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10.02.2002

19:00 Uhr

Bundeskanzler Schröder zu Besuch in Lateinamerika

Mexikos Präsident wirbt um deutsche Investitionen

VonKLAUS EHRINGFELD

Nach dem Erfolg mit der Nafta möchte Mexiko auch den Handel mit der EU und speziell mit Deutschland verbessern. Der Besuch von Bundeskanzler Schröder ist für Präsident Fox ein geeigneter Hebel.

Vicente Fox

Vicente Fox

MEXIKO CITY. Mexiko ist nach Ansicht von Präsident Vicente Fox gegen eine Krise, wie sie Argentinien derzeit erlebt, immun. Die Situation in den beiden Staaten sei "überhaupt nicht zu vergleichen", sagte Fox in einem Gespräch mit dem Handelsblatt. "Wir haben vor sechs Jahren selbst in einer gravierenden Wirtschaftskrise gesteckt, und deswegen legen wir großen Wert auf makroökonomische Stabilität". Die Regierung achte auf ein geringes Haushaltsdefizit, zudem seien die Zinsen niedrig und die Direktinvestitionen hoch. Auch die Auslandsschuld mache nur 15 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP) aus. "Das Vertrauen in unsere Wirtschaft ist sehr groß", ergänzte Fox.

S&P hebt Mexiko auf Investitionsstufe

Am Donnerstag honorierte die Ratingagentur Standard & Poor's die Leistungen Mexikos und hob die Kreditwürdigkeit für langfristige Währungsanleihen auf die Investitionsstufe. Damit ist das Land neben Uruguay und Chile das einzige in Lateinamerika, das von den drei großen Ratingagenturen diesen Investitionsgrad verliehen bekommen hat. "Ich wage zu behaupten, dass Mexiko derzeit der beste Platz für Investitionen auf der ganzen Welt ist", sagte der Präsident.

Diese Botschaft will der frühere Unternehmer auch Bundeskanzler Gerhard Schröder und der hochrangigen deutschen Wirtschaftsdelegation nahe bringen, die Mexiko am Montag und Dienstag besuchen. "Wir hoffen, dass durch den Besuch deutsche Investitionen und der bilaterale Handel nachdrücklich gefördert werden", betont Fox. Deutschland ist mit type="unknownISIN" value="3 Plus TV Network AG">3 % Anteil am Außenhandel noch der größte Wirtschaftspartner Mexikos in Europa. Der Wirtschaftsaustausch mit der Europäischen Union insgesamt beläuft sich trotz des Freihandelsabkommens vom Juli 2000 auf nur 6 %. In zehn Jahren könne laut Fox der Außenhandel zwischen EU und Mexiko aber "mit etwas Anstrengung" das Volumen erreichen, das Mexiko heute in der Nordamerikanischen Freihandelszone Nafta mit den USA und Kanada habe. Die USA nehmen fast 90 % der mexikanischen Ausfuhren ab. 20 % des BIP hängen vom Export ins Nachbarland ab.

Volkswagen bereits stark engagiert

Mexiko bietet deutschen Investoren laut Fox zwei große Vorteile: "Die Nafta eröffnet den Zugang zum US-Markt praktisch ohne Zölle. Zudem sind hier die Produktivität hoch und die Lohnkosten niedrig." Auch sei der Zugang nach Süden gebahnt, weil Mexiko über Freihandelsabkommen mit den Staaten Zentralamerikas sowie mit Kolumbien und Venezuela verfüge. Deutsche Investitionen kann sich Fox im Automobilsektor vorstellen, wo es vor allem mit Volkswagen bereits ein starkes Engagement gibt, aber auch in der Telekommunikation, im chemischen und petrochemischen Bereich sowie in der Stromerzeugung.

In Erdölförderung und Stromgewinnung sind zur Vermeidung von Engpässen dringend Investitionen nötig, die der Staat nicht leisten kann. Auf der anderen Seite sind beide Wirtschaftszweige bisher nur restriktiv oder gar nicht für privates Kapital zugänglich. Deshalb hofft der Präsident, dass das Parlament noch im März die Energiereform verabschiedet, die den Erdölsektor für private Investitionen öffnen würde. Außer über Wirtschaft will Fox mit Schröder auch über eine Reihe "globaler Themen" wie Terrorismus reden.

Nach etwas mehr als einem Jahr im Amt zieht der 59-Jährige eine positive Bilanz seiner Arbeit. "Für mich laufen die Dinge gut. Mexiko steht verglichen mit anderen Ländern gut da, wir genießen hohes Ansehen in der Welt für die Fortschritte bei Menschenrechten und Demokratie. Aber wir haben noch immer einen langen Weg zurückzulegen." Und: "Die Herausforderung besteht jetzt darin, die wirtschaftliche Stärke umzusetzen in mehr Bildung, zur Bekämpfung der Armut und für die öffentliche Sicherheit."

Mit dem Ureinwohner-Gesetz habe die Regierung ihr Ziel erreicht, im Bundesstaat Chiapas Frieden zu schaffen. "Bei der Fiskalreform haben wir es geschafft, die Steuerquote von 10,8 auf 13,1 % zu erhöhen. Ein modernes Steuersystem haben wir allerdings nur zu 70 % bewirkt. Da müssen wir noch nachbessern", räumte Fox ein. Er war letztlich mit dem Herzstück seiner Reform, Medikamente, Bücher und Lebensmittel mit der Mehrwertsteuer von 15 % zu belasten, gescheitert.

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