Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.02.2002

18:50 Uhr

BSkyB schreibt Beteiligung am Bezahlsender Premiere ab

Murdoch hält Kirch Versagen vor

VonANDREAS HOFFBAUER

Der australische Medienmagnat Rupert Murdoch ist bekannt für seine ruppigen Methoden. Dennoch überrascht die scharfe Kritik, mit der sein britischer Statthalter das deutsche Kirch-Management überschüttet.

Murdoch, Kirch Foto: ap

Murdoch, Kirch Foto: ap

LONDON. Mit Argwohn verfolgt der australische Medienunternehmer Rupert Murdoch den Versuch von Bundeskanzler Gerhard Schröder, sich bei der Rettung der Kirch-Gruppe einzumischen, um womöglich eine nationale deutsche Lösung zu Stande zu bringen. Man sei gespannt, was die Wettbewerbsbehörden in Brüssel dazu sagen werden, hieß es am Wochenende in London aus dem Imperium des Medienzars.

Gleichzeitig erhöhte Murdoch den Druck auf seinen bisherigen Partner in München massiv. Der britische Pay-TV-Sender BSkyB, über den Murdoch 22 Prozent an Kirchs deutschem Pendant Premiere hält, blies erstmals offen zum Rückzug aus dem defizitären Engagement. "Wir haben endgültig dass Ende der Fahnenstange erreicht", hieß es in London.

Murdoch hat das Recht, seine Anteile an Premiere am 1. Oktober für etwa 1,6 Mrd. Euro an Kirch zu verkaufen. BSkyB-Chef Tony Ball sagte dem Handelsblatt, dass sein Unternehmen auf keinen Fall Premiere übernehmen wolle. Dies galt bislang als eine mögliche Lösung für eine im Herbst fällige Milliarden-Forderung von Murdoch an Kirch. Der definitive Bruch mit Kirch verhalf der BSkyB-Aktie zu einem deutlichen Kursanstieg.

In ungewöhnlich scharfer Form warf der BSkyB-Chef den Kirch-Managern Versagen bei Premiere vor. Ball machte auch deutlich, dass BSkyB die zum 1. Oktober fällige Option zum Verkauf des Premiere-Anteils ausüben wird - "unter bestimmten Umständen auch früher". Es gebe keine Verhandlungen über eine Verlängerung oder Neugestaltung der Option. Ball: "Wir wollen unser Geld zurück." Sein Unternehmen werde kein Geld mehr in den deutschen Sender stecken. Die Briten sind nach seinen Worten auch nicht an Kirchs Sportrechten interessiert.

BSkyB hat daher die Beteiligung im Wert von 985 Mill. Pfund (1,6 Mrd. Euro) bereits im laufenden Geschäftsjahr abgeschrieben. Denn man erwartet, dass der angeschlagene Leo Kirch Schwierigkeiten bekommt, die fällige Summe auszuzahlen. Die Abschreibung auf das Premiere-Engagement hatte der Vorstand in London auf einer Sitzung beschlossen, zu der Rupert Murdoch per Video aus Los Angeles zugeschaltet war. Durch diese Entscheidung stieg der Vorsteuerverlust von BSkyB im ersten Halbjahr um gut 20 Prozent auf 1,25 Mrd. Pfund (2,02 Mrd. Euro).

Der Geschäftsführer der Kirch-Gruppe, Dieter Hahn, räumte am Wochenende tatsächlich ein, dass sein Unternehmen ein "strukturelles Problem" mit der Option Rupert Murdochs zum Verkauf seiner Anteile von 22 Prozent an Premiere habe. Die Forderung bedrohe die Kapitalstruktur der Unternehmensgruppe: "Perspektivisch können wir im Laufe des Jahres Liquiditätsprobleme bekommen", sagte Hahn in einem Interview der "Welt am Sonntag".

Welche Ziele Murdoch künftig in Deutschland beim Pay-TV verfolgt, ließ Ball offen. "Wir glauben, dass die Chancen am deutschen Markt sehr groß sind", betonte er. Mit Premiere aber habe der Einstieg nicht funktioniert: "Viele Dinge, die hätten geschehen sollen, sind einfach nicht passiert". Im Gegensatz zu Bezahlkanälen wie BskyB oder Canal Plus in Frankreich kommt Premiere World kaum voran, die Zahl der Abonnenten stagnierte im vergangen Jahr bei 2,4 Millionen.

Ball warf den Kirch-Managern nicht nur Management-Fehler, sondern auch schlechten Stil bei den laufenden Verhandlungen vor. BSkyB "hat bis jetzt nicht alle Informationen bekommen, die angefordert wurden". Murdochs Rechnungsprüfer haben daher bereits Einsicht bei Premiere genommen. Zudem sollen Londoner Anwälte bereits einen harschen Brief an Kirch geschickt haben. An eine gütliche Einigung glaubt in London nun niemand mehr. "Ich meine, dass unsere Aussage heute klar macht, dass diese Partnerschaft beendet ist", sagte der BSkyB-Chef. Analysten reagierten erleichtert auf den Abschied bei Premiere. Dies zeige, dass "BSkyB sein Geschäftsmodell nicht aufs Spiel setzt", erklärte Kingsley Wilson von Investec Henderson Crostwaite. Das Kerngeschäft am britischen Pay-TV-Markt scheine sich zudem gut zu entwickeln, lobte ein anderer Analyst.

BSkyB hat im Quartal bis Dezember 218 000 neue Kunden gewonnen und ist mit 5,7 Mill. Abonnenten klarer Marktführer in Großbritannien. Bis Ende 2003 peilt BSkyB 7 Mill. Abos an. Der Umsatz pro Kunde legte um 11 Prozent auf 331 Pfund zu. Die Rate der Aussteiger liegt mit rund 10 Prozent deutlich unter dem der Konkurrenten.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×