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19.01.2004

10:31 Uhr

Brustschwimmer bilden so etwas wie eine Seilschaft der Außenseiter

Wieso Brustschwimmer die Linksaußen ihres Sports sind

VonFrank Bachner (Handelsblatt)

Brustschwimmer gelten als Chaoten - obwohl ihre Disziplin die komplizierteste von allen ist.

BERLIN. Mark Warnecke wollte unbedingt dieses Sondertraning. Er fühle sich sonst nicht gut, sagte er. Es war kurz vor Weihnachten, eigentlich war an jenem Tag trainingsfrei. Also verzichtete sein Trainer Horst Melzer auf eine Familienfeier, stattdessen wartete er in der Schwimmhalle von Essen auf den Weltklasse-Brustschwimmer. Irgendwann wählte er Warneckes Handynummer und hörte Motorendröhnen. Der leidenschaftliche Autorennfahrer Warnecke röhrte gerade in seinem hochtourigen Sportwagen über den Nürburgring. "Sorry, ich habe vergessen abzusagen", brüllte er Melzer zu.

Jetzt sitzt Melzer während des Kurzbahn-Weltcups auf einer Tribüne der Schwimmhalle an der Landsberger Allee in Berlin. "Warnecke in der Kombination mit Brustschwimmen, das ist der Höhepunkt eines Trainers", verkündet er sarkastisch. Zehn Jahre arbeitet er mit Warnecke, zehn Jahre lang nervt ihn dessen Unzuverlässigkeit.

Dabei ist der Olympia-Dritte von 1996 nur ein typischer Brustschwimmer. Die gelten als sympathisch chaotisch, als die Linksaußen des Schwimmens. "Es gibt diesen Spruch der Freistilschwimmer: Denen verzeihen wir alles, es sind halt Brustschwimmer", sagt Melzer. Am Samstag fiel in Berlin einer aus der Spezies Brustschwimmer besonders auf: Ed Moses aus den USA. Allerdings nicht durch Verrücktheiten, sondern durch den Weltrekord über 200 m (2:02,92 Minuten).

Extreme Typen seien die Brustschwimmer, sagt der deutsche Chef-Bundestrainer Ralf Beckmann. Ken Hartel aus Essen veranstaltete professionell Techno-Partys, während er zugleich um Medaillen kämpfte. Olivier Vincencetti, auch von Melzer trainiert, redet nach einem verpatzten Wettkampf zehn Tage nicht mehr. Das steht jetzt wieder an. Vincencetti beendete seinen 100-m-Brust-Vorlauf auf Platz acht. Mark Warnecke war über 50 m Brust nicht viel besser. Er wurde insgesamt Vorlauf-Zehnter.

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