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03.07.2000

13:35 Uhr

Buchhändler erwägt juristische Schritte gegen das Embargo

Verlage verhängen Lieferboykott gegen Handelskette Libro

Nach dem Wegfall der grenzüberschreitenden Buch-Preisbindung bietet die Buchhandelskette Re-Importe für bis zu 20 % unter dem Ladenpreis an.

afp ZÜRICH/BERLIN. Nach der Preisoffensive der Buchhandelskette Libro haben die deutschsprachigen Verlage einen gemeinsamen Lieferstopp gegen den österreichischen Anbieter erklärt. "Alle großen Verlage haben bereits eine Sperrung verhängt", sagte der Marketing-Geschäftsführer des Diogenes-Verlages, Stefan Fritsch, am Montag in Zürich.

Bei den seit Samstag geltenden Libro-Angeboten, die bei mehreren Bestsellern um 20 Prozent unter dem Ladenpreis liegen, handele es sich um einen eindeutigen "Preisbindungsverstoß". Libro erklärte, das Unternehmen überlege nun juristische Schritte gegen das Embargo.

Die grenzüberschreitende Buchpreisbindung zwischen Deutschland und Österreich war zum Monatsbeginn gefallen. Damit gelten feste Verlagspreise nicht mehr für Bücher, die von einem Land ins andere gebracht werden.

Libro: Keine Preisbindung für Re-Importe

Libro stellt sich auf den Standpunkt, dass der Wegfall der Preisbindung auch für die so genannten Re-Importe gilt, also Bücher aus Deutschland, die über Österreich wieder zurück auf den deutschen Markt gebracht werden. Der Börsenverein des deutschen Buchhandels hält zwar im Einzelfall günstigere Preise für möglich. Dies gelte aber nicht für Verkäufe im großen Stil. Dabei stützen sich die Verlage auf das am Donnerstag im Bundestag verabschiedete Gesetz, das die nationale Buchpreisbindung festschreibt. Darin wird verlangt, dass Re-Importe nicht allein dazu dienen dürfen, die Preisbindung zu umgehen.

"Wir sehen uns das in Ruhe an und werden nun nicht in Hektik verfallen", sagte eine Libro-Sprecherin in Berlin. Das Unternehmen hatte ihren Worten zufolge durch das Sonderangebot am Wochenende ein Vielfaches der sonst üblichen Bestellungen erhalten.

Diogenes ist von dem Libro-Angebot unter anderem bei dem Buch der US-Autorin Donna Leon "In Sachen Signora Brunetti" betroffen. Der Bestseller liegt im Online-Angebot des österreichischen Buchhändlers rund 8 DM unter dem Festpreis von 39,90 DM. Marketing-Geschäftsführer Fritsch betonte, der Diogenes-Lieferstopp solle dauerhaft verhängt werden. "Das werden wir auch beibehalten." Wichtig sei, dass sich alle Verlage dem Boykott anschlössen. Fritisch zeigte sich zuversichtlich, dass dies "spätestens am Dienstag" erreicht sein werde.

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