyproduktion und die Streichung von mehreren tausend Arbeitsplätzen an.

US-Notenbankchef Alan Greenspan hatte zuvor Unterstützung für die Steuersenkungspläne des amerikanischen Präsidenten Georg W. Bush signalisiert, was Händlern zufolge vor allem einigen Standardwerten Auftrieb gab. Der Technologiesektor sei indessen durch die Warnung des weltweit größten Faserkabel- Netzwerkherstellers Corning vor einer Abschwächung des Telekommunikationsmarktes belastet worden. "Zum Ende der kommenden Woche dürfte die Stimmung am Neuen Markt besser werden", sagte ein Händler. "Man hat in der letzten Zeit gesehen, dass der Markt nicht mehr nachhaltig auf schlechte Unternehmensnachrichten reagiert, sondern sich schnell wieder fängt." Er fügte allerdings hinzu, dass bei beiden Indizes des Neuen Marktes ein Widerstand bei 2 800 Punkten gegeben sei. Man könne nicht erwarten, dass der Markt von einigen wenigen überkauften Aktien getragen werde, sondern müsse abwarten, bis Investoren auch andere Werte kauften.



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