Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

05.02.2001

15:33 Uhr

jgo DÜSSELDORF. Die Aussichten für die Deutsche Börse AG werden von Analysten vor allem auf längere Sicht positiv eingeschätzt. Olgard Eichler, Fondsmanager bei Union Investment, sagte im Gespräch mit Handelsblatt.com, er rechne nach dem "fulminanten Start" mit weiter zunehmendem Interesse vor allem der institutionellen Anleger. Seiner Auffassung nach ist das Unternehmen mit einem Kursgewinn-Verhältnis (KGV) von 20 bis 22 sehr preiswert bewertet. "Ein zweistelliges Wachstum in den nächsten fünf Jahren sollte selbst bei einer konservativen Prognose erzielt werden können", sagte der Analyst. "Auch bei einer Aufnahme in den M-Dax wird aus der Aktie sicherlich kein Mauerblümchen."

Skeptischer sieht hingegen Klaus Lüpert, Analyst bei HSBC Trinkaus & Burkhardt, das derzeitige Kursniveau. "Wir hatten ursprünglich ein Kursziel von 370 Euro genannt, davon ist die Aktie schon nach dem ersten Tag nicht mehr weit entfernt. Von der Bewertung her gesehen ist der Titel also schon ausgereizt." Die Aktie sei bei günstigeren Kursen eine "interessante Beimischung im Depot", mehr aber auch nicht.

Bemerkenswert an dem Börsengang sei, dass 85 Prozent der Papiere ins Ausland gegangen seien, und zwar vor allem in die USA und nach Großbritannien. "Die Zielrichtung ist klar: Man möchte ein freundliches Umfeld schaffen, wenn Akquisitionen oder Kooperationen anstehen", sagte Lüpert. Sollten sich tatsächlich bald Partnerschaften oder Übernahmen abzeichnen, könne die Aktie neu bewertet werden. Mit einer neuen Story gewinne das Papier eine ganz neue Perspektive, sagte der Analyst.

Sein Kollege von Union Investment sieht hingegen eher die Situation in Deutschland als viel versprechend an. Der deutsche Markt habe noch Nachholbedarf, und die Rentenreform sowie die Steuerbefreiung für Beteiligungsverkäufe dürften dem Handel seiner Auffassung nach neue Impulse geben. Eichler sagte, er rechne mit einer Verlangsamung beim Ergebnis im 4. Quartal, glaube aber, dass es sich dabei um eine kurzfristige Erscheinung handeln werde.

Suche nach Partnern erleichtert

Der Konkurrenz durch neue elektronische Handelssysteme (Electronic Communication Network - ECN) könne das Technologieunternehmen mit einiger Gelassenheit entgegen sehen, sagte Eichler. Entscheidender sei vielmehr eine andere Frage: "Wird man es schaffen, beim Konsolidierungsprozess eine gestaltende Rolle zu spielen? Die Börse muss aufpassen, dass sie sich nicht isolieren lässt."

Nach den Worten Lüperts haben die Börse und ihr Chef, Werner G. Seifert, bereits in den vergangenen Wochen zu verstehen gegeben, dass sie gewillt sind, Kooperationen einzugehen.
Durch den Börsengang habe das Unternehmen sich nun mehr Spielraum verschafft, sagte Eichler. Zum einen spüle der Börsengang Geld ein, zum anderen bringe er der Börse eine Akquisitionswährung in Form von Aktien. Und schließlich sei, wenn es um Übernahmen gehe, auch die ständige Bewertung am Kapitalmarkt positiv.

Mit einer Fusion sei jedoch zunächst nicht zu rechnen, sagte Eichler. "Ich halte Allianzen und Partnerschaften für wahrscheinlicher", sagte der Analyst. Zunächst könne die Initiative aber auch von anderen ausgehen.

So sei die neue Chefin an der Spitze der London Stock Exchange in einer komfortablen Situation. "Euronext (der Zusammenschluss der Börsen von Paris, Amsterdam und Brüssel) und auch die Amerikaner werden sicherlich ihr Interesse anmelden, und es ist nicht ausgeschlossen, dass Deutschland bei Verhandlungen außen vor bleiben könnte." Auf längere Sicht sei Frankfurt aber nicht zu ignorieren. Eichler: "An der Deutschen Börse kommt langfristig keiner vorbei."

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×