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07.01.2001

18:20 Uhr

Buchungssoftware soll an Dritte verkauft werden

Travel 24 und Lufthansa Systems gründen Joint Venture

Die Bekanntgabe eines geplanten Gemeinschaftsunternehmens mit einer Lufthansa-Tochter für den elektronischen Vertrieb hat die Aktie der am Neuen Markt notierten Travel 24.com am Mittwoch beflügelt. Lufhansa dagegen konnten keinen Kurszuwachs verbuchen. Zuvor hatte Travel 24 angekündigt, die Tochter Buchungsmaschine AG in ein Joint Venture mit der Lufthansa-Sparte einzubringen.

no/md/jgo DÜSSELDORF. New Economy und Old Economy bilden ein Joint Venture. Am Mittwoch haben Travel 24.com und die Lufthansa Systems GmbH angekündigt, die Buchungsmaschine AG, eine Travel 24-Tochter, in ein Joint Venture einzubringen. Das Unternehmen Buchungsmaschine gehörte bis zur Übernahme durch Travel 24.com im August vergangenen Jahres zur Internetbeteiligungsgesellschaft United Internet. Die beiden Partner halten jeweils 50 % an dem neuen Unternehmen. Zugleich werde noch ein dritter Partner gesucht, hieß es. Details will Travel 24.com aber erst auf der Bilanzpressekonferenz am 29. März bekannt geben.

Travel 24.com - Intraday-Chart

Travel 24-Sprecher Klaus Artmann zufolge wird das Gemeinschaftsunternehmen Buchungsmodule für Portale und Reiseanbieter im Internet entwickeln. Travel 24 bringe dabei die Kompetenz auf dem Gebiet der Urlaubsreisen, die Lufthansa die Erfahrung bei Geschäfts- und Linienflügen ein. Befürchtungen, die Belieferung von Konkurrenzanbietern mit Buchungssoftware könne die Attraktivität des eigenen Angebotes schmälern, hegt Travel 24.com nach seinen Worten nicht. "Für die in den Startlöchern stehenden Nachahmer hat sich durch die derzeitige Börsensituation der Zugang zum Markt versperrt," sagte er im Gespräch mit Handelsblatt.com.

Die Software, die gemeinsam mit der Lufthansa-Tochter entwickelt werde, soll seinen Angaben zufolge dem eigenen Angebot zu Gute kommen. "Erklärtes Ziel der Tochtergesellschaften ist es aber auch, die Produkte weiter zu verkaufen." Zurzeit nutzten bereits 500 Reisebüros die Buchungsmodule der bisherigen Tochtergesellschaft. Diese Zahl wolle Buchungsmaschine stark erhöhen. Artmanns Angaben nach zahlen die Reisebüros für die Nutzung des Buchungsmodules in der Regel neben einer monatlichen Grundpauschale eine Transaktionsgebühr in Höhe von 1,5 Prozent des Verkaufspreises.

Lufthansa spricht von reiner Technologiepartnerschaft

Während Travel 24 den Vorteil der Kooperation mit der Lufthansa-Tochter groß verkündete, zeigte sich die Fluggesellschaft selbst am MIttwoch zurückhaltend. Das neue Unternehmen sei eine reine Technologiepartnerschaft, versicherte Markus Orth, Geschäftsführer der im März 2000 gegründeten E GmbH, -Business die das Onlinegeschäft des Konzerns vorantreiben soll. Das Online-Produkt 'Infoflyway' der Deutschen Lufthansa werde durch das neue Unternehmen nicht berührt, sagte Orth. "Mit Infloflyway betreuen wir ein Rundum-Packet", sagte Orth. Die wichtigste Zielsetzung für die Lufthansa E GmbH-Commerce sei die Kundenbindung.

Beim Bundesverband mittelständischer Reiseunternehmen (asr) stieß die Kooperation auf Skepsis. Pressesprächer Yann Schäfer sagte, das Joint Venture sei kein Schritt in die richtige Richtung. Buchungsmodule zu mieten, an deren Entwicklung ein dominierender Reiseanbieter beteiligt sei, zahle sich nicht aus, sagte er im Gespräch mit Handelsblatt.com. Das Joint Venture ist seiner Ansicht nach ein Versuch der Lufthansa, die Unabhängigkeit der Reisebüros weiter zu schmälern. Schon jetzt sei die finanzielle Lage der Reisebüros sehr angespannt. "Die Büros hängen immer mehr am Tropf der Fluggesellschaften", lautet sein Fazit.



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