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22.01.2003

07:41 Uhr

Buchungen für Sommer 2003 liegen noch unter dem schwachen Stand des Vorjahrs

Reisebranche macht sich auf weiteres Krisenjahr gefasst

Die Krise hat die beiden deutschen Touristik-Riesen Tui und Thomas Cook offenbar weiter fest im Griff. Zwar will Europas Marktführer Tui am Mittwoch vorläufige Zahlen für das Geschäftsjahr 2002 vorlegen, die im Vergleich zum Wettbewerb ordentlich aussehen. An deutlichen Umsatz- und Ergebniseinbußen kam der Konzern aus Hannover jedoch nicht vorbei.

ebe DÜSSELDORF. Von der Nachrichtenagentur Bloomberg befragte Analysten rechnen im Durchschnitt mit einem Konzernumsatz in Höhe von 20,2 Mrd. Euro sowie einem Gewinn vor Steuern und Firmenwert-Abschreibungen (Ebta) von 736 Mill. Euro. Das wären 75 Mill. Euro weniger als im Vorjahr.

Nach Meinung von Branchenanalysten zeigt das Ergebnis allerdings, dass der Konzern in seiner neuen Hauptsparte Touristik inzwischen gut aufgestellt ist: "Tui macht in einem katastrophalen Umfeld noch operativ Gewinne, während Wettbewerber in Großbritannien ums Überleben kämpfen", sagt Christian Obst von der Hypo-Vereinsbank.

Dennoch werden die Spuren der Krise deutlich, zumal das Tui-Konzernergebnis durch außerordentliche Erträge geschönt wird: Der Verkauf von Industrie-Beteiligungen und 14 000 früheren Werkswohnungen in Salzgitter brachte Tui 2002 Buchgewinne in dreistelliger Millionenhöhe.

Auch der Ausblick von Konzernchef Michael Frenzel wird wohl erneut trüb ausfallen. Aus der kurzfristigen "Wachstumsdelle", von der führende Touristiker häufig sprachen, ist längst eine handfeste Krise geworden, die sich immer länger hinzieht. "Es ist definitiv keine Umkehr des Trends erkennbar", sagt Obst. Auch andere Marktbeobachter erwarten im Auslandsreisegeschäft für 2003 keine Chance zur Besserung: "Selbst in einem optimistischen Szenario rechnen wir allenfalls mit einer Stagnation der Reiseausgaben in Deutschland", sagt Dresdner-Bank-Volkswirtin Renate Finke.

Die ersten Meldungen zum laufenden Reisejahr stützen diesen Trend: Das Fachblatt "Touristik-Report" schreibt in seiner aktuellen Ausgabe, die Buchungen für die Sommersaison 2003 lägen derzeit noch unter dem Niveau des schwachen Vorjahrs. Nach Brancheninformationen liege Tui derzeit mit etwa 1 % knapp im Minus, während die Buchungssituation bei der Thomas-Cook-Kernmarke Neckermann "deutlich schwächer" sei.

Dabei haben die Konzerne nichts unversucht gelassen, um die Kundschaft zur nächsten Urlaubsbuchung zu locken: Rabatte für Frühbucher, Reisen per Ratenzahlung, kostenfreie Umbuchungen - vieles wurde probiert, bisher vergebens. Allenfalls mit massiven Preissenkungen sind die Verbraucher derzeit zu locken. Das Risiko eines Preisverfalls wollen jedoch weder Tui noch Thomas Cook eingehen.

Quelle: Handelsblatt

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