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13.04.2003

22:00 Uhr

Bundesbank widerspricht Welteke: "Wir gestalten unsere Geldpolitik unabhängig vom IWF"

Währungsfonds sieht Spielraum für Zinssenkungen

VonMichael Backfisch

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat Begehrlichkeiten des Internationalen Währungsfonds, die Zinsen zu senken, zurückgewiesen.

WASHINGTON. Bundesbankpräsident und EZB-Ratsmitglied Otto Welteke sagte dem Handelsblatt am Rande der Tagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) am Wochenende in Washington: "Da gilt das alte Sprichwort: Je mehr man Notenbanker schlägt, desto steifer werden sie. Wir werden in der Europäischen Zentralbank unsere Geldpolitik unabhängig davon gestalten, was der IWF oder andere uns an Ratschlägen geben."

Zuvor hatte IWF-Chef Horst Köhler gesagt, dass es noch "Spielraum" für Zinssenkungen gebe, falls die Inflation kein Grund zur Sorge sei. Welteke deutete dagegen an, dass die Chancen auf eine weitere Zinssenkung derzeit nicht besonders hoch sind: "Die EZB hat innerhalb der letzten vier Monate zweimal die Leitzinsen gesenkt. Wir wissen doch, dass jede Zinssenkung erst mit einer Verzögerung greift. Wir haben in der Bundesrepublik Deutschland noch nie niedrigere Notenbank-Zinsen gehabt als gegenwärtig."

EZB-Chef Wim Duisenberg bekräftigte ebenfalls die abwartende zinspolitische Haltung der Notenbank. "Die EZB-Ratsmitglieder betrachten die aktuelle geldpolitische Haltung als angemessen, um Preisstabilität auf mittlere Sicht zu gewährleisten", sagte Duisenberg in Washington. Das aktuelle Leitzinsniveau in der Euro-Zone von 2,50 Prozent stehe einer Konjunkturerholung nicht im Wege.

Als Hauptproblem für die Weltwirtschaft bezeichnete Duisenberg das Klima der Unsicherheit sowie das weiter sinkende Vertrauen und die trübe Stimmung der Verbraucher und Investoren. "Das sind die Themen, die bewältigt werden sollten." Nach seiner Ansicht kann aber nur eine glaubwürdige Fiskalpolitik das Vertrauen in die Wirtschaftsentwicklung wieder stärken.

Duisenberg äußerte sich mit Blick auf die Preisentwicklung erneut zuversichtlich, dass die Jahresteuerung in der Euro-Zone wegen des sinkenden Ölpreises ab April oder Mai zurückgehen und in der zweiten Jahreshälfte unter der EZB-Toleranzgrenze von zwei Prozent liegen werde. Im März betrug die Jahresteuerung 2,4 Prozent.

Welteke verteidigte die Toleranzgrenze der EZB, nachdem der IWF für eine Inflations-Obergrenze von 2,5 Prozent plädiert hatte. Es sei der EZB immerhin gelungen, mit ihrer Definition die Inflations-Erwartungen der Marktteilnehmer seit Einführung des Euros unter zwei Prozent zu halten. "Das ist ein ganz erheblicher Erfolg, der mithilft, höhere Inflationsraten zu vermeiden", sagte Welteke dem Handelsblatt.

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